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Olympia - Mit einem Jahr Verspätung beginnen die Spiele in Tokio – und stehen in Corona-Zeiten im Kreuzfeuer der Kritik

Ein großes Wagnis

Von 
Christian Hollmann, Lars Nicolaysen
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Tokio. Die Not-Spiele von Tokio werden für Thomas Bachs IOC und Japans Gastgeber zum olympischen Wagnis ohne Beispiel. Mitten im vierten Corona-Notstand und wieder steigenden Infektionszahlen in der Millionen-Metropole werden am Freitag die Sommerspiele eröffnet. Wenn mit einem Jahr Verspätung die Flamme über dem Nationalstadion erstrahlt, hoffen die Organisatoren auf ein Ende der Debatten um den Sinn von Olympia in der Pandemie. „Mit den Olympischen Spielen in Tokio setzen wir ein Zeichen für unser Vertrauen in die Zukunft“, sagte IOC-Präsident Bach.

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Doch so einfach wird die Medaillenjagd der 11 000 Olympioniken das alles überwölbende Corona-Thema nicht beiseite drängen können. Die Bilder werden Arenen ohne Zuschauer und Siegerzeremonien mit Masken zeigen. Die tägliche Liste mit den Corona-Fällen im olympischen Dorf dürfte ähnlich intensiv analysiert werden wie der Medaillenspiegel.

Absage „nie eine Option“

„Wir setzen ein Zeichen für unser Vertrauen in die Zukunft“, sagt IOC-Chef Thomas Bach. © dpa

Immerhin attestierte der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Olympia-Machern bei seinem Tokio-Besuch: „Sie haben ihr Bestes getan, um diese Spiele so sicher wie möglich zu machen.“ Allerdings stellte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus auch fest, dass bis zum Verlöschen der Flamme am 8. August weltweit wohl weitere 100 000 Corona-Tote gezählt werden. So dürfte sich mancher weiter fragen, ob die Reise Zehntausender Ausländer nach Japan gerade jetzt wirklich nötig war.

Für den Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees ist die Antwort klar. „Bei einer Absage hätten wir eine ganze Generation von Athleten verloren“, sagte Bach. Viele Sportlerinnen und Sportler um die Olympia-Chance zu bringen, auf die sie oft Jahre hintrainiert haben, das sei „nie eine Option“ gewesen. Bach selbst hatte nach seinem Fecht-Olympiasieg 1976 vier Jahre später wegen des Olympia-Boykotts auf die Spiele in Moskau verzichten müssen. Diese Erfahrung prägt den Würzburger bis heute.

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Neben den Sportler-Karrieren standen rund drei Milliarden Euro aus Fernseh- und Sponsorenrechten auf dem Spiel, die für Olympia in Tokio auf die IOC-Konten fließen. 90 Prozent davon reicht der Ringe-Zirkel an Weltverbände und Nationale Olympische Komitees weiter. „Das weltweite Netz der Förderungen ist ganz entscheidend davon abhängig, dass Olympische und Paralympische Spiele erfolgreich umgesetzt werden – mit all den Sponsorenverträgen, die da dranhängen“, sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds. Angesichts der schwierigen Umstände hat der DOSB-Chef diesmal das Medaillenzählen zur Nebensache erklärt. Der Auftrag sei es, „alle aus dem Team D gesund wieder zurückzubringen“, sagte Hörmann. 430 Athletinnen und Athleten sind diesmal für Deutschland am Start. Die sportlichen Erwartungen sind gedämpft, klare Gold-Favoriten wie Weitspringerin Malaika Mihambo, Ruderer Oliver Zeidler und Speerwerfer Johannes Vetter gibt es wenige. Für hohe Einschaltquoten dürften die Auftritte von Fußballern und Handballern sorgen.

Insgesamt steht die Rekordzahl von 339 Entscheidungen in 33 Sportarten auf dem Programm. Neu dabei sind Wettbewerbe auf dem Skateboard, dem Surfbrett und an der Kletterwand, die Olympia attraktiver für ein jüngeres Publikum machen sollen. Auch Karate fand erstmals Aufnahme, Baseball und Softball kehren zurück.

Medaillenzählen als Nebensache

Fast die Hälfte der Teilnehmer wird in Tokio weiblich sein, die Organisatoren feiern dies als „Meilenstein“ im Kampf um Geschlechtergerechtigkeit. Ein wichtiges Zeichen dafür sollte auch die Berufung von Organisationschefin Seiko Hashimoto sein, einer siebenmaligen Olympia-Starterin. Die 56-Jährige kam im Februar aber nur deshalb noch ins Amt, weil ihr Vorgänger Yoshiro Mori wegen eines Skandals um frauenfeindliche Aussagen zurücktreten musste.

Seither musste Hashimoto den Ausschluss fast aller Zuschauer bei Olympia verkünden und die anhaltenden Umfrage-Mehrheiten in Japan gegen die Ausrichtung der Spiele in diesem Sommer erdulden. Auch wenn die Gastgeber die Rekordsumme von mehr als drei Milliarden Dollar von einheimischen Sponsoren eingeworben haben, gingen Unternehmen wie Toyota und Panasonic öffentlich zuletzt auf Distanz.

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Dabei waren die zweiten Spiele in Tokio nach der Ausgabe 1964 als „Olympiade des Wiederaufbaus“ gedacht. Zehn Jahre nach der Dreifach-Katastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Atomunfall sollten die Wettkämpfe in Fukushima der Welt die Fortschritte in der Region zeigen. Nun treten Baseballer und Softballerinnen im Fukushima Azuma Baseball Stadium ohne Publikum an, ausländischen Fans ist die Einreise untersagt. „Die Welt muss sich großen Problemen stellen. Jetzt müssen wir vereint sein, dann können wir mit dem Streben und der Weisheit der Menschheit diese Spiele ausrichten“, sagte Japans Ministerpräsident Yoshihide Suga, der gegen den Rat seiner wissenschaftlichen Experten am Olympia-Plan festhielt. dpa

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