Nationaltheater

Schauspiel „Sprechen“ am JNTM macht Lust auf Sprache

Warum der Teppich Teppich heißt

Buchstaben landen selten im Magen, es sei denn, es handelt sich um eine Buchstabensuppe. „Sprechen“ heißt das Stück, das jetzt im Jungen Nationaltheater Mannheim Uraufführung feierte. Dabei wurden die meist jungen Zuschauer eingeladen, in einem Buchstabenmagen Platz zu nehmen.

„Warum nennen wir Teppich eigentlich Teppich? Wir könnten ihn doch auch Tomate nennen.“ Eine berechtigte Frage, die Patricija Katica Bronic stellt. Denn darüber wird im Allgemeinen nicht nachgedacht. Sprache ist etwas Selbstverständliches. Wir benutzen sie, um miteinander zu kommunizieren. Man einigt sich auf einen gemeinsamen Code, den zumindest diejenigen, die die jeweilige Sprache sprechen, verstehen. Ansonsten gibt es Missverständnisse oder urkomische Situationen sind die Folge.

Tunnel in die Speiseröhre

Wie kreativ man mit Sprache umgehen kann, zeigen Bronic, Onur Agbaba, Wicki Bernhardt und Tümay Kilinçel in ihrer theatralen Installation. Bernhardt und Kilinçel sind zugleich die Regisseurinnen des Stücks.

Durch einen Tunnel als Speiseröhre rutschen die Akteure in den Magen. Es gluckert und gluckst unentwegt. Halbsätze, auch aus anderen Sprachen als dem Deutschen, werden sich zugeworfen und miteinander vermischt. Gegenstände bekommen neue Namen, ohne ihre eigentliche Bedeutung zu verlieren. Aus einem Kabel wird so eine Play-Station, aus einem Hocker ein Teppich und aus diesem ein Mikrofon.

Buchstaben erhalten mit diakritischen Zeichen (Punkte, Striche, Häkchen, Bögen, Kreise) versehen, eine andere Aussprache und eine andere Betonung. Auf die Wände projiziert, umschwirren sie das Publikum, das sich im abgedunkelten Sprachmagen versammelt hat, wie Glühwürmchen. Die Antwort auf die Frage, warum ein Teppich nun einmal Teppich genannt wird, bleiben die Darsteller zwar schuldig. Aber sie machen Lust darauf, sich für den Reichtum anderer Sprachen zu interessieren. Nicht zuletzt, um deren Sprecher besser zu verstehen.

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