Fußball - Das Spiel gegen Hannover 96 zeigt den Kickers die Defizite deutlich auf, doch die waren eigentlich schon bekannt „Positiv ist das, was nicht so gut war“

Von 
Michael Fürst
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Entscheidende Zentimeter fehlten den Würzburger Kickers nicht nur hier in Person von Danie Hägele vor dem 0:2, sondern in weit mehr Situation während des DFB-Pokalspiels am Montag gegen Hannover. Es gibt noch viel Arbeit. © Frank Scheuring

Im Grunde war es gar nicht so schlimm, dass die DFB-Pokal-Erstrundenbegegnung zwischen den Würzburger Kickers und Hannover 96 erneut vor leeren Rängen stattfand. Man musste das Spiel nämlich gar nicht gesehen haben, um die offensichtlichen Defizite des FWK aufzählen zu können. Sie waren schon vor dem Spiel bekannt und wurden durch die gut 95 Pokalminuten nur noch einmal belegt. „Wir haben noch viel Luft nach oben. Wir haben noch einiges zu tun“, erkannte auch Trainer Michael Schiele nach dem 2:3 und dem damit verbundenen Ausscheiden (wir berichteten).

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Das Spiel war quasi ein Hilfeschrei nach weiteren personellen Verstärkungen. Felix Magath, der die Partie wieder von „seinem Stehplatz“ vor dem „club 11“ verfolgte, wird diesen schallend vernommen haben. In der Hintermannschaft haben die Kickers das Problem, dass die mit so vielen Vorschusslorbeeren bedachte Abwehrkante Douglas seinen Trainings- und Wettkampf-Rückstand während der fünfwöchigen Vorbereitung noch nicht aufgeholt hat und deshalb nicht in der Startformation stand. So bildeten Leroy Kwadwo und Daniel Hägele die Innenverteidigung. Auffallend war, dass ausgerechnet der neue Kapitän Daniel Hägele Probleme hatte – sowohl in Sache Geschwindigkeit als auch im Stellungsspiel. Seine Spieleröffnungen waren allerdings ordentlich. „Wir haben die Gegentore zu leicht hergegeben“, empfand Tobias Kraulich, der Neuzugang, der vor der Abwehr spielte.

Vakuum im Zentrum

Und diese Personalie zeigt das Defizit im Mittelfeld auf: Kraulich hat die Position des „Sechsers“ in der Vorbereitung zwar mehrfach bekleidet, ist aber ein gelernter Innenverteidiger. Schiele hatte bereits im Trainingslager Verstärkungen fürs Mittelfeld gefordert: „Wichtig ist, dass wir für den zentralen Bereich noch einen Mann bekommen.“ Dieser Satz stammt vom 25. August. Getan hat sich noch nichts. Wie groß die Not bei der Aufstellungsgestaltung war, zeigt auch die Tatsache, dass Stürmer Dominic Baumann „rechts offensiv“ spielte. Dort wirbelte einst Fabio Kaufmann und ballerte die Flanken in den „Sechzehner“. Für ihn ist Florian Flecker geholt worden, doch auch er wurde am Montag erst eingewechselt.

Im Angriff ging, nun ja, nichts! Saliou Sané war zwar viel unterwegs, strahlte aber gar keine Torgefahr aus. „Im letzten Drittel müssen wir zielstrebiger sein“, empfand Tobias Kraulich. Luca Pfeiffer, der in der 3. Liga torgefährlichste Angreifer der Kickers, kam erst nach einer Stunde Spielzeit aufs Feld. Ob die bulgarische Neuverpflichtung Vladimir Nikolov die richtige Verstärkung für die Offensive ist, durfte er nicht zeigen. Kurzum: Es holperte deutlich mehr bei den Würzburgern als dass etwas harmonierte.

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Das ist aktuell nicht dramatisch, weil es den Verantwortlichen ganz klar aufzeigt, wo der Hase im Pfeffer liegt. Deshalb sagt Trainer Schiele auch korrekt: „Positiv ist das, was nicht so gut war.“ Und es war ja per se auch nicht so, dass man den gesamten Auftritt des FC Würzburger Kickers in die Tonne treten musste. „Wir waren ganz gut mit Ball“, stellte der Coach berechtigt fest, um allerdings gleich anzufügen: „Aber das reicht nicht.“ Es war nun einmal ein Ballbesitz in Räumen weit weg vom gegnerischen Tor.

Auch der kommende Heimspielgegner Erzgebirge Aue hat vor dem Zweitliga-Auftakt am Samstag, 19. September, 13 Uhr, einen Pokal-Fehlstart hingelegt, und zwar mit dem Aus beim Südwest-Regionalligisten SSV Ulm einen noch viel schlimmeren als die Würzburger. Beide wollen und müssen am Samstag also wieder etwas zurechtrücken…

Ressortleitung Leiter der Redaktionen Buchen und Sport