Fußball, 2. Bundesliga - Schon morgen treten die Würzburger Kickers im Heimspiel gegen Hannover 96 an / Hollerbach lobt Fröde / Hoffnung bei Neumann und Königs Lösungen im letzten Drittel benötigt

Von
Michael Fürst
Lesedauer:

Kickers-Winter-Neuzugang Lukas Fröde (Nr. 13) zeigt sich nach der Länderspielpause stark verbessert. Trainer Bernd Hollerbach glaubt, dass er auf Sicht gesehen auch das Zeug zum Führungsspieler hat - wie dieses Bild deutlich belegt.

© Frank Scheuring

Aufgeräumt, aufgeschlossen und sehr auskunftsfreudig war Bernd Hollerbach gestern. Das Dienstags-1:1 hat nicht nur die Laune des Trainers steigen lassen, sondern auch beim Team den Glauben gestärkt, diese Zweitliga-Saison tatsächlich mit dem Klassenerhalt zu beenden.

Drei Fakten zum nächsten Gegner des FC Würzburger Kickers: Hannover 96

Aufstiegsdruck: "Ich kann unseren Abstieg aus der Bundesliga bis heute nicht akzeptieren. Aber er war auch berechtigt, weil wir Fehlentscheidungen getroffen haben. Trotzdem ist der direkte Wiederaufstieg für uns alternativlos." Mit diesen Worten bekräftigte unlängst Martin Kind die Ambitionen der Niedersachsen: 96 will sofort zurück in die Bundesliga. Die Hannoveraner haben mit einem Marktwert von 32,15 Millionen Euro den zweitteuersten Kader der 2. Bundesliga. Lediglich der VfB Stuttgart leistet sich mit 41,90 Millionen Euro eine noch teurere Mannschaft. Martin Kind sagt: "Keine Frage. Ein zweites Mal könnten wir Verluste wie in dieser Saison nicht vertreten. Da müsste dann der Haushalt für die kommende Saison deutlich reduziert werden." Zum 30. Juni dieses Jahres rechnen die 96-Verantwortlichen mit einem Minus von rund zehn Millionen Euro.

Personalwechsel: Um die angestrebten Ziele zu erreichen, verpflichtete Hannover 96 mit Horst Heldt (51) und André Breitenreiter (43) gleich zwei neue Führungsfiguren im sportlichen Bereich. Beide hatten bereits in der Saison 2015/2016 bei Bundesligist Schalke 04 zusammengearbeitet. Gehen mussten dafür Geschäftsführer Martin Bader, der sportliche Leiter Christian Möckel und Cheftrainer Daniel Stendel. Diese Maßnahmen zeigen, dass der Weg der Niedersachsen klar vorgegeben ist. Das belegen auch die Worte von Horst Heldt: "Hier ist immer Druck vorhanden. Den werden wir uns auch nicht nehmen können, weil wir alle dieses gemeinsame Ziel verfolgen, am Ende der Saison aufzusteigen." Ähnlich sieht das auch André Breitenreiter: "Wir alle sind der Meinung, dass die Mannschaft große Qualität hat, um in die erste Liga aufzusteigen."

Aufstiegsrennen: André Breitenreiter erwischte einen Traumeinstand, denn gleich im ersten Spiel unter seiner Leitung wurde mit Union Berlin ein direkter Konkurrent im Kampf um den Bundesliga-Aufstieg mit 2:0 bezwungen. Obendrein wurde auch das zweite Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg mit 1:0 gewonnen. Damit haben die Roten nun 52 Punkte auf ihrem Konto und scheinen somit rechtzeitig vor dem Saisonendspurt in Fahrt zu kommen. Dazu müssen mit Eintracht Braunschweig (15. April) und dem VfB Stuttgart (14. Mai) gleich zwei Mitkonkurrenten noch in Hannover antreten. Trotzdem mahnt Martin Harnik vor der Partie in Würzburg: "Nun wollen wir erst einmal die Woche mit einem Sieg in Würzburg vergolden. Denn dort erwartet uns sicherlich ein intensives Spiel." Hannover gelangen in dieser Saison erst vier Auswärtssiege. pati

AdUnit urban-intext1

Freilich: Die Kickers haben nicht eines der vergangenen zehn Spiele gewonnen. Die Kickers sind weiter das schlechteste Rückrundenteam der der aktuellen Saison. Die Kickers haben während dieser jüngsten zehn Begegnungen mit 15 Gegentoren schon so viele kassiert wie in der kompletten Vorrunde. Die Liste des Negativen ließe sich vor dem morgigen Heimspiel gegen Hannover 95 (Anpfiff 18.30 Uhr) noch eine Weile fortsetzen. Doch Lukas Fröde brachte es bereits kurz nach dem Schlusspfiff in Karlsruhe auf den Punkt: "Wir haben einen Super-Teamgeist; die Mannschaft ist absolut intakt." Und Bernd Hollerbach fügte gestern an: "Der Charakter der Mannschaft ist top."

All jenen, die das 1:1 beim Letzten in Karlsruhe nur rein ergebnistechnisch betrachten, denen sei gesagt, dass es eben ein anderes 1:1 war als die bisherigen drei in dieser Rückrunde. Gegen Braunschweig, Greuther Fürth und Bielefeld führten die Kickers nämlich jeweils, beim KSC waren sie es, die den Ausgleich erzielten. Der Punkt ist für die Moral also mehr wert als für die Tabelle.

Klar, alleine mit Moral und Respektbekundungen lässt sich die Klasse nicht halten. Dazu gehören logischerweise auch fußballerische Qualitäten. "Wir haben gute Ansätze gezeigt", empfand Lukas Fröde in Karlsruhe. Das sah auch sein Trainer so: "Die Art und Weise, wie wir versucht haben, Fußball zu spielen, macht mich zuversichtlich." Dies lässt sich auch gut an der Person Fröde beschreiben: Der Neuzugang, der im Winter aus Bremen kam, zeigt sich nach der Länderspielpause stark verbessert. Das freut auch den Trainer: "Er ist sehr präsent. Er hat ein bisschen gebraucht, weil er nicht den Spielrhythmus hatte. Er hat das Zeug zum Leader."

Neumann trainiert wieder

AdUnit urban-intext2

Die eklatanteste Schwäche werden die Kickers im letzten Saisonviertel sicher nicht komplett abstellen können. Der FWK, und das offenbarte das Spiel beim KSC ganz offensichtlich, hat arge Probleme, sich im letzten Spieldrittel durchzusetzen. "Wir haben wieder Videoanalyse gemacht und den Spielern neue Lösungen mitgegeben", sagte Hollerbach. Problem: Mit Rico Benatelli fällt morgen der Spieler aus, der die jüngsten beiden Tore für den FWK erzielte. Er sah am Dienstag "Gelb-Rot" (Hollerbach: "Ein Witz") und ist gesperrt. Hoffnung gibt es bei Sebastian Neumann und Marco Königs. Beide trainierten gestern wieder mit. Tobias Schröck indes lief noch alleine.

Unmittelbar nach dem Spiel gegen Würzburg wurde beim KSC mit Mirko Slomka der elfte Trainer dieser Zweitliga-Saison entlassen. Bernd Hollerbach muss sich da keine Sorgen machen. Auf seine Person beim FWK angesprochen, scherzte er gestern: "Da müssen Sie den Sportdirektor fragen. Ach so, das bin ich ja auch." Die Lockerheit ist zurück im Abstiegskampf bei den Kickers.

Ressortleitung Leiter der Redaktionen Buchen und Sport