Basketball - Würzburg leistet sich gegen ersatzgeschwächte Ulmer einen zwischenzeitlichen 0:15-Lauf und steht am Ende wieder mit leeren Händen da Baskets fehlt weiterhin die notwendige Stabilität

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Paul V. Brandenstein
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Natürlich herrschte in der gänzlich leeren s.Oliver-Arena keine BBL-Atmosphäre. Für Geschäftsführer Steffen Lieber fühlte es sich sogar „furchtbar“ an. © Heiko Becker

s.Oliver Würzburg – ratiopharm Ulm 77:90 (17:18, 24:24, 17:20, 19:28)

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Würzburg: Ogden (19 Punkte/davon 2 Dreier), Downs (14/1), Haßfurther (10/1), Persons (9), Smith (8), Hunt (7/1), Albus (3/1), Ward (3/1), Hoffmann (2), Koch (2), Obiesie.

Ulm: Obst (25/2), Caupain (19/4), Petrucelli (8), Günther (8), Heckmann (7/1), Landers (7), Wilkins (6), Holman (5/1), Krause (5/1), Diallo, Krimmer.

Zuschauer: 0.

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Hätte Würzburgs glatzköpfiger Trainer Denis Wucherer Haare, dann würden sie momentan wohl ganz schnell grau werden – oder er müsste sie sich vor Ärger fast pausenlos raufen. Wieder war sein Team nah dran am Sieg – und wieder war eine fast schon unerklärliche Schwächephase der Grund, warum es dann doch nicht klappte.

Identisches Muster

Nach den drei Pokalspielen war der BBL-Auftakt in eigener „leerer“ Halle gegen ratiopharm Ulm nun schon das vierte Pflichtspiel von s.Oliver Würzburg in dieser Saison. Alle vier Partien gingen verloren – und nicht nur das: Alle vier liefen nach einem fast identischen Muster ab. Das neu formierte Team aus Würzburg hält gegen die jeweils favorisierten Gegner prima mit, liegt teilweise auch vorn – und bricht in der Schlussphase regelrecht ein, wobei dies wohl weniger an der Kondition liegt, sondern mehr an einer mentalen Blockade der Spieler.

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Auch gegen Ulm war das so. 58:56 führte das Team von Denis Wucherer in der Schlussphase des dritten Viertels, als wieder einmal das Unheil über ihm hereinbrach. Innerhalb von nur vier Minuten gelang Ulm ein 15:0-Lauf. Und die daraus resultierende 71:58-Führung brachten die Donaustädter schließlich auch ohne Probleme ins Ziel.

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„Es ist absolut enttäuschend, dass wir heute wieder da waren, wo wir bei unseren ersten beiden Pokalspielen gegen Ludwigsburg und Bamberg waren. Bei der ersten Stresssituation sind wir dann auseinander gefallen und haben wieder sehr viel Unsinn getrieben. Das gilt vor allem für unsere Guards, mit Ausnahme von Nils Haßfurther, der als einziger auf einem vernünftigen Niveau gespielt hat.“

Guards hatten ihre Probleme

In der Tat hatten die Würzburger Guards in dieser Partie ihre Probleme. Cameron Hunt, der aus dem ProB-Team der Vorsaison „hochgezogen“ und bei den Profis mit einem Drei-Jahres-Vertrag ausgestattet wurde, konnte gegen Ulm die in ihn gesetzten Vorschusslorbeeren nicht erfüllen. Der hochtalentierte Joshua Obiesie ist und bleibt seit dem „misslungenen“ NBA-Draft ein Rätsel. Gegen Ulm stand er wieder einmal „total neben sich“ – und das nicht zum ersten Mal in seiner noch jungen Karriere. Und Tayler Persons beeindruckte zwar immer wieder mit seinen energiegeladenen wuchtigen Antritten, doch dann „verlegte“ er reihenweise einfachste Korbleger. Das Trio Hunt/Obiesie/Persons kam aus dem Zweierbereich zusammen auf eine „4-von-13“-Bilanz. So kann man gegen eine Mannschaft wie Ulm, die in der BBL hinter den vermutlich übermächtigen Teams Alba Berlin und Bayern München so etwas wie ein Geheimfavorit ist, am Ende nicht bestehen.

Haßfurther als Lichtblick

Einzig Nils Haßfurther, der überraschend sogar in der Anfangsformation stand, hielt an diesem Tag die Würzburger „Guard-Fahne“ hoch. Er bekam in seiner 20. BBL-Partie erstmals mehr als 15 Minuten Spielzeit und „bedankte“ sich dafür mit einem persönlichen BBL-Bestwert von zehn Punkten. Doch so etwas tritt natürlich in den Hintergrund, wenn man am Ende das Spiel verliert: „Wir haben drei Viertel ganz gut mitgehalten. Danach waren wir nicht mehr so konzentriert, haben zu viele einfache Fehler gemacht und standen in der Verteidigung nicht mehr so solide. Wenn man den Ulmern freie Räume lässt, nutzen sie das mit ihrer Qualität natürlich aus. Es wäre machbar gewesen, das Spiel bis zum Schluss eng zu halten.“

„Eigentlich spielt Ulm in einer anderen Liga als wir“, hatte Denis Wucherer in der Pressekonferenz vor dieser Partie betont. Und doch wäre es dieses Mal möglich gewesen, das Team aus Baden-Württemberg, dessen Heimspielstätte aber in Bayern (Neu-Ulm) liegt, zu schlagen. Das lag unter anderem auch daran, dass die Ulmer kurzfristig auf drei wichtige Spieler verzichten mussten: Topscorer Dylan Osetkowski wurde krank, Christoph Philipps machten Adduktoren-Probleme zu schaffen und Thomas Klepeisz verletzte sich im Euro-Cup-Spiel in Montenegro an der rechten Schulter und wird wohl mehrere Wochen fehlen. „Ohne dieses Trio war das heute ein schwieriges Spiel für uns. Wir wussten, dass Würzburg schnell und mit viel Switching spielt, aber es war trotzdem nicht einfach, uns nach dem Euro-Cup darauf einzustellen“, sagte Ulms Trainer Jaka Lakovic, der die Partie dann noch wie folgt zusammenfasste: „Ich bin zufrieden mit meiner Mannschaft und glücklich über den ersten Saison-Sieg in der BBL.“

„Furchtbare Atmosphäre“

Wer weiß, wie die Partie ausgegangen wäre, wenn zumindest 1000 Zuschauer die Arena in eine Turnhölle verwandelt hätten. Es ist zugegeben zwar hypothetisch, aber: Vielleicht wären enthusiastische Fans in dieser Partie wirklich das berühmte Zünglein an der Waage gewesen, die ihr Team aus der kritischen Phase Ende des dritten und Anfang des vierten Viertels geholfen hätten. So aber hat sich das Geisterspiel für Baskets-Geschäftsführer Steffen Liebler „ganz furchtbar“ angefühlt . . .