Fußball Würzburger Kickers stehen in Heidenheim unter Druck

Von 
Michael Fürst
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Würzburg. Für Arne Feick ist die Begegnung am Freitag, 6. November, eine ganz besondere: Der Kapitän der Würzburger Kickers tritt mit seiner Mannschaft beim 1. FC Heidenheim an. 127 Spiele hat er für diesen Verein absolviert, ehe er im Sommer von Ostwürttemberg nach Nordbayern wechselte. „Die Vorfreude auf dieses für mich besondere Spiel ist riesengroß. Ich hatte mit meiner Familie eine wirklich tolle Zeit in Heidenheim. Aber in erster Linie geht es am Freitagabend unter Flutlicht um wichtige Punkte für uns. Von daher werde ich alles versuchen, um mit den Kickers erfolgreich zu sein“, sagt der 32-Jährige vor der Partie. Anstoß ist um 18.30 Uhr.

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Soweit die Nostalgie zu diesem Zweitliga-Duell. Deutlich ernster wird es nämlich, wenn man sich den sportlichen Ist-Zustand der beiden Kontrahenten betrachtet: Heidenheim ist mit nur fünf Punkten Drittletzter, Würzburg mit nur einem mickrigen Zählerlein Schlusslicht der Tabelle. „Die Situation ist jetzt so, dass wir angehalten sind, Spiele zu gewinnen“, sagt FWK-Trainer Marco Antwerpen zur momentanen Lage und fügt an: „Wir brauchen händeringend ein Erfolgserlebnis.“ Ob das aber ausgerechnet in Heidenheim gelingt – das ist schon sehr fraglich. Freilich haben die Kickers in ihrer vorigen Zweitliga-Saison unter Coach Bernd Hollerbach beim FCH gewonnen, klar sind die Heidenheimer schlecht in die Runde gestartet – aber das war es irgendwie schon. Die Mannschaft von Trainer Frank Schmidt ist trotz ihres personellen Aderlasses im Sommer immer noch mit extrem Zweitliga-erfahrenen Spielern besetzt; zudem hat der 1. FC seit über einem Jahr kein Heimspiel verloren. Und deshalb ist die Kampfansage des Würzburger Trainers nur ein „Kampfansäg‘chen“: „Wir hoffen, dass sie mit uns Probleme haben werden.“

Probleme hatten und haben die Kickers derzeit aber vor allem mit sich selbst. „Wir bringen uns immer wieder um den Lohn“, hat Marco Antwerpen erkannt und spricht hier vor allem die individuellen Fehler seiner Spieler an. Torhüter Fabian Giefer und Verteidiger Douglas „ragten hier zuletzt heraus“. Trotzdem werden beide heute in der Startformation stehen. Antwerpen peilt an, dass er mit Douglas und Ewerton die Innenverteidigung bilden kann. Der bisher solide Lars Dietz müsste dann weichen.

Hatte der Würzburger Trainer seine Nummer eins nach dem 2:3 gegen Bochum noch angezählt („..., dann weiß ich nicht, ob er sich für das Heidenheim-Spiel empfohlen hat…“), so stützte er einen Tag vor dem Match in der „Voith-Arena“ den Torhüter: „Ich kann die Aufregung gar nicht nachvollziehen. Wir reden miteinander, er ist ein extrem wichtiger Bestandteil.“ Auf die konkrete Frage, ob er denn im Tor stehen würde, antwortete der Coach: „Warum nicht?“

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Die wahre Krux der Kickers ist aber nicht der Torhüter, sondern die Zusammenstellung der Mannschaft: Viele Profis haben kaum Spielpraxis und stehen deshalb auch körperlich nicht voll im Saft. So sind die vielen individuellen Fehler zu erklären. Dazu wurde der Kader viel zu spät komplettiert. Die Mannschaft befindet sich gerade quasi mitten in der Vorbereitung. Marco Antwerpen erklärt die Schwierigkeit: „In einer Vorbereitung hast du Testspiele und kannst etwas ausprobieren. Jetzt müssen wir probieren und uns gleichzeitig auf einen nächster Gegner vorbereiten. Wir arbeiten quasi mit Ad-hoc-Maßnahmen.“ Dazu müssten sich auch die Drittliga-Spieler aus der Vorsaison noch verbessern.  

Massiv mitgewirkt beim Kader-Bau hat Felix Magath, der Fußball-Chef von „Flyeralarm“.  Auf die Frage, ob sich der Kickers-Coach schon Tipps vom Bundesliga-Urgestein geholt habe, sagte Antwerpen: „Wir tauschen uns aus.“ Nun, das klingt nicht gerade nach „befruchtenden Gesprächen“… Ein weiteres Problem ist, dass der Kader  mit augenblicklich 29 Mann zu groß ist. Zwar versichert der Trainer, dass jeder Spieler eine Chance habe, er sagt aber auch, dass eine ideale Kadergröße 22 bis 24 Mann betrage. Derzeit sind zu viele Spieler bei den Würzburgern unzufrieden. Das ist gewiss nicht leistungsfördernd.

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Doch Zweitliga-Methusalem Arne Feick gibt Hoffnung: „Es war bis jetzt eine sehr intensive und turbulente Zeit, nach dem Aufstieg hat sich das Gesicht des Teams sehr verändert, und es läuft noch nicht so rund wie wir uns das vorstellen. Wir haben viel Lehrgeld bezahlt, aber wir haben auch in fast allen Spielen gezeigt, dass wir großes Potenzial haben und konkurrenzfähig sind.“ Vielleicht schon am Freitagabend…

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