Fußball - Nach dem geglückten Auftakt in Meppen empfangen die Würzburger Kickers schon heute den 1. FC Magdeburg / Alles den restlichen Spielen untergeordnet Schuppan fordert totale Professionalität

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Michael Fürst
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„Einen rausgehauen“ haben die Würzburger Kickers (in Gelb) beim Drittliga-Wiederbeginn in Meppen. Sebastian Schuppan (r.) fordert nun nachzulegen. © Frank scheuring

Die Stimmung im Training am Pfingstsonntag sei, so berichtete Sebastian Schuppan in einer Videokonferenz für Medienvertreter, „gut, aber nicht überschwänglich“ gewesen. Der Kapitän wollte den 3:1-Erfolg der Würzburger Kickers beim SV Meppen zum Wiederbeginn des Drittliga-Spielbetriebs nicht kleinreden, aber auch nicht überbewerten: „Wir waren gut, oft wacher als Meppen. Ich sehe vor allem zwei gute Sachen: Wir haben drei Punkte geholt und noch deutlich Luft nach oben.“

Drei Fakten zum nächsten Gegner des FC Würzburger Kickers: 1. FC Magdeburg

Ausgangslage: „Als Spieler hast du jetzt die Riesenchance, innerhalb von wenigen Wochen große Eigenwerbung zu betreiben. Auch als Mannschaft kannst du jetzt etwas aufbauen, wofür du sonst mehrere Monate benötigst. Ich denke grundsätzlich immer positiv und freue mich darauf zu sehen, wie jeder Einzelne diese Situation annimmt. Gerade unter Druck zeigt sich der wahre Charakter“, blickt Magdeburgs Sportchef Mike Franz auf die kommenden Wochen voraus. Zudem verteidigt der 38-Jährige die Forderung seines Vereins nach einem Saisonabbruch: „ Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind ein Hauptargument. Aus sportlicher Sicht war und ist die Wettbewerbsgleichheit der entscheidende Punkt. Es wird uns ja gern als Rumjammern und Ausrede ausgelegt, nur halten wir doch bitte mal fest, dass das alles ganz anders aussähe, hätten alle eine annähernd gleiche Vorbereitungszeit. Wir sind Teil der Gesellschaft und stellen uns nicht über sie. Dass wir dafür angegangen wurden, fand ich schon befremdlich und respektlos.“

Einstellung: Gleichzeitig appelliert Mike Franz an die Einstellung der Spieler und zieht dabei auch einen Vergleich zur dänischen Nationalmannschaft von 1992: „Am Ende wird die Einstellung zu der Gesamtsituation entscheiden. Hier brauchst du ein funktionierendes Team, auch im Team hinter dem Team. Ein gutes Beispiel ist die dänische Nationalmannschaft von 1992: Die kamen acht Tage vor der EM als Ersatz für Jugoslawien aus ihrem Urlaub zusammen und sind überraschend Europameister geworden. Ich habe mir kürzlich eine Doku dazu angeschaut, weil wir uns in einer ähnlichen Situation befinden.“ Ähnliche Worte wählt auch Magdeburgs Trainer Claus-Dieter Wollitz: „Es geht jetzt noch mehr als sonst um Einstellung und Teamgeist. Gerade jetzt brauchen wir Spieler, die Verantwortung übernehmen und dieser Situation gewachsen sind. Denn es geht jetzt um die gemeinsame Sache für die Zukunft des Clubs. Da wird sich zeigen, welche Spieler aus dieser Situation im unteren Tabellenbereich unbedingt herauskommen wollen.“

Misslungen: Viermal hatte der 1. FC Magdeburg vor dem Re-Start in die 3. Liga als komplette Mannschaft trainieren können. Im Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserlautern musste sich der FCM mit 0:1 geschlagen geben. Dabei gingen die Roten Teufel früh in Führung. Danach dominierte zwar die Heimmannschaft das Spiel, nutzte jedoch eine Reihe von guten Tormöglichkeiten nicht. Zudem scheiterte Jurgen Gjasula vom Elfmeterpunkt an FCK-Schlussmann Lennart Grill (69.). „Mir tut es für die Mannschaft leid. Wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft, aber haben uns nicht belohnt“, ärgerte sich der Magdeburger Defensivspieler über seinen Fehlschuss und das Ergebnis. Durch die neunte Saisonniederlage belegen die Elbstädter aktuell nur dank der besseren Torfdifferenz einen Nichtabstiegsplatz. pati

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Steigern müssen sich die Kickers schon heute, denn ab 19 Uhr ist der 1. FC Magdeburg zu Gast in der „Flyeralarm-Arena“. Zuschauer sind dabei wegen der Corona-Krise, und das bis zum Saisonende, nicht gestattet. „Magdeburg hätte gegen Kaiserslautern gewinnen müssen“, weiß Sebastian Schuppan. Er verweist bei den Stärken des Gegners vor allem auf die Wucht im Angriff – mit Christian Beck und Sören Bertram. Bei den Würzburger Kickers sind Saliou Sané, Luke Hemmerich und Dominik Meisel weiter angeschlagen und haben am Sonntag individuell trainiert; dafür übte Jonas David wieder mit der Mannschaft.

FWK-Trainer Michael Schiele wird im anstrengenden Liga-Schlussspurt (noch zehn Spiele bis 4. Juli) jeden Mann benötigen. „Es ist gut, wenn man von der Bank nachlegen kann“, sagte auch Sebastian Schuppan und spielte damit vor allem auf Robert Herrmann an. Er ist eigentlich ein Startelf-Akteur, sah sich am Samstag aber plötzlich als Auswechsel-Spieler wieder, kam rein und traf gleich doppelt (siehe Spielbericht). „Er hat seine Chance genutzt. Es war ein Wink für die anderen Spieler. Wenn man reinkommt, muss man gleich da sein“, sagte Trainer Michael Schiele nach dem Spiel in Meppen.

„Siegerbier“ ist verboten

Eine große funktionierende Gruppe wird notwendig sein, wenn die Würzburger Kickers weiter im Aufstiegsrennen zur 2. Bundesliga mitmischen möchten. Kapitän Schuppan fordert im anstrengenden Liga-Endspurt hierbei von seinen Teamkollegen die totale Professionalität. „Wir haben das in der Mannschaft angesprochen. Wir müssen nun alles dem sportlichen Erfolg unterordnen. Ein Siegerbier wird es nicht geben. Das wirft einen in der Regeneration um Stunden zurück. Und keiner braucht am Main rumzuliegen und sich in der Sonne zu aalen. Kein Fastfood, nichts“, sprach „Schuppi“ deutliche Worte. Kurios ist hierbei: Robert Herrmann hatte sich im „Magenta-Interview“ direkt nach dem Spiel und seinen beiden Treffern auf die „Kiste Bier, bereitgestellt vom Busfahrer“ gefreut. Die gab es allerdings nachweislich nicht auf der langen Rückfahrt nach Würzburg.

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Das Thema Regeneration ist in Corona-Zeiten nochmals ein ganz spezielles. So dürfen die Spieler aufgrund der Hygiene-Vorschriften beispielsweise nicht in die altbewährte Eistonne. „Es ist sehr viel Disziplin gefragt. Wir müssen uns komplett am Riemen reißen“, fordert der Spielführer. Am Ende könne das bisschen Mehr an Professionalität den minimalen Unterschied ausmachen, ob man nun knapp über oder unter dem Strich stehe.

Auch aus diesem Grund sind etwaige Vertragsverhandlungen von Spielern, deren Verträge am 30. Juni auslaufen (es sind immerhin 13), auch ausgesetzt. „Das ist alles hinten angestellt. Wir wollen uns nur aufs Sportliche konzentrieren. Das hat jeder verstanden“, so Schuppan.

Entscheidung noch nicht gefallen

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Er selbst gehört auch zu den Profis, deren Kontrakt am Saisonende ausläuft. Für den 33-Jährigen ist klar, dass er keinesfalls woanders noch einmal spielen wird. Entweder er hängt bei den Kickers noch eine Saison dran oder er beendet seine Karriere. „Ich bin noch nicht zu einer Entscheidung gekommen“, sagte er auf FN-Nachfrage. Nun sei er erst einmal heiß darauf, weiter Punkte zu holen mit den Würzburgern.

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Gelingt das schon heute Abend gegen Magdeburg, wird das Stimmungsbarometer unweigerlich weiter steigen – und zudem die Kickers-Kurse im Aufstiegsrennen zur 2. Bundesliga…

Ressortleitung Leiter der Redaktionen Buchen und Sport