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Im Test Audi präsentiert mit dem stattlichen und schweren e-tron eine hochwertige Limousine

Luxus, Kraft und kleiner Radius

Ingolstadt.In den Auto-Tests auf dieser Seite geht es darum, neue Modelle vorzustellen. Es geht aber auch darum, sie im Alltag zu fahren und zu bewerten. Besonders spannend ist es, die für viele als alternativlos angesehenen Elektro-Fahrzeuge zu bewegen. Sie machen Spaß, weil sie ansatzlos losstürmen, beeindrucken durch ihren niedrigen Geräuschpegel und präsentieren meistens innovativste Technik. Aber: Auch die Angst fährt immer mit. Die Angst, dass es mit dem Aufladen nicht so recht klappen will.

Audi hat mit dem e-tron eine richtige Wuchtbrumme auf dem Markt gebracht. Eine Mischung aus Q8 und Q5, ein stattliches, variables und sehr gut verarbeitetes Reisefahrzeug. Bodenwellen bügelt die perfekt arbeitende Luftfederung routiniert ab, sie packt aber auch zu, wenn es mal flott durch eine Kurve geht. Im Innenraum verwöhnt Audi-Luxus die Passagiere, ein virtuelles Cockpit wird wie bei den verbrennergetriebenen Schwestermodellen von zwei Bildschirmen eskortiert, über die sich Navi, Fahrzeug-Einstellungen oder die Lüftung bedienen lassen.

Kraft steht dem e-tron ebenso reichlich wie die genannten Annehmlichkeiten zur Verfügung: 360 PS und vor allem mehr als 560 Newtonmeter an elektrischem Drehmoment verhelfen dem 2,5-Tonnen-Brocken zu einer beeindruckenden Leichtfüßigkeit. Beim Ampelsprint unterstützt der bei Audi „quattro“ genannte Allradantrieb den Grip hervorragend.

Ampelsprint ist ein gutes Stichwort. Unabhängig davon, dass dieser aufgrund des gewaltigen Schubs in der Stadt nur Ärger bringt – er kostet gewaltig an Reichweite. Das Dilemma, einen vor Kraft strotzenden Boliden zu fahren, ihn aber nicht fordern zu können, kennen viele E-Auto-Fahrer. Und so kommt es dann, dass auf Autobahn-Etappen der „Tesla-Effekt“ einsetzt und man mit dem e-tron genauso mit 80 zwischen den Lkw dahin kurvt, wie die Fahrer des amerikanischen Modells.

Suche nach der Ladestation

Und selbst beim Streicheln des „Gas“-Pedals auf der Landstraße schmilzt die Reichweite wie Butter in der Sonne. Von 300 Kilometern theoretischem Radius bleiben nach 80 Kilometern Fahrt noch 140 Kilometer übrig – wie gesagt, beim Dahingleiten. Da das für den Rückweg etwas eng sein könnte, beginnt die Suche in der ländlichen Region nach einer Ladestation. Die ist an einem Golfplatz im Odenwald installiert – zwölf Kilometer vom Besuchsort entfernt. Das Hinbringen und Abholen wird dann mit einem Verbrenner erledigt. Sieben Stunden dauert das Laden, an einer herkömmlichen Steckdose wären es 42 Stunden.

Als Reisefahrzeug ist der e-tron damit leider nicht unsere erste Wahl. Seine Stärke liegt in der Stadt, in kurzen Fahrten. Und das ist das Absurde: Ein fast fünf Meter langes und 2,5 Tonnen – allein der 95-kWh-Akku wiegt 700 Kilogramm – schweres Auto als Stadtfahrzeug. Das muss man wollen.

Das Thema, wo der Strom herkommt und wie die Batterien hergestellt werden, lassen wir einmal außen vor. Eins steht jedenfalls fest: Die Suche nach Alternativen zum Verbrenner darf nicht zu Ende sein.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/auto

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