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Leserbrief

Heimfahrt wird zum Viehtransport

Man wundert sich nicht, wenn im ländlichen Raum wenig Bus gefahren wird. Mit dem neuen Busfahrplan sollte das zumindest auf der Strecke Tauberbischofsheim - Würzburg besser werden. Tatsächlich ist es für die gezwungenen Hauptnutzer, die Schüler, deutlich schlechter geworden. Da hilft auch der Stundentakt nach Würzburg wenig. Denn die Fahrzeiten richten sich weniger denn je nach den Erfordernissen der Hauptnachfrager. Und einige Orte wie Schönfeld und Imspan wurden sogar weitgehend von der Linie abgeschnitten.

Nun folgt des Wahnsinns zweiter Teil: mit Schreiben von heute bittet, nein, fordert das Landratsamt dazu auf, dass die Busverbindung zum Ende des Unterrichts am Vormittag doch künftig bitte nur noch von einem bestimmten Teil der Schüler zu nutzen sei. In dicken Lettern und unterstrichen steht dort tatsächlich "[das] ... Schüler ... aus Großrinderfeld und Gerchsheim vorranging den Bus mit Abfahrt um 13.05 Uhr ... nutzen müssen" (ja, "müssen"!). Grund des Schreibens sind massive Probleme mit der Überlastung des 12.52-Uhr- Busses. Was übrigens überhaupt nicht erstaunlich ist. Früher fuhren um diese Zeit zwei Busse. Beide proppenvoll. Und nun fährt nur noch einer. Da wundert es den Planer, dass nicht mehr Alle hinein passen?

Jetzt sollen die Schüler also eine knappe Viertelstunde später fahren. Nun ja, was sind schon 15 Minuten. Aber: die Fahrzeiten sind ohnehin alles andre als ideal. Schulbeginn in TBB zum Beispiel ist um 7.30 Uhr. Dafür muss man in Großrinderfeld bereits um 6.47 Uhr losfahren. Für den Busverkehr notwendig sind somit morgens 43 und mittags nochmals 37 Minuten. Nimmt man die Gehzeiten noch mit auf, so ist man locker bei eineinhalb Stunden. Für die jeweils acht Kilometer zwischen Großrinderfeld und TBB.

Und überhaupt steht es um den Schülertransport im Main-Tauber Kreis, wie leider überall in Deutschland, sehr schlecht. Kaum ein anderes westliches Land leistet sich einen solchen Umgang mit seinen Kindern. Üblicherweise gibt es eigene Schulbusse, deren Fahrplan exakt an die jeweiligen Schulzeiten angepasst ist. Die die Kinder wohnnah abholen und direkt an der Schule absetzen, In denen jedes Kind einen Sitzplatz hat. All' das reine Utopie im reichen Deutschland. Der Schulbus erinnert, gerade nun um 12.52 Uhr, mehr an einen Viehtransport als die Heimfahrt der geliebten Kinder (oder zumindest der künftigen Rentenzahler, wer es gerne wirtschaftlich sieht).

Das I-Tüpfelchen an diesem System ist dann noch, dass die Eltern dafür auch noch den wesentlichen Teil der Kosten selbst tragen müssen - es sei denn, das Kind geht auf die zuständige Hauptschule. Dann, und nur dann, darf es kostenfrei ins Gedränge. Hoch lebe das kinderfreundliche Deutschland, in dem alle unabhängig von der Herkunft und Wirtschaftskraft gleiche Bildungschancen haben!

Ach ja: wundert sich übrigens wirklich jemand, wenn die nächste Generation so zum Autonutzer und ÖPNV-Vermeider wird?