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Bildung: Lese-Rechtschreibstörung und Rechenstörung zeigen sich oft früh

Schlechte Leistungen in der Schule, Angst vor dem Unterricht: Bei vier bis fünf Prozent der Schulkinder steckt eine Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie) dahinter. Etwas häufiger tritt eine Rechenstörung, Dyskalkulie, auf (fünf bis sechs Prozent). In vielen Fällen wird die Störung zu spät erkannt, erläutert Annette Höinghaus. Sie ist Pressesprecherin des Bundesverbands für Legasthenie und Dyskalkulie (BVL). Wer sein Kind genau beobachtet und Rücksprache mit dem Lehrer hält, kann Auffälligkeiten aber früh entdecken:

Woran können Eltern erste Anzeichen für Legasthenie oder Dyskalkulie erkennen?

In der Regel fallen diese Beeinträchtigungen früh in den ersten Schuljahren auf. Bei der Dyskalkulie nehmen Kinder zum Rechnen immer ihre Finger zu Hilfe. Außerdem können sie sich keine Zahlen merken. „Besonders auffällig wird es, wenn sie den Zehnerraum verlassen und ihre Finger zum Zählen nicht mehr ausreichen“, erklärt Höinghaus. Bei einer Legasthenie fällt es Mädchen und Jungen schwer, aus Buchstaben Silben und aus Silben Wörter zu bilden. „Jedes Wort müssen sie sich immer wieder neu erarbeiten.“ Außerdem lesen die Kinder sehr stockend und machen viele Rechtschreibfehler.

Was ist der nächste Schritt?

Um das Kind optimal zu fördern, ist es wichtig, so schnell wie möglich eine richtige Diagnose zu stellen. „Lehrer erkennen die Störung als solche häufig nicht. Sie sagen dann, das Kind hat ADHS oder ist einfach schwächer begabt.“ Am besten wenden sich Eltern bei Verdacht an einen Kinder- oder Jugendpsychiater oder ein sozialpädiatrisches Zentrum. Fachleute können eine Rechenstörung oder eine Lese-Rechtschreibstörung mit standardisierten Tests nach den neuen Leitlinien zur Diagnostik feststellen. Für Eltern wie Kinder bedeutet die Diagnose oft eine Entlastung.

Welche Förderung braucht das Kind?

Die richtige Methode herauszupicken, ist für Eltern nicht leicht. Denn es gibt eine Vielzahl von Förderprogrammen – und „Lerntherapeut“ ist kein geschützter Begriff. Höinghaus empfiehlt Eltern, sich vor Ort bei Verbänden für Legasthenie und Dyskalkulie beraten zu lassen. Gut ist, wenn das Kind systematisch lernt, Buchstaben und Laute zuzuordnen und Wortstämme kennenlernt. Außerdem sollten Eltern dem Lerntherapeuten ihres Kindes auf den Zahn fühlen: Wie baut er den Förderplan auf? Werden anerkannte Förderansätze genutzt, wie von den neuen Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung der Lese-Rechtschreibstörung und Rechenstörung empfohlen? Teilt er den Eltern Zwischenfortschritte mit? Und am wichtigsten: Tauscht er sich regelmäßig mit den Lehrern aus, um abzugleichen, was gerade im Unterricht geübt wird?

Welche finanzielle Unterstützung können Eltern in Anspruch nehmen?

„So gut wie keine“, sagt die Pressesprecherin des BVL. Die Krankenkasse zahle zwar die Diagnose der Teilleistungsstörung, aber nicht deren Therapie. In Ausnahmefällen übernimmt das Jugendamt die Kosten für Förderkurse. Dafür müssen Eltern aber nachweisen, dass ihr Kind so beeinträchtigt ist, dass ihm eine seelische Behinderung droht. In den meisten Fällen müssen Eltern aber selbst für die Kosten aufkommen.