Basketball - Trotz zweier Siege mit insgesamt 197 eigenen Punkten fordert Würzburgs Trainer Denis Wucherer von seiner Mannschaft eine weitere Steigerung Die nächste Stufe muss gezündet werden

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Paul V. Brandenstein
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Gute Trainer sind angeblich nie zufrieden. Sollte diese These wirklich stimmen, dann ist Denis Wucherer von Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg offenbar ein richtig guter Trainer, wie er am Freitag bei der obligatorrschen Presse-Runde nach dem unter Beweis gestellt hat. Seine Mannschaft hatte wenige Minuten zuvor die Partie gegen Braunschweig locker und leicht mit 97:83 erfolgreich nach Hause geschaukelt – doch der Trainer war dennoch mächtig angefressen: „Was uns noch fehlt ist der nächste Schritt in unserer Entwicklung. Wir schaffen es einfach nicht, eine Mannschaft auch mal förmlich aus der Halle zu schießen. Wenn man zur Pause bereits mit 14 Punkten führt, dann muss man hungrig und clever genug sein, um darauf aufzubauen und es in der zweiten Hälfte ähnlich gut zu machen.“

Würzburgs Center Luke Fischer wird für die Mannschaft immer wichtiger. Der 2,11-Meter-Hüne trug auch gegen Braunschweig mit 17 Punkten, sieben Rebounds und sogar vier Assists entscheidend zum Sieg bei. © Heiko Becker
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Das haben die Würzburger „Baskets“ aber weder gegen Bonn (Pausenstand 61:46/Endstand 100:93) noch gegen Braunschweig (54:40/97:83) getan – und darüber regte sich der ehrgeige Coach furchtbar auf. Selbst die 197 in den beiden vergangenen Partie erzielten Punkte konnten ihn da nicht besänftigen: „Braunschweig hat genau wie Bonn in der Verteidigung derzeit große Probleme. Das darf für uns kein Maßstab sein. Wir müssen einfach klüger spielen, um eine schwächere Mannschaft auch einmal richtig auseinander zu nehmen.“

Bundesliga-Statistik

s.Oliver Würzburg – Basketball Löwen Braunschweig 97:83 (28:25, 26:15, 20:19, 23:24)

Würzburg: Bowlin (20 Punkte/davon 5 Dreier), L. Fischer (17), Wells (14/1), Koch (11/3), Hulls (9/2), Etou (8), Hoffmann (7), Rudd (6/1), Richter (4), Haßfurther (1), Obiesie.

Braunschweig: Klepeisz (19/6), Jallow (16/1), Eatherton (16), Lyles (12), Releford (8/1), Lawson III (7/1), Staiger (3/1), Wank (2), Marelja.

Zuschauer: 3140 (ausverkauft).

Wucherer missfiel, dass in beiden Partien nur 20 Minuten lang toller Basketball geboten wurde, und nicht über die gesamte Spielzeit. „40 Minuten, das wäre doch ’mal schön“. Er kritisierte besonders, dass nach Ballverlusten, „die Jungs einfach nur nach hinten joggen“ statt über das Feld zu sprinten. Auf die Frage, ob das vielleicht auch eine Sache der Konzentration sein könnte, antwortete er mit ernster Miene: „Nein. Das hat nur mit Spiel-Intelligenz zu tun.“

Selbst Cameron Wells, seit Wochen in einer derart bestechenden Form, dass er von einem Basketball-Online-Portal bereits als „MVP“-Kandidat gehandelt wird, bekam vom Coach sein Fett weg, als er darauf angesprochen wurde: „Er macht seine Sache gut, wenn es darum geht, für sich selbst den Abschluss zu finden. Er hat aber über weite Strecken Probleme, seine Mitspieler besser zu machen.“ Dies sei, so Wucherer, in erster Linie eine Sache der fehlenden Kommunikation auf dem Feld. „Ich kann das beurteilen, denn ich habe ihn schon seit vier Jahren im Team.“

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Da es in der BBL für die Würzburger erst am 25. Januar mit der Auswärtspartie in Hamburg weiter geht, erhielt das Team einen einwöchigen Kurzurlaub. Den werden fast alle für einen Trip in die Heimat nutzen. Was danach kommt, scheint klar zu sein: „Wir Coaches haben gesehen, dass unsere derzeitige Leistung gegen wirklich gute Mannschaften der Liga nicht reichen wird. Die Playoff-Kandidaten spielen auf einem anderen Niveau. Wenn die Spieler aus dem Urlaub zurückgekehrt sind, dann müssen wir die nächste Stufe in unserer Entwicklung zünden“, so der Trainer.

Verlängert Wucherer in Würzburg?

In der Zeit rund um den Jahreswechsel zog Wucherer dann aber doch noch ein positives Fazit über die vergangenen zwölf Monate. „Natürlich gibt es immer Luft nach oben, aber 2019 war für uns insgesamt schon ein gutes Jahr. Wir sind auf einem guten Weg.“

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Der Vertrag des Trainers in Würzburg läuft am Saisonende aus. Ein Basketball-Fachmagazin hat Wucherer bereits als kommenden deutschen Nationaltrainer gehandelt. Der macht derweil aber den „Baskets“-Fans Hoffnung. Er könne sich nämlich vorstellen, auch über das Saisonende hinaus in Würzburg tätig zu sein. „Als Trainer willst du dort, wo du arbeitest, einen Fußabdruck hinterlassen. Man will selbst sehen, dass man etwas verändert hat. In Gießen habe ich schon gemerkt, dass vier Jahre eine gute Zeit sind, um einen richtigen Fußabdruck zu hinterlassen.“ Wucherer bestätigte nicht nur, dass es bereits Gespräche mit dem Klub gegeben habe, sondern gleichzeitig auch noch, „dass wir auch hier auf einem guten Weg sind.“