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Im Test Suzuki unterzieht den Jimny einer Modernisierungskur und lässt ihm trotzdem seine enorme Geländegängigkeit

Frisches Aussehen, lange Geschichte

Archivartikel

Bensheim.Wer hätte gedacht, dass ein Suzuki Jimny einmal für derartiges Aufsehen sorgt? Daumen gehen nach oben. „Der ist ja süß“, jauchzt die Nachbarin. „Ein Mercedes G, dem die Luft rausgelassen wurde“, stellt der Kumpel fest. Ein kleiner Geländewagen, der sich im Alltag nicht als besonders praktisch erweist – und alle lieben ihn. Dass es inzwischen schon zu Lieferengpässen kommt, kann nicht daran liegen, dass vor allem Jäger den Kleinen mögen. Denn er ist vergleichsweise günstig, macht sich auf schmalen Waldwegen gut und kraxelt die steilsten Hügel hinauf.

Zwei Jahrzehnte nachdem die erste Generation vorgestellt worden ist, kommt nun die zweite. Von Überstürzung kann also nicht die Rede sein – und mit fast 50 Jahren Allradsgeschichte bleibt der Jimny auch in der Neuauflage ein authentischer Offroader. Das Design ist nun noch kantiger, der Innenraum noch funktionaler. Wer sich den Allgrip als Comfort+ gönnt, der rund 2000 Euro mehr als die Basisversion kostet, findet in der Aufpreisliste nur noch den Posten „Zweifarben Metallic-Lackierung“ für 830 Euro. Ansonsten ist alles an Bord, was der Fahrer von heute braucht oder erwartet.

Fiel die Wahl auf „Kinetic Yellow“, kauft man gleich einen gewissen Sicherheitsaspekt mit, denn schon von weitem leuchtet das Gelbgrün selbst bei tristem Wetter. Dass es in einem 1,6 Meter breiten Auto etwas kuschelig zugeht, versteht sich von selbst. Vorne sollte man sich mögen, hinten geht es dann nur für Kleingewachsene – erschwert durch die sehr aufrecht stehende Rückenlehne. Die meisten werden den Jimny als Zweisitzer nutzen, denn regulär kann von einem Kofferraum keine Rede sein. Selbst eine Sporttasche überfordert das schmale Fach. Umgelegt fände auch eine erlegte Wildsau Platz, die hochgewuchtet werden muss – durch die nach rechts ausschwingende Hecktüre.

Fahrleistungen zweitrangig

Bei der Motorenwahl nimmt Suzuki schwere Entscheidungen ab, denn es gibt nur den 1,5-Liter mit 102 PS – als Sauger, ganz ohne Turbo. Der Vierzylinder wirkt ganz munter und ist gut gedämmt. Zu Beschleunigungswerten macht der japanische Hersteller keine Angaben. Das wird auch überbewertet, denn Fahrleistungen rücken am Steuer eines Jimny sehr schnell in den Hintergrund. Das weiche Fahrwerk, die schmalen Reifen und die hohe, schlanke Karosserie lassen – gepaart mit der indirekten Lenkung und der stattlichen Seitenneigung – die Furcht vor Kurven größer werden.

Geht es geradeaus, bleibt der Suzuki spurtreu. Das Getriebe arbeitet sauber, die Gänge wollen aber eher einrasten, als dass sie in die nächste Stufe flutschen. Da es nur fünf Gänge sind, schwillt die Geräuschkulisse über 100 km/h kräftig an und sorgt so für ein unbewusstes Tempolimit. Generell gilt: Im Jimny fühlt man sich immer fast doppelt so schnell, wie es im Tacho angezeigt wird.

Seit dem LJ20 von 1970 lassen sich beim hinterradgetriebenen Jimny die Vorderräder zuschalten – so richtig manuell per Hebel. Eine Getriebereduktion gibt es auch. Und gerade das macht ihn so besonders – für Jäger und Leute, die ihn cool finden.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/auto

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