Fußball - Das 2:1 gegen Düsseldorf zeigt, dass die Kickers konkurrenzfähig werden / Es ist aber schon so viel passiert, dass es im Grunde bereits für zwei Abstiege reicht So kann der FWK bis zum Schluss hoffen

Von 
Michael Fürst
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Hier schießt Ridge Munsy den Siegtreffer für Würzburger gegen Düsseldorf. Zusammen mit Marvin Pieringer stellt er aktuell ein gefährliches Sturmduo bei den Würzburger Kickers, das die Hoffnung auf den Klassenerhalt aufrecht erhält. © Frank Scheuring

Schnell machten am Freitagabend nach dem überraschenden 2:1-Sieg der Würzburger gegen Düsseldorf in der 2. Fußball-Bundesliga (wir berichteten) die Worte „Trendwende“ und „Initialzündung“ die Runde. Doppeltorschütze und Matchwinner Ridge Munsy meinte sogar: „Wir können jeden schlagen.“ Aber der Schweizer mit kongolesischen Wurzeln weiß zudem: „Wir müssen auch einmal ein paar Siege aneinander reihen.“

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Das ist mit Blick auf den immer noch immensen Rückstand zum rettenden Ufer (sieben Punkte) auf jeden Fall richtig. Schaut man allerdings auf die kommenden vier Gegner ist das äußerst unrealistisch, denn: Würzburg spielt nun hintereinander gegen die Top-Vier der Tabelle – in Fürth, daheim gegen den HSV, in Kiel und in Bochum.

Fakt ist: Die Mannschaft der Kickers ist jetzt konkurrenzfähig und hat sich in allen Mannschaftsteilen stabilisiert: Im Tor strahlt Hendrik Bonmann mehr Sicherheit als Fabian Giefer aus. Christian Strohdiek ist nun der Turm der Viererkette; im Mittelfeld hat sich die Raute mit einem Sechser (Daniel Hägele) durchgesetzt, und vorne hat Trainer Bernhard Trares nun mit Munsy/Pieringer das optimale Sturmduo gefunden. „Wir sind kompatibel“, sagt Munsy, der selbst den „Tiefgang“ präferiert, sein Partner Pieringer die spielerischen Akzente mitbringt und zudem mit dem Rücken zum gegnerischen Tor seine Stärken besitzt.

Den Funken Hoffnung auf den ersten Klassenerhalt in der 2. Bundesliga werden die Kickers mit diesem Kader bis zum Schluss am Glimmen halten können. Allerdings muss man sich „am Dalle“ auch eingestehen, dass während der laufenden Saison im Grunde schon so viel passiert ist, dass es für zwei Abstiege reichen würde – was der folgende Überblick zeigt:

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1. Spieltag: Nach dem 0:3 gegen Aue gibt Daniel Hägele seine Kapitänsbinde ab.

2. Spieltag: Robert Herrmann verschießt in der Nachspielzeit in Düsseldorf einen Elfmeter. Es wäre das 1:1 gewesen.

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Trainerwechsel 1: Aufstiegstrainer Michael Schiele wird beurlaubt; es folgt Marco Antwerpen.

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3. Spieltag: In der Nachspielzeit kassiert Würzburg gegen Fürth noch das 2:2. Der vorangegangene Eckball war unberechtigt.

Negativserie: Es folgen vier Niederlagen in Serie.

7. Spieltag: Nach dem 1:4 in Heidenheim schimpft Felix Magath öffentlich und laut gegen die nach seiner Sicht zu vielen Fehlentscheidungen gegen die Kickers. Er fragt: „Will man uns überhaupt in der Liga haben?“ Zudem spricht er Marco Antwerpen das Vertrauen aus.

Trainerwechsel 2: Doch kein Vertrauen: Marco Antwerpen muss gehen; Bernhard Trares übernimmt.

Wechsel in der Führung: Aufstiegsheld Sebastian Schuppan wird offiziell als neuer „Vorstand Sport“ vorgestellt. Der Vorstandsvorsitzende Daniel Sauer verliert damit das Ressort „Sport“.

Zehnter Spieltag: Bei der Rückkehr von Michael Schiele als Trainer des SV Sandhausen verlieren die Kickers 2:3. Es ist auch eine prestigeträchtige Niederlage.

11. Spieltag: Die Kickers unterliegen in Nürnberg 1:2 – der Siegtreffer für den „Club“ fällt nach einer Ecke in der zweiten Minute der Nachspielzeit.

12. Spieltag: Corona-Fälle bei den Kickers. Die Begegnung gegen St. Pauli muss am Spieltag abgesagt werden. Es war nur ein Physiotherapeut im Einsatz, der 14 Spieler infizierte.

13. Spieltag: Würzburg muss mit einem 14-Mann-Kader in Darmstadt ran. Torhüter Eric Verstappen wird als Feldspieler eingewechselt. Der FWK verliert 0:2 und legt Protest ein, dieser wird abgewiesen.

Weitere Personalveränderungen: Co-Trainer Matthias Lust verlässt auf eigenen Wunsch den Verein. Keanu Staude wird freigestellt.

14. Spieltag: Trotz 30-minütiger Überzahl verlieren die Kickers 2:4 gegen den KSC.

15. Spieltag: 1:1 im Nachholspiel und Kellerduell gegen St. Pauli. Der FWK führt, spielt eine Hälfte lang in Überzahl und kassiert noch den Ausgleich – ausgerechnet durch den Ex-Würzburger Rico Benatelli.

Noch ein Trainer weg: Torwartcoach Robert Wulnikowski verlässt den Verein und wird durch Marco Langner ersetzt. Torwarttrainer-Wechsel in der Saison: Sehr ungewöhnlich.

16. Spieltag: 0:0 gegen den Mit-Abstiegskandidaten Eintracht Braunschweig. Knapp 30 Minuten spielte man mit zwei Mann mehr. Trotzdem gelingt kein Treffer.

18. Spieltag: Die Kickers müssen in Aue auf das Coaching von Trainer Bernhard Trares verzichten. Grund: Er hatte zuvor in Paderborn die Rote Karte gesehen.

Können die Kickers nach solchen „Einschlägen“ wirklich noch den Liga-Verbleib schaffen? Das jüngste 2:1 erhält zumindest die Hoffnung.

Ressortleitung Leiter der Redaktionen Buchen und Sport