Seite 1 - MM

Im Test Der neue Seat Tarraco bietet bis zu sieben Sitzplätze / Handlich, sparsam und hochwertig verarbeitet

Hier findet die große Familie Platz

Weiterstadt.Schon wieder ein SUV – und dazu noch ein großer. Zwar leben immer mehr Singles und kinderlose Paare in Deutschland, es gibt sie aber noch, die Familien mit zwei oder drei Kindern. Und will sich eine Familie fortbewegen, dann reicht eben kein Kleinwagen. Da muss etwas Stattliches her, mit einem gewaltigen Kofferraum, vielleicht sogar mit der Möglichkeit, die Passagierzahl auf sieben zu erhöhen – wenn die Nachbarskinder mit zum Fußball wollen. Genau dafür gibt es den neuen Seat Tarraco, und er bläst mit seinem gewaltigen Innenraum zum Angriff auf die Vans.

Es stimmt natürlich nicht, dass alle SUVs böse sind, weil sie angeblich viel Sprit verbrauchen und Raum einnehmen. Der Testwagen hat mit seinen 190 PS im Mix aus Landstraße, längeren Autobahnpassagen und Kurzstrecke 7,3 Diesel konsumiert. Selbstverständlich bräuchte sein kleinster Bruder, der Mii, deutlich weniger, dann müsste aber ein Teil der Familie zu Hause belieben. Okay, es gibt noch den Van aus dem Hause Seat, der bei den Platzverhältnissen mithalten kann. Er ist noch mal zehn Zentimeter länger als der Tarraco – und der Alhambra ist nicht genügsamer.

Also sparen wir uns die SUV-Schelte und schauen auf die angenehmen Dinge. Den luftigen Innenraum zum Beispiel. Hier kommen keine Klagen von den Mitfahrern – weder, was die Kopf- noch die Beinfreiheit angeht. Oder auf den riesigen Kofferraum, der bei umgeklappten Rücksitzen ganze Umzüge meistern würde. Oder das Fahrgefühl, das sich so gar nicht nach hochgebockt anfühlt. Im Gegenteil: Federleicht lässt sich der Tarraco durch Kurven dirigieren, nimmt sie willig und bleibt dabei stabil ohne große Seitenneigung. Wer sich die adaptive Fahrwerksregelung (940 Euro) dazu bestellt hat, kann damit den Fahrspaß noch steigern. Allerdings verwundert es ein wenig, dass selbst im Autobahn-Modus Fahrbahnunebenheiten von der Hinterachse lautstark weitergegeben werden.

In Wolfsburg gebaut

Der Innenraum ist aufgeräumt, Ablagen gibt es genug, die Türfächer nehmen auch 1,5-Liter-Flaschen auf. Schon in der Einstiegsvariante „Style“ ist das virtuelle Cockpit inklusive, neben dem Tablet-großen Display für Navi und Co. eine nette Spielerei. Insgesamt hinterlässt der Tarraco einen wertigen Eindruck, die Materialien fühlen sich gut an, die Verarbeitung ist passgenau.

Tarraco ist der römische Name für Tarragona. Seat nimmt ja gerne spanische Städte oder Inseln als Namenspatrone für die Flotte. Da der Tarraco sehr eng mit dem Skoda Kodiaq und dem VW Tiguan Allspace verwandt ist, wird er allerdings nicht in seiner Heimat, sondern in Wolfsburg gebaut – ein Niedersachse mit spanischen Genen also. Und das Temperament merkt man ihm an. Zwar ist der Seat kein Beschleunigungstiger, die 400 Newtonmeter an Kraft schieben ihn aber druckvoll voran. Mehr als ausreichend. Wer keinen Diesel will oder braucht, dennoch sparsam Tarraco fahren möchte, sollte sich das kommende Jahr vormerken. Dann gibt es ihn auch als Plug-in-Hybid, der kombiniert nur 1,9 Liter Benzin verbrauchen soll.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/auto

Zum Thema