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Im Test Ford hat seinen Hochleistungssportler Mustang überarbeitet und ihm neben mehr PS auch eine Zehngang-Automatik verpasst

Für den Ausritt auf der Landstraße

Archivartikel

Köln.Die Vorfrühlingssonne sendet ihre ersten warmen Strahlen, im Radio schmalzt Elvis „In the Ghetto“ und unter der mächtigen Motorhaube blubbern acht Töpfe sonorig vor sich hin. Fast automatisch rutscht der linke Ellbogen hoch an den Fensterrand. In Zeiten von Dieselkrise, CO2-Debatte und Tempolimitdiskussion darf es auch noch schöne Momente mit Autos geben. Mit einem Ford Mustang beispielsweise. Es ist natürlich klar, dass der Sportwagen unvernünftig ist, er in Sachen Verbrauch über die Stränge schlägt. Aber für viele ist er der Inbegriff des US-amerikanischen Lebensgefühls. Wie die Harley, der Sunset Boulevard oder die Route 66.

Auch nachdem Ford dem Pferdchen ein paar Retuschen verpasst und ihm optional ein Zehngang-Automatikgetriebe eingebaut hat, ist es ein Hochleistungssportler, der als solches gesehen werden muss. Ein Vollblut. 450 PS, fünf Liter Hubraum, nahezu Vollausstattung – und das für unter 50 000 Euro. Wer das Glück hat, in Sportwagenregionen wildern zu dürfen, wird feststellen: Der Mustang ist ein Schnäppchen. Vollgepackt mit Assistenten, die die Fahrspur halten, das Bremsen unterstützen oder vor Kollisionen warnen.

Den Fahrer empfängt innen ein volldigitales Cockpit. Hartes Plastik trifft auf dickes, weiches Kunstleder, die Sitze sind US-typisch bequem gepolstert, die Verarbeitung hochwertig. Natürlich kann der Mustang richtig auf Sport machen. Der Motor spielt die Klaviatur von böse und giftig bis sanft und ruhig in Perfektion. Die neue Automatik passt dazu extrem harmonisch, pfeilschnell reagiert sie auf den Gasfuß, nimmt aber auch Gang acht, wenn es durch die Stadt geht. Die harte Federung verspricht eine beruhigende Kurvenlage – die durch die etwas indirekte Lenkung leicht getrübt wird. Und die exakt dosierbare und exzellente Sechs-Kolben-Brembo-Hochleistungsbremsanlage garantiert, dass die Passagiere fest im Sattel bleiben.

Cabriolet kostet 4500 Euro mehr

529 Newtonmeter – so ein fettes Drehmoment pustet normalerweise starke Diesel voran. Im Mustang heißt das, in fast jeder Lage eine schier unbändige Kraftreserve zu fühlen. Zu wissen: Ich könnte, wenn ich nur wollte. Genau das zeichnet den Mustang aus. Er strotzt so vor Selbstbewusstsein, dass seine Fahrer nicht als sogenannte Poser durch die Stadt toben müssen. Er will am Wochenende blubbernd zu einem Ausritt auf Landstraßen geführt werden. Oder auf Reisen gehen. Dafür lockt übrigens ein sehr anständiger Kofferraum, der zwei Koffer und eine Tasche schluckt.

Wer will, könnte den Mustang auch mit einem Vierzylinder, einem 2,3-Liter-EcoBoost bestellen. Wie gesagt, wer will. Für alle anderen kommt nur der Fünfliter in Frage. Der übrigens in unserem Test die Werksangabe beim Spritverbrauch unterschritten hat. Das ist bei einem Benziner noch nie da gewesen. Elf Liter sind sehr viel – für ein so wildes Pferd in Ordnung. Preislich startet der Ford Mustang bei 39 500 Euro. Für rund 4500 Euro Aufpreis gibt es das Cabriolet, die wohl beste Variante, um mit „In the Ghetto“ durch die Gegend zu cruisen. Mit dem Arm am Scheibenrand.

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