Fußball - In der 2. Liga spricht derzeit nicht viel für den Klassenerhalt, dennoch gibt man sich in Würzburg noch längst nicht auf / Heute Heimspiel gegen Düsseldorf Kickers wollen Lebenszeichen senden

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Steffen Krapf
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„Irgendwo fehlt was“ bei den Kickers (im Bild Dominik Meisel nach dem 1:2 in Aue). © Frank Scheuring

Mit dem Satz „Der Januar könnte unser Monat werden“ hatte Bernhard Trares kurz nach Weihnachten seine Mannschaft vor dem Trainingsauftakt nach der kurzen Winterpause eingeschworen. „Ich hatte ein gutes Gefühl“, sagt der Cheftrainer der Würzburger Kickers jetzt, also kurz vor Monatsende. Die Ausbeute aus den bisher sechs Spielen des Monats lassen jedoch nicht den Schluss zu, dass den Kickers die angestrebte Wende gelungen ist. Einem Sieg und zwei Unentschieden stehen nach dem unglücklichen 1:2 unter der Woche in Aue drei Niederlagen gegenüber.

Drei Fakten zum Gegner des FC Würzburger Kickers: Fortuna Düsseldorf

Entwicklung: Trotz der Coronakrise sieht sich Fortuna Düsseldorf im finanziellen Bereich gut aufgestellt. Dabei profitiert die Fortuna auch von erhöhten TV-Geldern, die der Verein aufgrund seiner letzten Bundesligaspielzeit erhält. Genau eben jene Tatsche setzt den Verein in Sachen Wiederaufstieg aber auch unter zeitlichen Druck, was Vorstand Thomas Röttgermann zu bedenken gibt: „Nächste Saison würde es erheblich schwerer werden. Wir hätten weniger TV-Geld, weil wir jetzt noch von den Platzierungen der vergangenen Erstligasaisons profitieren. Wir müssten also schauen, anderweitig Geld zu verdienen, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben und unser Ziel Bundesliga zu erreichen.“ Größtes Faustpfand ist dabei die neue personelle Zusammenstellung und die damit neu installierte Hierarchie. Dementsprechend lobt F95-Cheftrainer Uwe Rösler die Entwicklung seiner Mannschaft: „Inzwischen haben wir eine gewisse Hierarchie und Stabilität im Team.“

Zukunftspläne: Seit September ist Klaus Allofs als Vorstand für Fußball & Entwicklung, Kommunikation und CSR, zurück bei seinem Heimatverein Fortuna Düsseldorf. Zuvor arbeitet der Europameister von 1980 unter anderem als Sportvorstand und Geschäftsführer beim SV Werder Bremen und beim VfL Wolfsburg. In dieser Zeit gewann Allofs mit seinen Clubs den DFB-Pokal und die Deutsche Meisterschaft. „Es ist immer Teamwork. Wer für sich in Anspruch nimmt, der alleinige Macher zu sein, der ist auf dem Holzweg“, so Allofs. Gleichzeitig setzt er sich ehrgeizige Ziele: „Mit jedem Jahr wird der Abstand zu den führenden Bundesliga-Klubs größer. Eine frühestmögliche Bundesliga Rückkehr ist daher anzustreben. Die nächsten Monate werden zeigen, ob wir den Weg, den wir als Verein gehen wollen, überhaupt gehen können. Und dann werde ich ganz persönlich bewerten müssen: Ist das hier möglich, was wir vorhaben? Denn ich sage ganz klar: Ich will Erfolg haben.“

Englische Woche: Bereits seit neun Ligaspielen ist die Fortuna ungeschlagen (6 Siege, 3 Unentschieden). Zuletzt erkämpfte sich die Rösler-Elf zum Rückrundenauftakt gegen den HSV ein 0:0. Damit festigten die Düsseldorfer mit nunmehr 32 Zählern den 5. Tabellenplatz. Nun steht mit der Auswärtspartie in Würzburg das erste Auswärtsspiel der Rückrunde an. „Es ist das Spiel in der Englischen Woche mit der kürzesten Vorbereitungszeit. Das dritte Spiel in einer Englischen Woche ist körperlich immer das schwerste. Wir wollen in Würzburg unbedingt nachlegen . Es wird für uns ein entscheidendes Spiel. Auch weil wir den Anspruch haben eine Spitzenmannschaft sein zu wollen“, blickt Uwe Rösler auf das Duell am Dallenberg voraus. Ähnliche Worte wählt auch Defensivspieler Andre Hoffmann: „Wir wollen diese Serie so lange wie möglich aufrechterhalten. Gegen Würzburg wollen wir auswärts aber jetzt wieder drei Punkte einfahren.“ pati

Rückstand nicht verringert

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Der Rückstand auf die Konkurrenz konnte nicht verringert werden – trotz der in den meisten Spielen über weite Strecken ansprechenden Leistungen der im Winter neuerlich verstärkten Mannschaft. Zum Abschluss der englischen Woche und des Januars, empfängt das Team von Bernhard Trares, der in Aue seine Rotsperre auf der Tribüne absitzen musste, am Freitag in der Würzburger „Flyeralarm“-Arena den seit neun Spielen ungeschlagenen Tabellenfünften Fortuna Düsseldorf.

„Wir müssen uns wieder neu aufrichten und brauchen einen guten Fokus auf das Spiel“, meint der 55-Jährige. Das Spiel in Aue sei analysiert und abgehakt: „Wir müssen die positiven Dinge rausziehen, dass wir dort hätten gewinnen müssen.“ Es gehe darum, „weiterhin permanent den Glauben aufrecht zu erhalten das nächste Spiel gewinnen zu können.“

„Irgendwo fehlt was“

Beim fast schon abgeschlagenen Ligaschlusslicht wird man nicht müde, immer wieder zu betonen, dass man konkurrenzfähig sei. „Wir sind nah dran, aber irgendwo fehlt was. Wir brauche einfach die Initialzündung“, so Trares.

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Immer wieder machen die „Rothosen“ ihren hohen Aufwand durch mitunter haarsträubende Fehler selber zunichte, wie beim 1:1 in Aue, als man sich nach einem eigenen Eckball plump auskontern ließ. Trares spricht dabei von einem „Blackout“ der Spieler, die in der Situation für die Absicherung nach hinten zuständig waren. Außerdem will er von der Tribüne aus und später auf „eigenen Bildern“ erkannt haben, dass beim Ausgleichstreffer eine Auer Angreifer im Abseits stand. „Der DFB wird das noch analysieren“, vermutet Trares, „und es dann unter den Teppich kehren.“

Lebenszeichen senden

Gegen Düsseldorf wird es – mal wieder in dieser Saison – darum gehen, ein Lebenszeichen von sich zu geben. Im Hinspiel, damals im letzten Spiel unter Aufstiegstrainer Michael Schiele, verloren die Kickers unglücklich mit 0:1. Jetzt, vier Monate, zwei Trainer, einer Vielzahl neuer Spieler und nur neun Punkte später, „ist gefühlt schon etwas entstanden, in dem wir jetzt auf Augenhöhe mit den Gegnern Fußball spielen können“, beschreibt es Bernhard Trares, der seit Anfang November im Amt ist. Ankreiden müssen man sich, dass es in den Spielen zuletzt nicht gelungen ist „den Deckel draufzumachen“, moniert der Coach. Gegen Aue etwa ließ seine Elf mehrere Chancen auf eine mögliche 2:o-Führung leichtfertig liegen.

Hasek in der Startelf?

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Beim nächsten Anlauf auf die erhoffte „Initialzündung“ muss der FWK auf die gelbgesperrten David Kopacz und Hendrik Hansen verzichten. Die Einsätze der Angeschlagenen Marvin Pieringer, Ewerton und Daniel Hägele waren am Donnerstag noch fraglich. Ein möglicher Kandidat für eine Startelfpremiere könnte der tschechische Mittelfeldspieler Martin Hasek sein. Der Winterneuzugang stand in seinen bisher drei Einsätzen erst insgesamt 46 Minuten auf dem Feld. „Er entwickelt sich permanent weiter und kriegt mehr Gefühl für die Mannschaft“, sagt sein Trainer.