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Leserbrief Zum Erntedankgottesdienst am Sonntag in Osterburken

"Kleinkinder waren lediglich Staffage"

Respekt ist unsre Aufgabe - und nicht ne falsche Maske, die ich aufhabe." An diese Zeilen eines Raps der "Jazzkantine" fühlte ich mich am Sonntag erinnert, als sich die Kindergärten St. Josef und St. Martin in Osterburken zum Erntedankgottesdienst eingefunden hatten.

Bereits zu Beginn kamen bei mir erste Zweifel auf, inwiefern Herr Pfarrer Schneider Respekt gegenüber der versammelten Gemeinde übt: Den ebenfalls mitwirkenden Männerchor aus Freiburg konnte er nicht einmal beim Namen nennen.

Im weiteren Verlauf des mit Unpünktlichkeit begonnenen, eineinhalbstündigen Gottesdienstes zeigte sich, dass die Kleinkinder lediglich als Staffage, als Sänger und Tänzer, für einen nahezu alle fakultativen Elemente des Messbuches mit einbeziehenden Gottesdienst gebraucht wurden.

Der Respekt von Herrn Pfarrer Schneider gegenüber den von ihm eigens eingeladenen kleinen Gästen erschöpfte sich in einer Begrüßung und einer Dankesfloskel am Ende - ansonsten wurden die Kinder nicht ein einziges Mal angesprochen, der eigentliche Festtag Erntedank kam leider lediglich im Tagesgebet und der Segnung der Erntegaben zum Tragen.

Denn Herr Schneider unternahm es in seiner viertelstündigen Ansprache, das Mikrofon für eine Werbeveranstaltung zu den anstehenden Pfarrgemeinderatswahlen zu missbrauchen.

Die Kinder (sie hatten sich sehr gefreut, eingeladen zu sein) wurden mit der einleitenden Bemerkung, dass Einladungen nichts besonderes seien, zum Leben eben dazugehörten, völlig vor den Kopf gestoßen. Sie mussten sich fühlen wie der einzige zu einem Spanferkelessen eingeladene Vegetarier.

Dahinter stand offenbar die Absicht, besonders auch die anwesenden jungen Eltern für die Mitwirkung in den Gremien zu gewinnen. Hier bleibt doch festzuhalten, dass dieser Winkelzug deutlich misslungen ist, unter den Kindergarteneltern jedenfalls konnte ich niemanden ausmachen, der die trotz fehlenden theologischen Gehalts mit "Amen" beendete Ansprache als Aufmunterung zur Mitarbeit verstanden hätte.

Die falsche Maske wurde weithin erkannt.

Im Gespräch mit zahlreichen engagierten Gemeindemitgliedern im Anschluss konnte ich fast nur verständnislose Kommentare hören. Und nicht nur unter Eltern war der Gottesdienst zu Beginn dieser Woche weiterhin Stein des Anstoßes, zu einer Zeit, da auf Einladung von Papst Franziskus die Familiensynode tagt.

Da uns Eltern, viel schlimmer jedoch, unseren Kindern und deren Erzieherinnen, von Herrn Schneider der nötige Respekt nicht entgegengebracht wird, wird unsere Familie nicht mehr an Kindergartenaktionen im Rahmen von Gemeindegottesdiensten teilnehmen.

Die Einladung zur Mitarbeit in den wohlfeil beworbenen Gremien muss ich ebenfalls ausschlagen.