Tauberfränkische Volkskultur - Erstes Museumsfest im und um den Kornbau / Eröffnung mit Open-air-Gottesdienst auf dem Marktplatz / Musikschüler treten auf Alte Schätze locken zahlreiche Besucher

Von 
Inge Braune
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Beim ersten Museumsfest des Vereins Tauberfränkische Volkskultur gab es gleich mehrere Premieren. Für Groß und Klein wurde ein buntes Programm geboten.

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Weikersheim. Es war gewagt: Vier Jahrzehnte lang hatten sich Weikersheimer und die Gäste aus dem Taubertal an den Maisingen-Termin am Muttertag gewöhnt – und dann der harte Schnitt: Statt Maisingen Museumsfest im Juni, statt Trachtentänzergruppen und Chören auf der Marktplatzbühne drin im Museum die ganze Vielfalt der von der Musikschule Hohenlohe gepflegten Klangkunst. Es war gewagt: Beim Maisingen gab’s keine Ausspeisung zu Mittag und keinen Gottesdienst zum Start. Jetzt, beim ersten Museumsfest, gab’s beides: Premieren reihenweise – und die ergänzte dann auch noch die erste Tauberländer Grünkernkönigin Annika Müller I. durch ihren Besuch. Es war gewagt – und stieß auf gute Resonanz. Schon zum Eröffnungsgottesdienst fanden sich rund 200 Gläubige auf dem Marktplatz ein – vielleicht auch, weil das etwas ganz Neues war. Zumindest erinnerte sich keiner der Anwesenden, jemals einen Gottesdienst auf dem Weikersheimer Marktplatz erlebt zu haben. Dekanin Meixner griff in ihrer Predigt auf, was das Tauberstädtchen ausmacht und was auch der Verein Tauberfränkische Volkskultur anstrebt: Die lebendige Begegnung von Tradition und Zukunft.

Raum für Begegnung

Dass zwischen den Jahrhunderte alten Gebäuden und den ländlichen Traditionen Raum ist für die E-bike-Ladestation, zwischen Kirche und Schloss, Rathaus und Dorfmuseum Raum für Begegnung, macht für die Dekanin und die Bevölkerung den Marktplatz zu einem guten Ort. Vielleicht könne dieser Ort in besten Momenten eine Vorahnung geben von guten, paradiesischen, friedlichen und für alle offenen Städte. Wie harmonisches Miteinander funktioniert, dokumentierten auch die Stadtkapelle und die Bläserklasse der Musikschule Hohenlohe, die gemeinsam den ersten Weikersheimer Marktplatzgottesdienst umrahmten. Dicht umlagert war Christa Pickrahn, die mit Kindern vorm Museumseingang aus Steinen kleine bunte Kunstwerke gestaltete. Auch Korbmacher Karl Oechner freute sich über reges Interesse. Im Museum ließen sich die eifrigen Klöpplerinnen Barbara Dengler und Anni Vogel über die Schulter und in die Klöppelbriefe schauen. Das faszinierende Handwerk spiegelt sich auch in der derzeitigen Dorfmuseums-Sonderausstellung „Alles Handarbeit“ wider. Am Brunnen stöberten die Liebhaber „alter Schätzchen“ beim Museumsflohmarkt. Wem der Sinn nach größeren „alten Schätzen“ stand, der ließ sich nur allzu gern hinreißen von den fein herausgeputzten Trecker-Oldtimern. Sie brachten auch die Augen der Sängerinnen des Landfrauenchors zum Leuchten. Selbst ohne technische Verstärkung begeisterten die unter der bewährten Leitung von Margret Stier auf der Kornbautreppe auftretenden Damen. Kaum hatten die Vereinsvorsitzende Birgit Bulenda, Bürgermeisterstellvertreter Norbert Beck und Grünkernkönigin Annika I. die Gäste charmant auch ganz offiziell zur Premiere des neuen Museumsfests begrüßt, da gaben sich drin im Museum Besucher und Instrumental-Musiker bereits die Klinke in die Hand.

Musikalischer Nachmittag

Das musikalische Nachmittagsprogramm eröffnete in der Eingangshalle die Blockflötenband unter der Leitung von Ingrid Bauer und Regine Burdinski. Ein Geschoß höher waren, teils romantisch-melancholische, teils fetzig-folkige Gitarrenklänge der Schüler von Andreas Strasser und Moritz Beck zu hören. Auch das Streicher- und Piano-Trio unter der Leitung von Vladimir Turkin, die Schüler von Karen Busch, Tamara Krüger und Elisabeth Spitzer mit Blockflöten, Violinen oder Klavier traten auf. Wie Inge Franzrebs Tasteninstrumentalisten begeisterten sie die Zuhörer. Ob Liebesromanze oder Folksong, ob Klassik, Film- oder Weltmusik: Die Klänge weiteten auch den Blick auf die Vielfalt der Stuben und Exponate im Dorfmuseum.

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Zu erleben sind die jungen Musiker auch am kommenden Sonntag beim Tag der Musik in Niederstetten, wenn die Musikschule Hohenlohe in Bildungszentrum und Kult ihr 40-jähriges Bestehen feiert.

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