Basketball - Cameron Hunt führt die personell arg dezimierten Würzburger zu einem überraschenden Auswärtssieg in Frankfurt Charakterstärke statt Körpergröße

Von 
ptt
Lesedauer: 
„Rookie“ Cameron Hunt, der seine erste Saison in der Basketball-Bundesliga spielt, führte gestern das Team von s.Oliver Würzburg zum Sieg in Frankfurt. © Bild Heiko Becker

Fraport Skyliners Frankfurt – s.Oliver Würzburg 72:80

AdUnit urban-intext1

(17:17, 18:21, 24:20, 13:22)

Frankfurt: Moore (23 Punkte/davon 4 Dreier), Gudmundsson (21/3), Murphy (8), Mobley (7/1), Robertson (4), Kessens (4), Konga (3/1), Rahon (2), Völler.

Würzburg: Hunt (23/3), Chapman (18), Koch (14/2), Ward (8/1), Obiesie (5/1), Weitzel (4), Albus (3/1), Hoffmann (3/1), Haßfurther (2), King.

AdUnit urban-intext2

Nach dem verletzungsbedingt „doppelten“ Saisonende für Justin Sears und Zach Smith fehlt es den Bundesliga-Basketballern von s.Oliver Würzburg derzeit definitiv an Körpergröße. Woran es ihnen aber nicht mangelt, ist Charakterstärke. Nach dem überraschenden Auswärtssieg in Bonn am Wochenende zuvor, setzte die Truppe von Trainer Denis Wucherer gestern sogar noch einen drauf und gewann mit 80:72 bei den Fraport Skyliners in Frankfurt, die vor dieser Partie in der Tabelle noch einen Playoff-Platz belegt hatten. Für Würzburg war es der fünfte Saisonsieg – und alle fünf wurden auswärts eingefahren. Das ist fürwahr eine äußerst ungewöhnliche Bilanz.

Wie schon in Bonn sahen die Würzburger auch im gestrigen Main-Derby zwischenzeitlich wie der Verlierer aus. Nach einem Pausenstand von 35:38 kamen die Hessen hochmotiviert aus der Kabine, während die Unterfranken fast etwas schläfrig wirkten. Die Folge: die Skyliners starteten mit einem 13:0-Lauf in die zweite Hälfte und lagen nach etwa 24 Minuten mit 48:38 in Front. Der Favorit schien auf die Siegerstraße eingebogen zu sein. Die Würzburger taumelten zwar, aber sie fielen nicht – und die Spieler rafften sich erneut zu einer kämpferischen Glanzleistung auf. „Personell sind wir derzeit nicht ausreichend besetzt, um auf Dauer in der BBL bestehen zu können. Aber mit viel Herz, mit der richtigen Einstellung und mit einer sehr guten Verteidigung hat es zumindest vergangene Woche in Bonn und auch heute gereicht“, lobte Wucherer sein Team. Auch Frankfurts Coach Sebastian Gleim lobte den Gegner für dessen Energie. „Bei uns dagegen haben sich zu viele Spieler in bestimmten Phasen hängen lassen.“ Einer der Spieler, die er mit dieser Kritik meinte, war mit Sicherheit Matt Mobley, der in dieser Saison schon Spiele mit über 30 Punkte hatte. Gestern waren es allerdings nur sieben.

AdUnit urban-intext3

„Mann des Spiels“ war eindeutig Cameron Hunt. Der 23-Jährige, der in der Vorsaison noch in Würzburgs „Farmteam“ in der ProB (das ist genau genommen die dritte Liga in Deutschland) aktiv war, stellte mit 23 Punkten einen neuen persönlichen BBL-Rekord auf. „Es war ein großer Sieg für uns. Wir spielen immer besser zusammen. Da wir auf den großen Positionen derzeit etwas dünn besetzt sind, mussten wir von der Bank mit viel Energie kommen“, so Hunt. Ebenfalls einen sehr starken Eindruck hinterließ Brekkott Chapman, dem sogar ein „Double-Double“ gelang (18 Punkte, 10 Rebounds). Von den deutschen Spielern stachen Florian Koch und Joshua Obiesie hervor.

Nun drei Mammut-Aufgaben

AdUnit urban-intext4

Nach dem fünften Saisonsieg können die Würzburger „Baskets“ etwas gelassener den kommenden drei Mammut-Aufgaben entgegen sehen. Es warten nämlich in direkter Reihenfolge die drei vermeintlichen „Schwergewichte“ der Liga auf die Truppe von Denis Wucherer: Am Sonntag, 24. Januar, geht es zu Alba Berlin, am Samstag, 20. Januar, muss man dann zu den EWE Baskets nach Oldenburg und am Mittwoch, 3. Februar, kommt der FC Bayern München nach Würzburg. Das sind eigentlich die idealen Partien, in denen sich eventuelle Neuzugänge „einspielen“ könnten.

Die Hoffnung der Fans, dass Cameron Wells nach Würzburg zurückkehren könnte, trübte Wucherer gestern allerdings: „Ich glaube nicht, dass er in die BBL kommt. Ich denke, dass er weiter versuchen wird, in der französischen Liga Fuß zu fassen.“ ptt