Fußball - Die Würzburger Kickers spielen gegen Magdeburg nicht schlecht, schaffen aber wieder nicht den Sprung „oben rein“ / Luca Pfeiffer vermisst „Kaltschnäuzigkeit“ Standards sind die größte Baustelle

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Michael Fürst
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Drittliga-Experte Martin Lanig aus Königshofen hatte bereits am 29. Mai in den Fränkischen Nachrichten über die Würzburger Kickers gesagt: „Die Mannschaft hat sich im Laufe der Saison gut stabilisiert. Aber man hat immer so das Gefühl, dass sie eben dieses eine Spiel nicht gewinnen, wenn sie mal ganz oben reinrutschen könnten.“ Exakt solch eine Begegnung stand am Dienstagabend in der Würzburger „Flyeralarm-Arena“ an, als die Kickers den abstiegsbedrohten 1. FC Magdeburg empfingen. Und exakt ging es wieder aus, wie so oft in dieser Saison: Der FWK verlor – und zwar mit 0:1 (wir berichteten).

Bild mit Symbolcharakter: Zu leicht hatte es Magdeburgs Torhüter Morten Behrens, die „ruhenden Bälle“ der Würzburger Kickers „herunterzupflücken“. Bei Standards hat der FWK für den Saisonendspurt noch sehr viel Luft nach oben. © Frank Scheuring
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Und wie so häufig war es auch dieses Mal kein richtiger Murks-Kick der „Rothosen“, sondern über weite Strecken eine recht ordentliche Darbietung. Andererseits war es aber auch nicht richtig gut – vor allem nicht über 90 Minuten. „Uns hat die Kaltschnäuzigkeit wie noch in Meppen gefehlt“, stellte Luca Pfeiffer nach dem Spiel recht gefühlsneutral fest. Der fußballerische Höhepunkt gelang schon nach vier Minuten, als eben Stürmer Pfeiffer nach herrlichem Spielzug vorbeischoss. „Normal macht er den“, sagte Trainer Michael Schiele kurz und knapp dazu. Vor allem den ersten Durchgang sah der 42-Jährige „nicht so schlecht“.

Das Restprogramm der Kickers

Samstag, 6. Juni, 14 Uhr: TSV 1860 München – Würzburg.

Mittwoch, 10. Juni, 19 Uhr: Würzburg – FC Carl Zeiss Jena.

Samstag, 13. Juni, 14 Uhr: MSV Duisburg – Würzburg.

Dienstag, 16. Juni, 19 Uhr: Würzburg – 1. FC Kaiserslautern.

Freitag, 19. Juni, 19 Uhr: Würzburg – Chemnitzer FC.

Noch ohne Termin: Bayer Uerdingen – Würzburg, Würzburg – FC Hansa Rostock, Viktoria Köln – Würzburg, Würzburg – Hallescher FC.

Lob von „Pele“ Wollitz

Nein, von „schlecht“ waren die Würzburger weiß Gott weit entfernt. Das erkannte auch Gäste-Trainer Claus-Dieter, genannt „Pele“, Wollitz an: „Würzburg hat sich extrem gut entwickelt, spielt extrem gut und redet da ein Wörtchen mit.“ Mit dem „da“ ist der Aufstiegskampf zur 2. Bundesliga gemeint, in dem die Kickers nun zwar einen kleinen, aber längst keinen entscheidenden Rückschlag erhalten haben. „Die Niederlage bedeutet jetzt nicht so viel. Wenn man sieht, wie eng die Tabelle ist, dann ist da noch alles drin“, sagte Luca Pfeiffer – dieses Mal deutlich weniger gefühlsneutral.

Zieht man die erste Begegnung nach dem Wiederbeginn des Spielbetriebs der 3. Liga mit in die Bewertung des Leistungsstandes der Kickers mit ein, fällt am meisten auf, dass die größte Baustelle „Standards“ heißt – sowohl defensiv als auch offensiv. Schon in Meppen musste man nach ruhenden Bällen für den Gegner manchmal schon die Luft anhalten. Gegen Magdeburg fiel nun der Siegtreffer für die Elbstädter nach einer Ecke. Sowohl am Samstag als auch am Dienstag schlugen die Kickers viele, viele Bälle nach Freistößen aus dem Halbfeld oder mit Ecken in die Strafräume der Gegner. Bis auf einmal (dem Kopfball von Sebastian Schuppan in der 25. Minute) wurde es allerdings nicht gefährlich. Schlimmer noch: Die „Ruhenden“ waren fast immer äußerst harmlos und nutzten den gegnerischen Torhütern eher zum „Flanken-Runterpflück-Training“.

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Auf FN-Nachfrage gab auch Trainer Schiele zu: „Ja, da ist noch Potenzial nach oben.“ In den kommenden drei Tagen bis zum nächsten Spiel beim TSV 1860 München (Samstag, 6. Juni, 14 Uhr) will der Coach „noch ein paar Standards reinhauen und das auch durchspielen“. Das Argument, dass in der unüblichen Vorbereitungszeit zu wenig Möglichkeit bestand, ruhende Bälle zu üben, will Schiele freilich nicht gelten lassen. Andere Mannschaften bekommen es ja auch hin. Der Kickers-Trainer, über dessen Zukunft „am Dalle“ nach Beendigung der Saison immer noch keine Klarheit herrscht, weiß, dass Standards „am Ende entscheidend sein können“.

Mit acht Wechseln überrascht

Sicher wird Michael Schiele am Samstag dann die ersten Wechsel in der Startformation vornehmen, um die hohe Belastung durch die vielen Spiele auf möglichst alle Schultern zu verteilen. Gegen Magdeburg begann er noch mit derselben Elf wie gegen Meppen. Zum Vergleich: Kollege Wollitz hatte seine Anfangsmannschaft im Vergleich zum ersten Spiel nach dem „Restart“ gegen Kaiserslautern (0:1) gleich auf acht Positionen verändert – und damit auch die Würzburger überrascht. „Jeder, der sagen würde, das sei keine Überraschung, würde lügen“, so Schiele zur Aufstellung des Gegners.

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Am Samstag steht in München also wieder so ein Schlüsselspiel für die Kickers an. Man darf gespannt sein, ob sie dann die These Lanigs einmal widerlegen können . . .

Ressortleitung Leiter der Redaktionen Buchen und Sport