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Im Test Weil Opel zum französischen PSA-Konzern gehört, teilt sich der neue Opel Corsa die Plattform mit dem Peugeot 208

Kind einer Patchworkfamilie

Archivartikel

Mannheim.Strahlend weiß wie der Tennissport ist der Corsa ein fester Bestandteil der 1980er Jahre. Steffi Graf, auf dem Weg zum Höhepunkt ihrer Karriere, gibt sogar ihren Namen für das Sondermodell her. Das waren noch Zeiten für Opel! Fünf Autogenerationen später gehört das Unternehmen zum französischen PSA-Konzern, ehemalige Konkurrenten wie Peugeot oder Citroën sind plötzlich Brüder. Dass so eine Patchworkfamilie auch Vorteile haben kann, zeigt der neueste Corsa.

Er teilt sich Plattform und Motoren mit dem Peugeot 208. Und das bekommt ihm gut – ohne die Individualität vermissen zu lassen. Das Blechkleid des Corsa hebt ihn von der Masse ab, die runde Front, das knackige Heck erregen Aufmerksamkeit. Auch innen ist der Corsa eher Opel als Peugeot, wirkt aufgeräumt und die Anordnung der Instrumente ist selbsterklärend. Zwar ist Hartplastik durchaus präsent im Innenraum, die Verarbeitung wirkt aber hochwertig und solide. Der großzügige Touchscreen reagiert schnell auf Fingerbefehle, eine Spracherkennung erledigt die Navigationseingaben und Telefonbuchabfragen. Den digitalen DAB+-Radioempfang lassen sich die Rüsselsheimer nicht extra bezahlen.

Wer vorne Platz nimmt, braucht über Bewegungsfreiheit nicht zu klagen. Dass es sich hier um einen Kleinwagen handelt, bemerken die Passagiere erst auf der Rückbank, auf die sich durch die kurzen hinteren Türen erstmal geschlängelt werden muss. Ist wie beim Testwagen noch das optionale Glasdach eingebaut, schränkt das zudem die Kopffreiheit kräftig ein. Der Kofferraum reicht locker für den Wochenendeinkauf, allerdings müssen die Wasserkisten erst über eine hohe Ladekante. Eindeutig ein Plus ist der 1,2-Liter-Motor, der den Testwagen antreibt. Der Benziner klingt dreizylindrig-sportlich – alleine das verspricht Agilität, die auch geliefert wird. Sobald der Turbo (ab etwa 2000 Umdrehungen in der Minute) munter wird, schiebt er kräftig und dreht fast zum Begrenzer.

Ende März als Elektrovariante

Es gibt noch eine 130-PS-Variante. Die knapp 4000 Euro Aufpreis kann sich der Käufer allerdings getrost sparen. Lediglich auf der Autobahn gehen den 100 PS langsam die Puste aus. Aber wer will mehr von einem Kleinwagen? Unterstützt von dem harmonisch abgestimmten Sechsgang-Schaltgetriebe begnügt sich das Aggregat am Ende mit 5,9 Litern im Durchschnitt.

Ganz französisch auf Komfort ausgelegt ist das Fahrwerk des Opels. Auch ruppige Straßenbelägen werden gut glattgebügelt, harmonisch abgefedert. Nur kurze Wellen schlagen direkt an das Gesäß weiter. Die Lenkung überzeugt durch ihre direkte Auslegung. Dass der Corsa sich ausstatten lässt wie ein Großer, gehört heute zum guten Ton. Der Einstieg in die Basisvariante mit 75-PS-Benziner gelingt aber schon ab 13 990 Euro. Opel bietet den Corsa Ende März auch als Elektroauto an. Die Preise für ihn sind dann allerdings ambitionierter. Für 29 900 Euro gibt es den Fünftürer mit einem 100 kW/136 PS starken E-Motor und einem 50 kWh großen Akku, der eine WLTP-Reichweite von 337 Kilometern ermöglichen soll.