Fußball - Kickers zum heutigen Auswärtsspiel in Kiel nicht mit dem Bus unterwegs, sondern im Flieger / Gegner schwimmt derzeit auf einer Euphoriewelle Würzburg dieses Mal im Höhenflug?

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Steffen Krapf
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Am vierten Spieltag unterlag der FC Würzburger Kickers (links im Bild Patrick Sontheimer) mit 0:2 gegen Holstein Kiel (im Bild Jonas Meffert). Am Freitag findet in Norddeutschland das Rückspiel statt. © Frank Scheuring

Am heutigen Freitagabend wollen die Würzburger Kickers bei ihrem Auswärtsspiel gegen Holstein Kiel zum Höhenflug ansetzen. Zumindest bei der Anreise, die ausnahmsweise nicht mit dem Bus sondern dem Flieger erfolgt, wird das schonmal gelingen.

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Erst am Nachmittag heben die „Rothosen“ ab. An der Ostsee wartet dann eine knackige Aufgabe auf das Team von Cheftrainer Bernhard Trares - nicht nur aufgrund der frostigen Witterungsbedingungen. „Wir wissen, dass wir gegen eine starke Mannschaft spielen, die im Pokal Bayern geschlagen hat“, sagt Trares in der obligatorischen Spieltags-Pressekonferenz.

Sensationscoup der „Störche“

Drei Fakten zum Gegner des FC Würzburger Kickers: KSV Holstein Kiel

Vertragsgespräche: Noch ist unklar, wie es mit Kiels südkoreanischem Offensivspieler Jae-Sung Lee nach dieser Saison weitergeht. Der Vertrag des 28-Jährigen läuft im Sommer aus. In der laufenden Zweitligaspielzeit bringt es der Kieler Rekord-Einkauf, der 2018 für 900 000 Euro aus seiner Heimat von Jeonbuk Hyundai Motors an die Ostseeküste wechselte, wettbewerbsübergreifend auf sechs Tore und drei Vorlagen. Dementsprechend hofft Holstein Cheftrainer Ole Werner auf einen Verbleib von Lee: „Wir hätten nichts dagegen, wenn er bleibt. Er ist ein außergewöhnlicher Spieler. Wir werden alles tun, was wir von Vereinsseite tun können, um ihn bewegen zu können noch bei uns zu bleiben.“ Laut eigener Aussage wollte Lee Kiel aber schon im vergangenen Sommer verlassen – der Klub lehnte jedoch alle Angebote ab, darunter, so wird kolportiert, auch einde Drei-Millionen-Offerte von Ligakonkurrent Hamburger SV. Trotzdem betonte der 49-fache südkoreanische Nationalspieler unlängst: „Ehrlich gesagt: Als ich hierher kam, dachte ich nicht, dass es ein Ort ist, an dem ich so lange bleiben kann. Nach zwei Jahren ist es aber so, dass ich Kiel liebe.“

Bescheidenheit: „Wir wissen, wo wir hingehören. Wenn wir ein Freiburg im Norden werden können, dann wäre das ein ganz toller Weg. Denn wir haben noch eine ganze Menge in diesem Club zu tun. Daher mach wir das norddeutsch unaufgeregt, und so soll es auch weitergehen“, bleibt Kiels Geschäftsführer Wolfgang Schwenke gelassen. Dabei lobt der 52-Jährige auch die gute Zusammenarbeit mit Uwe Stöver, seit Oktober 2019 Geschäftsführer Sport in Kiel, und Präsident Steffen Schneekloth. „Wir kommen alle aus dem Sport und haben einen großen Erfahrungsschatz. Wir haben schon schwierige Situationen gemeistert - auch in unserem Sportlerdasein“, erklärte Schwenke. „Dass wir diese Erfahrung einbringen, strahlt für Mitarbeiter und Spieler die Ruhe aus, auch in schwierigen Situationen selbst die Ruhe zu bewahren.“ Ein großes Lob hat Schwenke derweil für Trainer Ole Werner parat: „Wir haben immer an Ole geglaubt, und er zahlt das Vertrauen jetzt einfach großartig zurück.“ Wohin die Reise noch geht? 2018 verpasste die Störche in den Aufstiegsspielen gegen den VfL Wolfsburg bereits knapp den erstmaligen Sprung in die Bundesliga.

Erfolgreich: Mit 39 Punkten belegt Holstein Kiel aktuell den dritten Tabellenplatz. 19 Gegentore nach 20 Spielen bedeuten zudem einen Liga-Bestwert. Mit einem Heimerfolg gegen Würzburg könnte die Werner-Elf sogar vorübergehende die Tabellenspitze der 2. Liga erklimmen. Für Ole Werner kein Grund für übertriebene Euphorie: „Das ist kein Wunschkonzert. Wir versuchen einfach, uns Aufgabe für Aufgabe gut vorzubereiten auf das jeweils nächste Spiel. Und dann wird man am Ende sehen, wozu es reicht.“ Zuletzt gelang gegen Bundesligaabsteiger Fortuna Düsseldorf ein souveräner 2:0-Auswärtserfolg. Für Mittelfeldspieler Alexander Mühling kein Zufall: „Diese Reife in der Mannschaft hat uns in den letzten Jahren ein bisschen gefehlt, das haben wir diese Saison. Das ist eine gute Grundlage, um erfolgreich zu sein.“ Zum einen winkt der erste Aufstieg in die Bundesliga, zum anderen stehen im DFB-Pokal alle Möglichkeiten offen: Anfang März tritt Kiel im Viertelfinale beim Viertligisten Rot-Weiß Essen an. KSV-Cheftrainer Ole Werner: „Essen hat gezeigt, dass sie sogar Bundesligisten schlagen können. Es treffen zwei der Überraschungsteams aufeinander.“ pati

Der Sensationscoup der „Störche“ liegt genau einen Monat zurück. In einer beherzten Pokalschlacht zwang der Zweitligistdamals den amtierenden Champions- League.Sieger nach Elfmeterschießen in die Knie. Aber auch im Liga-Alltag ist der kommende Kickers-Gegner in einer blendenden Verfassung. Nach zehn Punkten aus den letzten vier Spielen steht die Mannschaft von Trainer Ole Werner auf dem dritten Platz. Erst drei Spiele gingen in der Saison verloren – allesamt daheim. „Eine tolle Mannschaft, die sehr eingespielt ist“, findet Trares. Im Hinspiel – damals noch unter Trainer Antwerpen - unterlagen die Kickers nach weitgehend ausgeglichener Partie mit 0:2.

„Wir fahren da hoch, um Punkte mitzunehmen“, erklärt Trares selbstbewusst die Marschroute: „Wir haben gezeigt, dass wir gegen solche Gegner Fußball spielen können und alles drinnen ist.“ Nach dem 2:1-Heimsieg gegen den Tabellenfünften Düsseldorf vor zwei Wochen folgte am letzten Spieltag die 1:4-Niederlage beim Dritten Greuther Fürth. Die auf dem Papier deutliche Niederlage kam auch bedingt durch eine fatale Fehlentscheidung des VAR beim Elfmeter für Fürth, die zum 3:1 führte, zustande. „Man sagt ja immer so schön im Fußball, dass sich alle Entscheidungen über eine Saison hinweg ausgleichen. Dann haben wir noch einen gewaltigen Puffer vor uns“.

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Der Ärger über das Fürth-Spiel scheint dennoch überwunden. „Die Mannschaft hat es verarbeitet.“ Zur Geschichte des Spiels gehörten auch individuelle Fehler in der Defensive, unter anderem mit dem folgenschweren Patzer von Abwehrchef Christian Strohdiek vor dem 1:1. „Er ist ein erfahrener und selbstkritischer Spieler, bei ihm braucht man nicht mehr den Finger in die Wunde legen. Er hat nach seinem Fehler auch sehr stabil gespielt“, erklärt der Coach. Die derzeitige Tabellensituation, mit zehn Punkten Rückstand zum rettenden Ufer, müsse man derzeit ausblenden und sich einfach auf die Spiele fokussieren.

Keine optimalen Bedingungen

Eine angemessene Spielvorbereitung war allerdings diese Woche nicht möglich. Aufgrund der Witterungsbedingungen waren die Trainingsplätze kaum bespielbar. Taktische Einheiten waren unmöglich. „Wir mussten etwas zaubern, dass überhaupt ein Training stattfinden konnte“, berichtet der 55-Jährige. Optimale Bedingungen im Abstiegskampf sind das freilich nicht. „Der Verein ist im Aufbau und die Voraussetzungen sind noch nicht so, wie man sich das wünscht“, weiß auch Trares: „Aber das wusste jeder Spieler – und auch ich – als man hier unterschrieben hat.“

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Nach Ausreden wird also nicht gesucht. Ob Stürmer Marvin Pieringer mit im Flieger nach Kiel sitzen wird, war am gestrigen Donnerstag noch nicht klar. Die Leihgabe aus Freiburg knickte im Spiel gegen Fürth um und musste daraufhin ausgewechselt werden. Der zuletzt angeschlagene Mittelfeldmann Nzuzi Toko wird dagegen zurück im Kader erwartet. Beim brasilianischen Innenverteidiger Ewerton, den muskuläre Probleme plagen, steht dagegen erstmal weiter Aufbauarbeit an. Für den jüngsten Neuzugang, dem niederländischen Offensivspieler Rajiv van la Parra, kommt ein Einsatz von Beginn an, auch wenn Trares ihn bei seinem Debüt im Frankenduell ab der 54. Minute ein „ordentliches“ Spiel attestiert hat, wohl noch zu früh.