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Handball

Das Ende der Langsamkeit

Die Rhein-Neckar Löwen gewinnen den Sparkassen-Cup und deuten an, wie sie in der nächsten Saison spielen wollen

Von 
Marc Stevermüer
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Die Rhein-Neckar Löwen gewannen in Altensteig alle drei Spiele. © Binder

Altensteig. Ein Titel ist ein Titel – wenn auch in diesem Fall nur ein ganz, ganz kleiner: Die Handballer der Rhein-Neckar Löwen haben am Sonntag den Sparkassen-Cup in Altensteig (Schwarzwald) gewonnen. Im Endspiel bezwang die Mannschaft des neuen Trainers Sebastian Hinze den Zweitligisten HSG Nordhorn-Lingen mit 40:27 (19:9). Das Vorbereitungsturnier brachte aber nicht nur einen Pokal, sondern vor allem Erkenntnisse.

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Wie muss der Erfolg eingeordnet werden?

Da Bundesligist TVB Stuttgart überraschend gegen die HSG Nordhorn-Lingen verlor, trafen die Löwen ausschließlich auf unterklassige Gegner. Im Finale wurden die Badener kaum gefordert. Das galt auch für die Partie am Freitag gegen Gastgeber und Verbandsligist TSV Altensteig (53:19) und am Samstag für das Halbfinale gegen den überraschend schwachen Schweizer Erstligisten HC Kriens-Luzern (35:20) mit Ex-Löwe Andy Schmid. Trainer Hinze war dennoch zufrieden: „Die Jungs haben ihren Job gemacht.“ Auffällig: Trotz der Überlegenheit ließen die Löwen in keinem Spiel locker. „Es ist Zug drin“, stellte Kapitän Uwe Gensheimer fest.

Was fiel in den drei Turnierspielen auf?

Das Ende der Langsamkeit. Die Löwen spielen mit mehr Geschwindigkeit. Ballgewinne, Umschaltmomente, zweite Welle, Gegenstoß, maximal ein Abwehr-Angriff-Wechsel – das sah man in den vergangenen Jahren nicht, weil im Deckungszentrum das Personal dafür fehlte. „Wir haben mit einem riesigen Tempo gespielt. So in der Art soll das auch in der Saison aussehen“, sagte Rechtsaußen Patrick Groetzki, schränkte angesichts der Gegner aber ein: „Ganz so werden wir es in der Liga wohl nicht hinbekommen.“

Woher kommt diese lange nicht gesehene Schnelligkeit?

Von den Neuzugängen. Halil Jaganjac und Olle Forsell Schefvert geben den Löwen ein Element, das lange Zeit fehlte. „Die Analyse der vergangenen eineinhalb Jahre hat gezeigt, dass es zu wenige Spieler gab, die dieses Tempospiel aus der Abwehr heraus initiieren, gestalten und mitgehen können. Olle und Halil können das“, sagte Hinze.

Was bringen die Neuen sonst noch mit?

Jaganjac macht im Angriff unermüdlich Druck. „Er gibt immer Vollgas“, sagt Gensheimer. Ab und zu sieht das zwar noch ein wenig ungestüm aus, aber nicht umsonst wurde der Kroate in der vergangenen Saison Torschützenkönig in der European League. Forsell Schefvert wiederum soll zusammen mit Juri Knorr die Rolle als Regisseur übernehmen. „Er ist einer der wenigen Spieler in der Bundesliga, der im Angriff und in der Abwehr in der Mitte eingesetzt werden kann. Das ist ein großes Plus“, freut sich Groetzki.

Wie schlagen sich die Erben von Andy Schmid auf der Mitte?

Im Positionsangriff wurden die Löwen in Altensteig nicht so richtig gefordert. Hinze hat sich aber klar auf Knorr und Forsell Schefvert als Mittelmänner festgelegt, obwohl Albin Lagergren auf dieser Position in der vergangenen Saison einige gute Spiele zeigte.

„Ich weiß, dass er das kann“, sagt Hinze, der diese Option für die Zukunft nicht ausschließen will. Ohnehin ist ihm eine gewisse Breite wichtig: „Andy Schmid ist einmalig. Kein einzelner Spieler kann ihn eins zu eins ersetzen.“ Knorr ist torgefährlicher als Forsell Schevfert. „Olle gibt uns eine andere Art Rückraum-Mitte“, betonte Groetzki: „Er ist ziemlich abgezockt und einer, der seine Nebenleute einsetzt.“

Wie formiert sich das Abwehrzentrum?

„Wir haben drei Spieler für den Innenblock“, sagte Hinze und nannte neben Jaganjac und Forsell Schefvert noch Ymir Gislason. Auffällig: In Altensteig probierte es der Trainer auch mit Jannik Kohlbacher im Deckungszentrum. „Wenn jemand so schnelle Beine hat wie Kohli, muss man das nutzen. Wir trainieren das, denn wir brauchen einen vierten Innenblock-Spieler. Es wird aber nicht in vier Wochen so sein, dass er den Laden zusammenhält“, sagt Hinze, der hier auf den Faktor Zeit setzt.

Wie ist die Personallage vor dem Trainingslager in Österreich?

Kapitän Gensheimer ist nach seiner Achillessehnenverletzung wieder einsatzfähig. Lukas Nilsson macht weiterhin eine Entzündung im Fuß zu schaffen. Der Schwede fällt schon seit Monaten aus und Besserung ist nicht in Sicht. „Das wird dauern“, berichtete Hinze, der Nilsson gerne in der Saisonvorbereitung dabei gehabt hätte: „Lukas kann viel mehr abrufen, als er es bislang bei den Löwen gemacht hat. Schade, dass er nicht dabei ist.“ Niclas Kirkeløkke wurde in Altensteig geschont. „Er hat kleinere Probleme mit der Schulter, kann nicht so hart aufs Tor werfen“, sagte Hinze. In dieser Woche soll der Rückraum-Linkshänder aber wieder voll ins Training einsteigen.

Gab es Gewinner unter den Turniersiegern?

Ja – zunächst Elias Scholtes. In Abwesenheit von Kirkleøkke nutzte der 18-Jährige seine Chance und trumpfte unbekümmert auf. Fünf Tore gegen Altensteig, sieben gegen Luzern, drei gegen Nordhorn. „Er hat seine Sache gut gemacht“, lobte Hinze. Linksaußen Lion Zacharias, der einmal für die Löwen auflief und dank eines Zweitspielrechts zweimal bei den sechstplatzierten Eulen Ludwigshafen zum Einsatz kam, wurde Torschützenkönig des Turniers. Zudem kürte die Jury Löwe Joel Birlehm zum besten Keeper des Sparkassen-Cups.

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