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Leserbrief Zum Thema "Betreuung"

Ereignis macht nachdenklich

In diversen Medien gibt es schon mal Berichte über "eher nicht lobenswerte" Betreuer. Darüber kann man sich dann auch gut und gern in der Öffentlichkeit auslassen. In der Realität ist Betreuung aber eigentlich und viel mehr die stattfindende Hilfe, Beratung, die Ge-spräche, die Menschlichkeit, verbunden mit dem notwendigen entsprechenden Handeln.

Und nach vielen Jahren der Tätigkeit als Betreuer hat man gelernt auch umzugehen z.B. mit Forderun-gen, Vorwürfen, Beschuldigungen, Beschimpfungen des Betreuten, auch mal durch Nachbarn und/oder von Angehörigen, eingeschlossen auch gelegentliche persönliche tätliche Angriffe.

Erleben muß man auch schon mal Vorwürfe bzw. gerichtliche Anklagen von späteren Erben wegen mutwilliger Verringerung ihres Erbes, da man zu Lebzeiten des Verstorbenen zu dessen Wohl völlig unnötig Vermögen verschleudert habe.

Ein absolut neues Erlebnis aber hatte vorige Woche ein Betreuer in einer hiesigen Trauerhalle. Diesem war es wohl ein Anliegen, von einem von ihm jahrelang betreuten Verstorbenen Abschied zu nehmen. Doch Angehörige des Verstorbenen versuchten, ihn am Betreten der Halle zu hindern! Darf oder muss man dies als eine neue Form von Pietät in der Jetztzeit und/oder für die Zukunft akzeptieren?

Vielleicht wollte man sich auch nur ganz einfach das "Danke" gegenüber dem Betreuer ersparen, der fast acht Jahre lang, extern und intern, sachlich, überlegt und vertrauensvoll gehandelt hat für den ver-storbenen Betreuten und dieses Handeln auch mit ein wenig Menschlichkeit füllte?

Beides macht nachdenklich. Im Nachhinein wird dieser Vorgang jetzt auch noch ein wenig vieldeutig. Jetzt stellte sich nämlich her-aus, dass die seinerzeitige gerichtliche Einsetzung dieser Betreuung nur deshalb notwendig wurde, weil die erwähnten Angehörigen eben vor acht Jahren ihren Verpflichtungen als Bevollmächtigte einer ihnen erteilten General- und Vorsorgevollmacht nicht nachgekommen waren.