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Im Test Der neue Ford überzeugt mit einem guten Fahrwerk, viel Sicherheitsausstattung und sparsamem Motor

Willkommen in der „Focus-Klasse“

Köln.Sie sind die Brot-und-Butter-Autos, die Volumenmodelle, die Geldbringer. Deshalb steckt in den Fahrzeugen der „Golf-Klasse“ immer viel Entwicklungsarbeit, wird besonderer Wert auf Aussehen, Funktionalität und Qualität gelegt. Um dann trotzdem – wie der Name schon sagt – in einer Klasse zu landen, die von einem Wolfsburger dominiert wird. Seit Jahrzehnten.

Dabei verströmen ja oft gerade die Zweitplatzierten viel Sympathie – und so ist es auch beim neuen Ford Focus. Schick ist er geworden, der Neue. Ein breiter Kühlergrill zeigt die Familienzugehörigkeit, auch der Focus macht ein bisschen auf Aston Martin. Das Heck wirkt mit den nach außen gezogenen Leuchten breit. Innen empfängt ein sehr aufgeräumtes Cockpit die Passagiere, vorbei sind die Zeiten, in denen der Ford wegen seiner vielen Schalter und Knöpfe gescholten werden durfte.

Die bequemen Sitze zeichnen sich beim Testwagen, der in der sportlichen ST-Line geliefert wurde, besonders durch ihren tollen Seitenhalt aus. Der Wählhebel für das Automatikgetriebe steht als Rad in der Mittelkonsole, ein bisschen wie beim Jaguar. Wer nun meint, das Ganze sei bei einem 120-PS-Diesel etwas übertrieben, der täuscht sich. Im Stand und bei kaltem Motor macht sich der Selbstzünder nagelnd bemerkbar, nach den ersten gefahrenen Metern verschwinden jegliche Geräusche in der guten Dämmung – ebenso wie später irgendwelche Windgeräusche.

Liegt es an der Ruhe, am satten Drehmoment von 300 Newtonmetern oder an der völlig ruckfrei schaltenden Achtgang-Automatik? In jedem Fall stürmt der Focus gefühlt viel schneller davon, als es die nackten Zahlen versprechen. Leichtfüßig lässt er sich nicht nur durch die Straßen der Stadt dirigieren, auch außerhalb urbaner Beschränkungen überzeugt der 1,5-Liter mit anständigem Schub und vornehmer Zurückhaltung beim Konsum. Unter fünf Liter Diesel im Mix – das bekommt nur der viel gescholtene Diesel hin.

Kombi nennt sich „Turnier“

Vier Personen finden im Kölner angenehm Platz, auch die Nummer Fünf hinten in der Mitte hält es auf kürzeren Strecken gut aus. Dass das Fahrwerk, obwohl es in der ST–Line straffer ausgelegt ist, die Passagiere noch rückenschonend von A nach B bringt, ist genauso wenig selbstverständlich wie der Spagat, enge Kehren auch mal schwungvoll zu nehmen. Ohne schweißnasse Hände zu bekommen.

Vollgepackt mit Sicherheitsassistenten und der optionalen Möglichkeit, den Focus technisch auf Oberklassenniveau aufzurüsten, findet sich das Haar in der Suppe nicht. Neben den Diesel-Modellen bietet Ford auch seine mehrfach ausgezeichneten Dreizylinder-Benziner an, die schnurrend, sparsam und spritzig den Focus antreiben.

Wer will, kann ab 18 700 Euro in den Ford einsteigen. Für rund 1000 Euro mehr gibt es den familientauglichen, „Turnier“ genannten, Kombi. Bei einem so gelungenen Fahrzeug stellt sich die Frage: Muss immer ein Wolfsburger oben auf dem Treppchen stehen? Oder sollen wir einfach sagen: Willkommen in der neuen „Focus-Klasse“.

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