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Im Test Der Range Rover Velar überzeugt auf der Langstrecke, im Gelände und mit seinem Aussehen / Souveräne Federung

Ein Schönling fürs Grobe

Mannheim.Während viele Autohersteller auf einer Welle von weichgespülten SUVs surfen, gibt es beim britisch-indischen Produzenten Landrover nur wenig Kompromisse. Die Landrover-Modelle sind fürs Rustikale, die Range-Rover-Fahrzeuge fürs Edle. Gemeinsam haben sie eines: Es sind Geländewagen, richtige Geländewagen. Da wird auf Überhänge und Wattiefen geschaut, die Nobelmodelle mit Luftfederung erheben sich auf unebener Strecke, als wollten sie sich nicht dreckig machen – und schmiegen sich an die Straße, wenn das Tempo flotter wird. Ein solcher Vertreter, der sich auch optisch von der Masse abhebt, ist der Velar. Ein Schönling fürs Grobe.

Auch wenn der Range Rover von außen trotz seiner 4,80 Meter Länge filigran wirkt, beeindruckt er im Inneren mit luftigen Maßen. Die Baureihe, die sich zwischen dem Bestseller Evoque und dem Oberklasse-SUV Range Rover Sport einfädelt, bietet auf allen Plätzen Freiheiten. Die Rücklehne lässt sich elektrisch in der Neigung verstellen. Muss Sperriges in den gewaltigen Laderaum, überzeugt er mit einer niedrigen Ladekante und Platz für bis zu rund 1800 Litern an Volumen.

Der Hang zum Besonderen wird von der stylishen Silhouette des Velar über die versenkbaren Türgriffe weiter in den Innenraum gezogen. Klare Linien, auf Wunsch famoses Windsor-Leder und die Steuerung über Touchscreens warten dort auf die Passagiere. Fast alle Funktionen werden über die zwei je zehn Zoll großen Displays gesteuert. Nach einer kurzen Eingewöhnung klappt das ganz gut – Hauptkritikpunkt bleibt aber das Navi, das kurioserweise Umwege fahren würde. Werden die ignoriert, wird man damit belohnt, dass das System kurze Zeit später eine deutlich kürzere Wegstrecke zum Ziel errechnet. Eine längere Strecke würde dank der grandiosen Sitze im Testwagen nicht übermäßig beschwerlich ausfallen, das Gestühl mit einer 20-Wege-Einstellung, Klimatisierung und variantenreichen Massage-Funktion kostet allerdings 5000 Euro extra.

Fahrstabil trotz Seitenneigung

Luftfederung und adaptive Dämpfer zählen beim Velar zum Serienstandard. Über Bodenwellen, schlecht geflickte Straßen gleitet er souverän hinweg. Wer ambitionierter über Passstraßen wedeln will, muss zum einen das richtige Fahrprogramm wählen und sich zum anderen natürlich im Klaren sein, dass hier zwei Tonnen in einem SUV bewegt werden. Trotz der Seitenneigung bleibt der Brite fahrstabil. Dass das alles sehr leichtfüßig passiert, liegt am Dreiliter-Diesel. Dieser macht die oft gescholtene, aber sich hervorragend verkaufende Kombination aus Selbstzünder und SUV zum druckvoll agierenden und sparsamen Begleiter. So mancher Mittelklassewagen im Testwagen-Pool könnte sich von den 7.8 Liter im Mix eine Scheibe abschneiden. Mit dem 66-Liter-Tank lässt sich also ganz ordentlich Strecke machen.

Doch auch abseits der Straße wäre der Velar ein guter Kumpel. Er würde sich auf eine Gesamt-Bodenfreiheit von 25 Zentimetern erheben, Böschungswinkeln von 29 Grad vorn und 30 Grad hinten bewältigen und Wasserdurchfahrten in einer Höhe von 60 Zentimetern meistern.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/auto