Basketball - s.Oliver Würzburg hat seit mittlerweile 418 Tagen kein Bundesliga-Heimspiel mehr gewonnen, will diese Negativ-Serie aber heute gegen Gießen beenden „Ein Sieg wäre für den Kopf sehr wichtig“

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Paul V. Brandenstein
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Wegen eines positiven Corona-Tests eines Spielers mussten drei Partien der Bundesliga-Basketballer von s.Oliver Würzburg abgesetzt werden. Die erste wird nun am heutigen Mittwoch, 24. Februar, nachgeholt: Um 19 Uhr gastiert das Team von JobStairs Gießen 46ers in der dann wieder gähnend leeren s.Oliver-Arena.

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Schon ein flüchtiger Blick auf die Tabelle genügt, um die Bedeutung dieser Partie zu erkennen: Beide Teams befinden sich in Abstiegsgefahr, die Mittelhessen sogar noch etwas mehr als die Unterfranken. „Wir haben die Möglichkeit, uns mit einem Sieg etwas von den beiden Abstiegsplätzen abzusetzen“, sagte Würzburgs Trainer Denis Wucherer gestern in einem Telefongespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Eine vorentscheidende Bedeutung sieht er in der Partie jedoch noch nicht. „Wenn wir jetzt Mitte April hätten, dann wäre es etwas anderes. So aber haben wir danach immer noch 17 Spiele, also die gesamte Rückrunde, vor uns.“

2016 hat Würzburgs Neuzugang Robert Lewery erstmals in der BBL gespielt, damals im Trikot von Alba Berlin. © Heiko Becker

Auch wenn der Ausgang der Partie noch nicht entscheidend sein wird für den Rest der Saison, eines ist klar: „Für den Kopf wäre ein Sieg natürlich sehr wichtig“. Schließlich hat sein Team zuletzt vier Mal in Serie verloren, drei Mal allerdings gegen absolute Spitzenteams der BBL. Und in den kommenden Partien (Bayern München/28. Februar, Hakro Merlins Crailsheim/3. März sowie Brose Bamberg/6. März) sind die Erfolgsaussichten für Würzburg nur als gering einzustufen.

Gegen Würzburg spricht allerdings die Tatsache, dass die heimische s.Oliver-Arena längst keine uneinnehmbare Festung mehr ist. Der letzte Heimsieg der „Baskets“ ist datiert auf den 3. Januar 2020. Im Klartext: Seit dem sind mittlerweile sage und schreibe 418 Tage vergangen. Das ist im Sport wirklich eine lange Zeit.

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Zuletzt hat Würzburg zwei Nachverpflichtungen vorgenommen. Murphy Holloway hat sein Debüt im Würzburger Trikot bereits im Testspiel bei den Telekom Baskets in Bonn (76:76) gefeiert. Hundertprozentig fit ist er noch nicht, das wird nach Aussagen von Wucherer auch noch ein bisschen dauern. „Aber mit seiner enormen Physis und seiner Präsenz hilft er uns schon jetzt, auch wenn die Spielminuten anfangs noch etwas limitiert sein werden.“

Darf Lewery spielen?

Körperlich auf der Höhe ist dagegen Ex-„Albatros“ Richard Lewery, der zuletzt in Minsk unter Vertrag stand. Ob er gegen Gießen auflaufen darf, wird sich wohl erst heute, also am Spieltag selbst, entscheiden. „Am Montag ist er noch einmal auf Corona getestet worden. Wenn der Test negativ ausfallen sollte, dann wäre das dritte negative Test seitdem er in Deutschland gelandet ist. Dann müsste er eigentlich spielen dürfen.“ Endgültiges „grünes Licht“ von BBL und Gesundheitsamt habe man allerdings noch nicht.

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Während ihrer zehntägigen „Kohorten-Quarantäne“ hat die Mannschaft zwar einmal täglich trainieren dürfen, dennoch spricht Wucherer über diese Phase von einer großen mentalen Herausforderung. „Drei Spiele sind uns weggefallen. Es war lange nicht klar, wann wir überhaupt wieder antreten dürfen. Dementsprechend war es schwierig, die Trainings zu gestalten und eine gewisse Spannung wieder aufzubauen. Als fest stand, dass die Partie gegen Gießen am Mittwoch stattfinden wird, hatten die Spieler endlich wieder ein Ziel vor Augen. Die Jungs freuen sich jetzt richtig auf das Spiel.“

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Auch wenn es gegen seinen Ex-Club geht (Wucherer hat Gießen bis 2017 trainiert), ist es für ihn, der in seiner dritten Saison in Würzburg ist, mittlerweile ein Spiel wie jedes andere auch. Der Respekt vor dem Gegner ist allerdings groß. „Die 46ers sind ein Team mit viel BBL-Erfahrung.“

Und sie sind körperlich auch ein großes Team. Hier fällt vor allem John Bryant auf. Der ist nicht nur sehr groß, sondern auch sehr schwer. Laut BBL-Angaben wiegt er 127 Kilogramm. Wenn man ihn allerdings sieht, kann man sich jedoch kaum vorstellen, dass dies wirklich das aktuelle Körpergewicht ist. Das scheint eher in Richtung 150 Kilo zu gehen. Aber dennoch kann Bryant für jeden Gegner gefährlich werden. Das liegt an seinem guten Wurf und auch daran, dass er einer ist, der seine Mitspieler stets besser machen kann. „Es ist immer schwer, ihn unter Kontrolle zu bringen“, weiß Wucherer um die besonderen Fähigkeiten von „Big John“, der Würzburg schon einige Male „weh getan“ hat.