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Im Test Jeep hat sein Urgestein Wrangler überarbeitet / Im Gelände fast unschlagbar / Mit langem und kurzem Radstand bestellbar

Klassiker wird alltagstauglich

Frankfurt.Landrover Defender, Mercedes G-Klasse und Jeep Wrangler. Die drei Namen fallen Autofans ein, wenn es um urwüchsige Allradler geht, die dorthin kommen, wo andere Fahrzeuge vorher schlapp machen. Den Defender gibt es nicht mehr, die G-Klasse ist zu edel geworden. Übrig bleibt der Wrangler, der gerade aufgefrischt wurde. Und obwohl nur Kenner die Unterschiede zum Vorgänger sehen – der Jeep-Klassiker (interne Bezeichnung JL) ist alltagstauglicher geworden.

„Rubicon“ heißt die Modellvariante, die noch rustikaler daher kommt, als die Modelle „Sport“ oder „Sahara“. Grobstollige Reifen, superkurze Geländeuntersetzung und Achssperren zeichnen ihn aus. Und 25 Zentimeter Bodenfreiheit sowie eine Wattiefe von 76 Zentimeter. Dass der Wrangler den „Rubicon Trail“, einen 40 Kilometer langen historischen Postweg in Kalifornien bezwingen kann, traut jeder ihm zu. Obwohl der Weg als eine der schwierigsten Strecken der Welt gilt.

Umso erstaunlicher ist es, dass sich der Wrangler im Alltag auf befestigten Straßen gut macht – immerhin basiert sein Konzept auf dem Willys aus den 1940er Jahren. Klar, Stadtpassagen mit engen Parklücken sind nicht seine erste Wahl. Aber auf Landstraßen und Autobahnen schnurrt der Jeep munter vor sich hin. Die dicke Bereifung macht sich bei Richtgeschwindigkeit akustisch bemerkbar und der Geradeauslauf bedarf kleinen Lenkkorrekturen – aber im Großen und Ganzen schlägt sich der Draufgänger ordentlich. Wilde Kurvenwedeleien will mit dem Jeep niemand vollführen.

Diesel und Jeep, das passt vor allem wegen des hohen Drehmoments von 450 Newtonmeter sehr gut. Schon im niedrigen Drehzahlbereich schiebt der 2,2-Liter den Klotz kräftig an. Sehr gut harmoniert das Aggregat mit der Achtgang-Automatik, die unauffällig die richtigen Stufen wählt. Im Zusammenspiel ergibt sich im Test so ein Verbrauch von 9,5 Litern. Neben dem Diesel gibt es in Deutschland einen Zweiliter-Benziner mit 270 PS im Angebot.

Luxus hält Einzug

Den Wrangler gibt es mit zwei Radständen, als Zwei- oder Viertürer. Beide Modelle können mit Stoffdach bestellt werden. Wer es im Sommer auf die Spitze treiben will, kann auch die Türen ausbauen und die Frontscheibe auf die Motorhaube legen – mehr Frischluft geht nicht. Ansonsten verwöhnen – auf Wunsch geschützt durch ein Hardtop – Sitzbezüge aus Leder, Sitzheizung, Totwinkel-Assistent mit hinterer Querbewegungserkennung, schlüsselloser Zugang oder ein zusätzlich gedämmter Dachhimmel (als Paket 1990 Euro) die Passagiere. Luxus macht auch vor einem Wrangler nicht halt. Und wer es auffällig mag, der kann mit der Farbe „Punk’N“ (890 Euro) in kräftigem Orange beim Nachbarn punkten.

Aber wer braucht den neuen Wrangler? Förster und Jäger vielleicht, die im Hochgebirge aktiv sind und die Passagen mit einem endcoolen Fahrzeug bewältigen wollen. Der Jeep ist ein Auto für Individualisten, das war er immer und wird es bleiben. Auch deshalb zählen bei ihm Straßenlage, Windschnittigkeit oder auch der Verbrauch nicht unbedingt.

Wer einen Wrangler will, nimmt alle seine Widrigkeiten in Kauf – oder entscheidet sich genau deshalb für ihn.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/auto

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