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Spurensuche Wer im Stadtgebiet nach Zeugnissen des Bombenkrieges bewusst Ausschau hält, der kann sie auch heute noch finden

Weiße Kreise und Buchstaben zeigen den Weg zur Rettung

Archivartikel

Sie drängen sich uns nicht auf, springen dem Betrachter nicht ins Auge. Doch wer einen Blick dafür hat, für den sind sie dennoch unverkennbar: Auch fast 74 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges sind im heutigen Mannheimer Stadtgebiet noch Spuren der Bombenangriffe und der Vorkehrungen gegen den Luftkrieg zu sehen.

Dabei geht es wohlgemerkt nicht um die unübersehbaren Spuren, also große Freiflächen, die immer noch ab und an in den Quadraten von einem Gebäude zeugen können, das dort einstmals gestanden haben muss; auch nicht jene Flächen, die inzwischen mehr oder weniger geglückt wieder bebaut worden sind, wie etwa Mannheims bekanntestes Quadrat N 1 mit seinem Stadthaus.

Nein, gesucht werden die eher unscheinbaren Zeichen an normalen Wohnhäusern. Zeichen, die die Dramen lediglich erahnen lassen, die sich innen abgespielt haben müssen, als Menschen dort kauerten, während die Bomben fielen.

Erstes Ziel: der Jungbusch, und dies ganz bewusst. Hier befindet sich noch die dichteste Ansammlung historischer Bausubstanz. Aufgrund der Sozialstruktur in diesem Gebiet wurden nach dem Kriege eher wenige Häuser außen saniert und verputzt – dieser eigentlich missliche Umstand ist für Historiker ein Glück: An mehreren Fassaden werden sie bei ihrer Spurensuche fündig.

Etwa am Haus Kirchenstraße 2 a/Ecke Luisenring. Hier stößt man sogar auf Spuren von Einschüssen und Granatsplittern; noch immer sind die mehrere Zentimeter großen Löcher in der Fassade unter den Jugendstil-Elementen zu sehen. Nur an der Hausseite zum Luisenring hin, quasi der Premiumseite des Gebäudes, ist zu erkennen, wie sie eher notdürftig verfüllt worden sind.

Fahrt aus der Innenstadt: In der Käfertaler Straße fällt ein Sandsteingebäude an der Einmündung zur Soironstraße auf. Benannt ist die Verbindung zur Friedrich-Ebert- Straße nach Alexander von Soiron, 1848 Vizepräsident der Deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche.

Nach dem Kriege wurde dieses Haus nicht neu verputzt – und trägt damit noch die Zeugnisse des Luftschutzes. Sowohl an der Fassade zur Soiron- als auch zur Käfertaler Straße hin befinden sich die weißen Buchstaben „LR“ und ein Pfeil nach unten.

„LR“ steht für Luftschutzraum, der nach unten weisende Pfeil zeigt, dass sich hinter den Fenstern der Luftschutzkeller dieses Hauses befunden haben muss. Falls das Gebäude zerstört und die Insassen im Keller verschüttet wären, hätten diese den Rettungstrupps von außen den Weg gewiesen.

An der Ecke, in Kopfhöhe, ist ein weißer Kreis zu sehen. Im Falle eines Brandes wies er die Feuerwehr auf einen in der Nähe vorhandenen Hydranten hin. Innerhalb des Kreises wurde ein Schild angebracht, auf dem die Entfernungen des Hydranten angegeben waren. Wie zu sehen, ist diese Vorgehensweise auch heute noch in Gebrauch.

In den meisten Vororten ist weniger zu finden als im Zentrum. Hier wurde mehr saniert und neu gebaut, zugleich weniger bombardiert. Eine der Ausnahmen: Neckarau; wegen seiner Industrie – vom Großkraftwerk bis zur Rheinischen Gummi – lag es im Fadenkreuz der alliierten Bomber.

Vor dem Haus Friedrichstraße 56 ist ein Originalgitter mit Aufschrift „Mannesmann Luftschutz“ vorhanden. In der Angelstraße wurde zwischen den Häusern 8 und 10 ein weißer Kreis aufgemalt. Inzwischen ist seine rechte Hälfte dank neuer Backsteine nicht mehr zu sehen. So verschwinden immer mehr Zeugnisse des Krieges.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/bombennacht