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Im Test BMW setzt auf Tradition und bringt mit dem neuen 3er wieder ein fahrdynamisches Auto auf den Markt

Genügsam – und trotzdem viel Dampf

München.Wenn BMW einen neuen 3er an den Start bringt, sind die Erwartungen an die Sportlimousine hoch. Lange bevor Mercedes mit den 190er seinen „Baby-Benz“ ins Rennen schickt, flitzen die Kompakten aus München schon durch die Kurven. Als Nachfolger der 02-Reihe gilt der 3er seit Mitte der 1970er Jahre als Inbegriff der fahrdynamischen Limousine. Mit entsprechend hohen Erwartungen geht es nun ans Lenkrad der siebten Generation.

Der Testwagen wird als „Modell M Sport“ geliefert, das heißt, er ist auf Sportlichkeit getrimmt. Das passt ja. Entsprechend empfangen ausgeformte Sitze die Passagiere vorne und das Fahrwerk ist straff abgestimmt. Das Armaturenbrett ist BMW-typisch aufgeräumt und fahrerorientiert, über der breiten Mittelkonsole thront ein Bildschirm, auf dem sich Navi und Fahrmodi bedienen und Steuern lassen.

Das neue digitale Display im Cockpit ist erst einmal gewöhnungsbedürftig. Nicht nur, dass die Drehzahlen nun gegenläufig dargestellt werden – die Anzeige ist nicht mehr rund, sondern zeigt eher den Knick des Hofmeister-Bogens, der seit Jahrzehnten die hinterste Scheibe vieler BMW-Modelle ziert. Das Volant liegt bestens in der Hand, da lässt es sich fest zupacken.

Hätte es BMW gewagt, in den 1970er Jahren einen Diesel in den 3er zu packen, wäre es zum Aufschrei der Fans gekommen. Heute – der Diesel-Krise zum Trotz – ist der Vierzylinder-Selbstzünder eine gute Wahl. Nicht nur, weil er mit seinen 190 PS ausreichend Dampf in die Hütte bringt, sondern weil er sich als erfreulich genügsam erweist. Nach den Testtagen sind es fünf Liter Diesel im Schnitt – obwohl zügige Autobahnfahrten inklusive waren. Das wären trotz des Serientanks von nur 40 Litern 800 Kilometer Reichweite. Oder anders: Bei gleicher Beanspruchung vier Mal jeweils 45 Minuten laden mit dem E-Auto.

Zielgenau durch die Kurven

Schon die Hecktriebler haben naturgemäß keine großen Schwierigkeiten, ihre Kraft auf die Straße zu bringen. Im Test-Allradler funktioniert das natürlich noch besser. Dank der 400 Newtonmeter schiebt der 320d in allen Lebenslagen durchaus ambitioniert. Das perfekt abgestimmte Getriebe arbeitet dazu unmerklich und harmonisch, schaltet im Sport-Modus dann aber wild und wirkt dadurch übereifrig.

Wer sich statt für „Advantage“ oder „Luxury Line“ für „Modell M Sport“ entscheidet, bekommt die erwähnte straffe Federung, die jedoch enorme Kurvengeschwindigkeiten zulässt. Stabil zieht der 3er zielgenau – einem Kart gleich – seine Runden. Das ist großes Kino und macht richtig Spaß. Alle seine Vorgänger hätten hier längst jaulend den Abflug gemacht.

Dass der 3er kontinuierlich seine Kompaktmaße aufgibt, kommt vor allem den Passagieren hinten zugute. Vorbei sind die Zeiten der Thrombose-Gefahr, denn die Beinfreiheit ist nun auch für länger Strecken tauglich. Erkauft wird sie teuer. Zwar liegt der Basispreis der Baureihe knapp unter 40 000 Euro. Der Testwagen brachte es aber gut ausgestattet auf 70 000 Euro. Für viele bleibt das leider unerreichbar.

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