Der Gammertshof in Röttingen - Die Eheleute Lisa und Sebastian Horler kümmern sich um Ausbildung und Schulung von Berittpferden aus dem In- und Ausland Aus Zitronen soll Limonade werden

Von 
Markhard Brunecker
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Lisa und Sebastian Horler mit ihrem aktuell wohl wertvollsten und erfolgreichsten Pferd im Stall – der sechsjährigen „Danny Cool“. © Markhard Brunecker

Röttingen. Jeder Reiter wünscht sich ein Pferd, das gesund und angenehm zu reiten ist, das willig mitarbeitet und gut erzogen ist. Doch bis ein Pferd trotz vorhandenem Mindestmaß an Talent all diese positiven Eigenschaften vereint, muss es sorgfältig ausgebildet werden, um es anschließend mit kontinuierlichem Training zu etwas bringen zu können. Nicht nur das Pferd, sondern auch der Reiter muss über viele Jahre hinweg geschult werden und nach Möglichkeit Erfahrung gesammelt haben. Genau auf dieses Fundament können die Eheleute Lisa und Sebastian Horler am Röttinger Gammertshof blicken.

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Der Gammertshof, etwas außerhalb von Röttingen gelegen, ist eine weitläufige Anlage mit großen Stallungen, ganz oben am Rippachtal. Obwohl es den Hof schon seit vielen Jahren gibt, ist er relativ unbekannt geblieben, denn ein gewöhnlicher Reitstall ist der Gammertshof bislang nicht gewesen. Hier betrieben die Dressurreiter Udo Lange und Christilot Boylen aus Kanada jahrelang einen Sportstall für hochklassiges Reiten. Vor rund fünf Jahren haben der gebürtiger Münchner Sebastian Horler und seine in Esslingen geborene Ehefrau Lisa die Reitsportanlage übernommen.

Goldenes Reitabzeichen

Das noch junge Pferdesportehepaar hat sich bereits bundesweit einen angesehenen Namen gemacht. Zu ihren sportlichen Höhepunkten zählt ganz ohne Zweifel die Verleihung des Goldenen Reitabzeichens. Diese außergewöhnliche Ehrung wird einem zuteil, wenn er oder sie neun Siege in Klasse S* errungen hat sowie mindestens einen Sieg in S** vorweisen kann.

Beide können mit ihren Dressurpferden auf bayerische beziehungsweise baden-württembergische Meistertitel und Teilnahmen an Deutschen und Weltmeisterschaften zurückblicken. Mit ihren beiden besten Pferden im Stall waren sie im letzten Jahr für die Deutsche und die Weltmeisterschaft qualifiziert, doch wegen Corona wurden die Veranstaltungen abgesagt. Beide haben eine beeindruckende Ausbildung hinter sich.

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Der heute 35-jährige Sebastian begann im Alter von 16 Jahren eine Lehre für Zucht und Haltung plus Reiten am Haupt- und Landgestüt Schwaiganger (bei Garmisch). Weitere Stationen waren der Dressurausbildungsstall von Wolfram Wittig, Ausbilder von Olympiasiegerin Isabell Werth. Weiter zählt eine Ausbildung bei Springreiter Paul Schockemöhle und anschließend die Meisterprüfung zu seinem Werdegang. Vor seiner Röttinger Zeit war Sebastian Horler sieben Jahre Gestütsleiter am Starnberger See mit rund 100 Pferden. Sein damaliger Tierarzt machte ihn auf die Kaufmöglichkeit des Gammertshofes aufmerksam, da er bundesweit eine derartige Anlage suchte. Sein Hof dient nicht als Pensionsstall, bei dem Privatpersonen ihre Pferde einstellen und reiten können. Vielmehr beherbergt er ausschließlich Berittpferde. Das heißt, dass er Pferde aus dem In- und Ausland aufnimmt, um sich um deren weitere Ausbildung und Schulung – Schwerpunkt Dressur – zu kümmern. Ehefrau Lisa hat auch eine Ausbildung zur Pferdewirtin absolviert und ist ebenfalls Bereiterin. Kennengelernt hat sich das Paar natürlich bei einem Reitturnier und fühlt sich im Taubertalstädtchen sehr wohl. Der Röttinger Gammertshof kann bis zu 28 Pferde beherbergen und ist immer voll ausgebucht, es gibt gar Wartelisten.

Zum Ausbildungsstall Horler gehören neben dem Wohnhaus mit Wohnungen für Angestellte, dem Dressurviereck, 28 Boxen, eine 70 mal 25 Meter große Reithalle und Führmaschine. Ausgebildet werden die sehr wertvollen Sportpferde von dem jungen Ehepaar selbst und einer Auszubildenden. „Wir versuchen, aus Zitronen Limonade zu machen“, so der Pferdewirtschaftsmeister. Zum Team rund um den Hof gehören noch zwei Pfleger plus Halbtagskräfte. Einen großen Teil ihrer Arbeit nimmt aber auch die Vermarktung von Pferden ein. Weiterhin hat die Vorbereitung auf Körungen einen großen Stellenwert. Dabei werden zweieinhalbjährige Hengste einer Auswahl von Richtern vorgeführt die entscheiden, ob sie als Deckhengste für die Zucht geeignet sind oder nicht.

Große Erfolge

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Und auch hier kann das Ehepaar bereits auf große Erfolge zurückschauen, brachte es doch schon einige Champions hervor. Das Futter beziehen sie fast ausschließlich aus der Region. Zeit für Hobbys haben sie zwar nicht allzu viel, doch für die acht Jagdhunde und die gepachtete Jagd muss Zeit sein.