Fußball - Derzeit macht kaum etwas Hoffnung auf Besserung bei den Würzburger Kickers / Warum der Impuls des Trainerwechsels nicht eingetreten ist Zusammenhalt ist vollkommen zerstört

Von 
Michael Fürst
Lesedauer: 

Das Wort „Ernüchterung“ trifft es wohl am besten: Minutenlang standen die Würzburger Profis nach dem Schlusspfiff des so wichtigen Zweitliga-Spiels in Heidenheim auf dem Platz und starrten ins Leere. Manche wollten schon gar nicht mehr hinsehen und zogen sich ihre Trikots oder Jacken über den Kopf. Das 1:4 (wir berichteten in unserer Samstag-Ausgabe) war ein echter Nackenschlag. Fußballerisch gefielen die Kickers nur in den Anfangsphasen der jeweiligen Spielhälften, danach wurde immer mehr deutlich, dass die derzeitige Qualität des Kaders nicht für die 2. Bundesliga genügt. Sieben Spiele, sechs Niederlagen und nur ein Unentschieden – dieser Saisonstart der Würzburger Kickers wirft einige Fragen auf.

Es ist zum Wegschauen: David Kopacz, noch einer der Lichtblicke bei den Kickers, nach der 1:4-Niederlage der Würzburger Kickers in Heidenheim. © Frank Scheuring

Warum hat Würzburg auch das wichtige Spiel in Heidenheim verloren?

Kickers-Splitter

Verletzt: FWK-Kapitän Arne Feick musste in Heidenheim bereits nach 17 Minuten ausgewechselt werden. Die MRT-Untersuchung am Samstag ergab eine Kapselverletzung im linken Knie. Deshalb wird der 32-Jährige den Kickers längere Zeit fehlen.

Gefordert: Die nächste Begegnung bestreiten die Würzburger nach der Länderspielpause am Sonntag, 22. November, um 13.30 Uhr daheim gegen Hannover 96. In der ersten Runde des DFB-Pokals hat man gegen „96“ schon 2:3 verloren. mf

AdUnit urban-intext1

Die Kickers gefielen zu Beginn der beiden Spielhälften durch mutiges Pressing und Balleroberungen tief in der Heidenheimer Hälfte. Doch dann wurden sie immer passiver. Es gelang „minimal selten“, dass man den Ball einmal in der gegnerischen Hälfte halten konnte. Es fehlten auch fußballerische Lösungen. Ewerton und Douglas in der Innenverteidigung spielen zu lassen und dafür Lars Dietz „auf die Sechs“ zu ziehen – dieser Plan des Trainers ging nicht auf. Nach dem Spiel sagte Marco Antwerpen auf die FN-Frage zu den Leistungen seiner „Ein-Namen-Innenverteidigung“: „So lange die Kraft reicht, merkt man, dass sie uns stabilisieren. Wenn sie im Vollbesitz ihrer Kräfte sind, sind sie Verstärkungen für uns. Aber da müssen wir erst noch hinkommen.“ Da stellt sich aber die Frage, warum Antwerpen diese beiden Spieler dann nicht vom Platz nimmt und durch frische Akteure ersetzt und sich stattdessen in der Pause bereits mit zwei „Mittelfeldwechseln“ (die zweikampfstarken Hoffmann und Sontheimer raus) schwächt?

Wie ist der Zustand der Mannschaft und im Verein?

Die Mannschaft machte erneut den Eindruck, als sei sie ein wild zusammengewürfelter Haufen – bislang ohne Identifikation für den Verein. Die „Aufstiegshelden“ sind zunehmend ausgebootet. In der Startelf standen nur noch zwei (Sontheimer/Hoffmann); beim Schlusspfiff war es nur noch einer (Herrmann). Der Zusammenhalt, der die Mannschaft in die 2. Bundesliga getragen hat, ist vollkommen zerstört. Von einer Aufstiegseuphorie, mit der Neulinge zumindest zu Beginn der Saison durch die Spiele getragen werden, kann überhaupt keine Rede sein. Der Zustand im Verein ist auch nicht leistungsfördernd: Nach der umstrittenen Trennung von Trainer Michael Schiele gibt es zwei Lager: Das um Felix Magath, zu dem auch Aufsichtsrat-Boss Thorsten Fischer und Vorstands-Chef Daniel Sauer gehören, und das derjenigen, die die jüngste Entwicklung nicht gut heißen und die personellen Entscheidungen kritisieren.

Wie ist Felix Magaths Kritik an den Schiedsrichter-Entscheidungen einzuordnen?

Magaths Äußerungen nach dem Spiel (siehe Artikel nebenan) sind reine Ablenkungsmanöver – und fehl am Platz. Darin begründet sich die Herbst-Tristesse des FWK sicher nicht. Bei Schiri-Kritik sollte man sowieso vorsichtig sein; oder hätte jeder Unparteiische den Elfmeter gegen Halle gepfiffen, der letztlich zu Würzburgs Aufstieg führte?

Was hat der frühe Trainerwechsel von Michael Schiele hin zu Marco Antwerpen bisher bewirkt?

AdUnit urban-intext2

Nichts. Der „Impuls“, den die FWK-Bosse mit dem Trainerwechsel setzen wollten, ist völlig verpufft und wirft deshalb erneut die Frage auf, ob er notwendig war. Felix Magath begründet den „Rausschmiss“ Schieles am Freitag mit einer schlechten Vorbereitung und den Niederlagen zu Saisonbeginn – verbunden damit, dass die letzten beiden Begegnungen der Drittliga-Saison schließlich auch nicht gewonnen wurden. Antwerpen hat es bisher nicht geschafft, der Mannschaft ein stabiles defensives Gerüst zu bauen. Zudem fehlen oft fußballerische Lösungen im Ballbesitz. Trotzdem sagt Antwerpen: „Man kann mit vielem einverstanden sein.“ Doch „einverstanden sein“ wird nie und nimmer für den Klassenerhalt reichen.

Was macht Hoffnung auf Besserung?

Wenig, sehr wenig. Es sind einfach zu viele Baustellen offen. Und jetzt fehlt auch noch der leistungsstarke Kapitän Arne Feick (siehe Infobox). Die beste Entwicklung nimmt noch David Kopacz. Er ist ein Aktivposten. Antwerpen muss es in der zweiwöchigen Länderspielpause schaffen, die Mannschaft defensiv zu stabilisieren. Die vielen Gegentreffer (18 in sieben Spielen) sind eine viel zu schwere Bürde, um mittelfristig aus dem Tabellenkeller zu klettern. Irgendwie muss man „am Dalle“ jetzt schon auf ein mittelgroßes Fußballwunder hoffen, damit der Ligaverbleib doch gelingt.

Ressortleitung Leiter der Redaktionen Buchen und Sport