Fußball - Die Würzburger sind in der 2. Bundesliga erst jetzt konkurrenzfähig, weil sich das personelle Wirrwarr langsam auflöst / Klarere Strukturen in der Führung So viele Punkte brauchen die Kickers noch

Von 
Michael Fürst
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Wenn man dem 0:0 gegen Eintracht Braunschweig auf Würzburger Seite etwas Positives abgewinnen kann, dann ist es die Erkenntnis, dass die Kickers jetzt konkurrenzfähig erscheinen in dieser 2. Fußball-Bundesliga. Drei Spiele in Folge sind sie nun ungeschlagen, blieben am Freitagabend erstmals in dieser Saison ohne Gegentor (wir berichteten). „Auf jeden Fall“, so Trainer Bernhard Trares, habe seine Mannschaft erneut Fortschritte gemacht. Aber er verschwieg die andere, die harte Wahrheit auch nicht: „Mit zwei Mann mehr musst du ein Tor machen, da musst du killen“, sagte der FWK-Coach etwas martialisch.

An der Chancenverwertung haperte es am Freitag. Deshalb gewannen die Kickers gegen Braunschweig nicht und mussten sich trotz doppelter Überzahl mit einem 0:0 begnügen. Dieser Kopfball von Dominic Baumann ging an den Pfosten. © Frank Scheuring
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Ja, es hätten zwei Punkte mehr sein müssen, schließlich spielte man etwa 30 Minuten mit zwei Mann mehr. Doch es fehlte vor allem in der Schlussphase der letzte Wille, diese eine Idee und auch ein wenig das Glück – Baumann und Feltscher trafen jeweils nur das Torgestänge. Als die Braunschweiger nur noch hinten drin standen, wurde auf Würzburger Seite auch ein Spieler vermisst, der mal eine Eins-gegen-eins-Situation gefährlich auflösen konnte. Lotric fehlte nach Corona-Erkrankung noch die Kraft dazu, Hasek war – naja – nach seiner Einwechslung eigentlich gar nicht auf dem Platz.

Kickers-Splitter

Wechsel: Nach Medienberichten steht Linksverteidiger Leroy Kwadwo vor einem Wechsel von Würzburg zu Dynamo Dresden. Der 24-Jährige wurde zuletzt von Trainer Bernhard Trares nicht mehr berücksichtigt.

„Wulle“: Am Zaun des B-Blocks, also dort, wo normal die Ur-Kickers-Fans stehen, hing am Freitag ein Plakat, mit dessen Schriftzug sich die FWK-Anhänger beim ausgeschiedenen Torwart-Trainer Robert Wulnikowski bedankten: „Ein Kickersheld geht. Danke Wulle!“ Er war an zwei Aufstiegen der Kickers beteiligt. Bereits im Sommer wurde über die Position des Torwarttrainers nachgedacht. Wulnikowski durfte aber bleiben. Umso überraschender kam die Trennung jetzt. Marco Langner ist neuer Coach der Keeper (wir berichteten).

Wichtig: Das nächste Spiel bestreitet Würzburg am Samstag, 23. Januar, um 13 Uhr in Paderborn. mf

Doch zurück zur Kern-Erkenntnis der zurückliegenden Wochen: Die Kickers sind jetzt konkurrenzfähig. Die Frage drängt sich auf: Warum erst jetzt? Die Antwort ist recht einfach: Wegen eine völlig verkorkste Personalpolitik. Die fängt auf der Trainerposition an: Deren drei Übungsleiter sind es schon während dieser Saison. Waren „die Macher“ beim FWK von Aufstiegstrainer Michael Schiele wirklich schon zum Ende der Drittliga-Saison nicht mehr überzeugt, hätte man ihn im Sommer entlassen müssen und nicht nach zwei Spieltagen. Marco Antwerpen war ein Fehlgriff, das hat zumindest Felix Magath eingestanden. Was Bernhard Trares wirklich kann, wird man erst in den kommenden Wochen sehen; der jüngste Aufschwung ist nicht ausschließlich ihm, sondern auch des höheren Potenzial des Personals zuzuschreiben.

Und zur Trainerthematik gehört nicht nur der Chefcoach. Antwerpen und Trares brachten jeweils neue Co-Trainer mit; Matthias Lust, vor der Saison eigentlich als Co verpflichtet, ist wieder gegangen; und von Torwart-Coach Robert Wulnikowksi hat man sich mitten in der Saison getrennt. Das sieht alles doch sehr unkoordiniert aus.

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Unkoordiniert ist auch die Mannschaftszusammenstellung. Die Neuzugänge Flecker und Staude sind schon wieder aussortiert. David, Nikolov, Kraulich können sportlich bisher überhaupt nicht mithalten. Giefer, Ewerton, Douglas, Toko und Munsy sind allenfalls Mitläufer. Als Verstärkungen aus der ersten Transferperiode sind bisher lediglich Kopacz und Feick, mit Abstrichen auch Lotric und Dietz zu sehen. Was Keeper Bonmann und Stürmer Maierhofer können, ist noch nicht genau zu beurteilen. Die neuen Profis, die jetzt im Januar kamen, deuten an, dass sie Verstärkungen sind, man kann es aber nach drei Spielen noch nicht abschließend beurteilen. Doch Pieringer, Feltscher und Strohdiek sind sicher Gründe dafür, dass die die Kickers eben erst jetzt konkurrenzfähig sind.

Magath machte Wallung

Dass die Quote der Verstärkungen so mies ist, muss man auch darauf zurückführen, dass lange nicht klar war (und vielleicht immer noch ist), wer das Sagen fürs Sportliche im Verein hat. Felix Magath, mittlerweile ein Jahr „im Amt“, hat alleine mit seiner Präsenz einiges in Wallung gebracht. Mit der Entlassung Schieles war plötzlich der Mann weg, der eigentlich für den Kader-Bau zuständig war. Daniel Sauer, bis dato als Sportdirektor geführt, stand dann etwas verlassen da. Magath sah sich gezwungen, mehr als gewünscht ins operative Geschäft einzugreifen. Es entstand nun mehr eine Art Transfer-Aktionismus als überlegte Neuverpflichtungen. Nebenbei wurde Sebastian Schuppan als neuer Vorstand Sport inthronisiert. Wer hatte eigentlich zu diesem Zeitpunkt was zu entscheiden?

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Jetzt, seit Schuppan offiziell im Amt ist, Sauer sportlich weniger zu sagen hat und Magath wieder aus dem Hintergrund wirkt, so wie es eigentlich vorgesehen war, scheint sich einiges zum Besseren zu wenden – was vor allem die jüngsten Neuzugänge zeigen. Für alle Kickers-Fans bleibt zu hoffen, dass die verspätete Konkurrenzfähigkeit der Mannschaft nicht zu spät hergestellt wurde.

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Fußball ist zwar keine Mathematik, doch wie schwer der Weg zum Klassenerhalt noch ist, zeigt diese Rechnung: Punkten die Kickers so weiter, haben sie am Ende der Saison etwa 19 Punkte. Das wäre der sichere Abstieg. In den vergangenen zehn Jahren benötigte man im Schnitt 37 Punkte (36,8) zum sicheren Klassenerhalt (davon zweimal 40, einmal reichten 33). Um auf 37 Zähler zu kommen, müssen die Kickers noch 28 Zähler aus 18 Spielen holen; das sind 1,5 Zähler im Schnitt; bisher waren es 0,5. Konkurrenzfähig sein alleine reicht also lange nicht aus. Die Kickers müssen noch deutlich besser werden, um den Ligaverbleib realisieren zu können.

Ressortleitung Leiter der Redaktionen Buchen und Sport