Theaterweinprobe - Weinbauförderverein Schäftersheim und „Doredräwer“ servieren in der Bauernhalle erneut Vergnügliches Die neue Weinkönigin ist ein Mann

Von 
Bernd Hellstern
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Die 15. Theaterweinprobe stand unter dem Motto „Im Tal der Königinnen“. In der Bauernhalle Schäftersheim gab’s am Ende rauschenden Beifall.

Reporter Rudi wartet vergebens auf die Live-Schalte nach „Rettersche“. © Bernd Hellstern
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Schäftersheim. Sie haben längst Kultstatus erreicht, die etwas anderen Weinproben in der Schäftersheimer Bauernhalle, organisatorisch gemeinsam getragen vom Weinbauförderverein Schäftersheim und der Theatergruppe Doredräwer. Für die 15. Ausgabe, für die wieder Andrea Riegler-Seyffer und Tanja Jacoby Fleuchaus in Sachen Text und Regie verantwortlich zeichneten, hatte man sich ein ganz besonderes weinspezifisches Thema ausgedacht. „Denn wo Wein, da auch Weinköniginnen“ und deshalb servierte man dem Publikum neben den Weinen der näheren Tauberregion, die etwas andere „Die Wahl der Weinkönigin – Im Tal der Königinnen“.

Auch dieses Stück drückte dem begeisterten Publikum quasi die Tränen ins Gesicht und testete ein ums andere Mal die Fitness der für das Lachen zuständigen Kopfpartien.

Als wortgewandter und charmanter Moderator fungierte Raini Cianti (Rainer Hörner), den die geballte Weiblichkeit der Kandidatinnen allerdings des Öfteren auf eine harte Geduldsprobe stellte. Doch die Schäfterschmer Moderatorenkoryphäe meisterte auch die heikelsten Situationen im Stile eines Frauenverstehers. Denn die so unterschiedlichen Kandidatinnen in fast allen Konfektionsgrößen, die unterschiedlicher nicht sein konnten, sorgten nicht nur für allerhand frauliche Augenweide, sondern auch für etliche Verwirrung auf der Bühne.

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Für die Jury, die – es sei vorweg genommen – keine leichte Aufgabe zu bewältigen hatte, konnte man sich die Dienste der in Doredräwerkreisen und auch international erfahrenen Kenner der Szene wie Rosina Müller (Ida Reindel), Vico Thurgau (Pascal Hein) und des etwas arrogant-extrovertierten Karl Sauvignon (Benedikt Reindel) sichern.

Allerlei Anwärterinnen

Kredenzt wurden übrigens Markelsheimer/Weikersheimer Tauberberg (Bacchus, Regent Kabinett, Traminer Spätlese), Markelsheimer Probstberg (Riesling Kabinett trocken) und Schäftersheimer Klosterberg (Kerner Spätlese) der Jahrgänge 2017. Begleitet von den beiden Weinprinzessinnen Zita Klärle und Josefine Fleuchaus, stellten sich dann die jeweiligen Kandidatinnen vor, die teils auch rein private Interessen verfolgten.

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Wie zum Beispiel „Jutta von und zu Bacchus“ (Jutta Gromes), die sich schon aufgrund ihres Namens seit jeher zum adeligen Geschlecht und gekrönten Häuptern hingezogen fühlt. Da lag es klar auf ihrer blaublütigen Hand, sich selbst einmal krönen zu lassen – wenn auch nur zu einer Weinkönigin.

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Kandidatin Antonia Riesling (Antonia Schmitt) wollte schon als kleines Mädchen einmal eine Prinzessin sein, so wie im Film mit einem Prinz auf einem weißen Pferd. Nun sah Sie die zusätzliche Chance mit Hilfe dieser Kandidatur, sich durch die neuen Medien wie Instagram und Facebook, mehr Follower als Kate aus England zu aktivieren.

Und Katia Tauberschwarz (Katja Schmitt) hatte erfahren, dass man als Weinkönigin nicht nur ein Auto bekommt, sondern auch auf Reisen in ferne Länder gehen kann. Das passte gut, denn zum einen war ihr eigenes Auto gerade kaputt, zum andern hatte sie schon immer mal vor auf Weltreise zu gehen – und das als Weinkönigin dann kostenlos. Kandidatin Michaela Regent (Michaela Dietz) sah ihre Chance bei dieser Wahl, sich locker auf ihr eigentliches Berufsziel und die Karriere als „Bundeskanzlerin“ vorbereiten zu können. Sie war in ihrem Wortschwall kaum zu bremsen, als sie dem Publikum gestenreich erklärte, nach ihrem Pflichtjahr als Weinkönigin und der darauf folgen Wahl zur Bundeskanzlerin alles daran setzen werde, mit ihrer Intelligenz und Eloquenz das politische Zentrum Schäftersheim und die umliegende Bundesrepublik aufzuwerten.

Geheimnisvolle Aura

Kandidatin Sonja Kerner (Sonja Heim) gab zu, gar versehentlich da zu sein, denn eigentlich wollte sie an der Wahl zum Schäftersheimer Superweib teilnehmen. Nun, da sie schon mal da sei, werde sie auch gerne Weinkönigin, denn ob nun Superweib oder Weinkönigin, da sei ohnehin kein großer Unterschied.

Als letzte Kandidatin stellte sich Carla Traminer (Christoph Bergmann) vor, die eine etwas geheimnisvolle Aura umgab. Als die Kandidatinnen alle Juryfragen beantwortet und sich auch dem Publikum vorgestellt hatten, war eine Schaltung zu Außenreporter Rudi Weingarten (Rudi Immel) vorgesehen, doch technische Probleme – trotz des schnellen Internets in Schäftersheim – ließen die Verbindung in „Tal der Königinnen“ nicht zustande kommen. Stattdessen taumelte der etwas ratlose Rudi Weingarten, der die gesamte Strecke von Rettersche per Fuß hatte zurück legen müssen, auf die Bühne der Bauernhalle.

Dort, so der völlig erschöpfte Starreporter, warteten tausende Fans auf die angekündigte Live-Schaltung zur Wahl der neuen Weinkönigin. Nach mehreren Rücksprachen mit der Regie kommt schließlich heraus, dass das Fernsehteam versehentlich nach Ägypten in dortige „Tal der Königinnen“ geschickt worden war.

Reporter Rudi Weingarten resignierend: „Das wahre Tal der Königinnen“ ist doch in Rettersche. Dort warteten nun tausende Fans, ehemalige Weinköniginnen und die gesamte Prominenz des Kreises, vergebens auf die Fernsehübertragung aus der Bauernhalle.

Nach endlos anmutenden Minuten, als die Jury schließlich die Entscheidung getroffen hatte, und Moderator Raini Chianti die Entscheidung verkündete, platzt die Bombe. Denn aus Carla Traminer wurde Carlo Traminer, der mit Krone und Umhang, umhüllt von rauschenden Beifall des Publikums, auf der Bühne erschien mit den Worten: „Ich bin’s, Carlo Traminer, Euer neuer Weinkönig – endlich ein Mann!“