Fußball - Felix Magath spricht im FN-Interview über die Aussichten der Würzburger Kickers, in die 2. Bundesliga aufzusteigen und über die Zukunft von Michael Schiele „Er könnte sowohl in der 3. Liga als auch in der 2. Bundesliga der Trainer sein“

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Michael Fürst
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Er zeigt die Richtung an: Nach vorne und möglichst nach oben soll es gehen. Nach Meinung von Felix Magath sollten die Würzburger Kickers die Chance ergreifen und so lange wie möglich um den Aufstieg in die 2. Bundesliga mitspielen. Die Mannschaft sieht er, auch dank Trainer Michael Schiele, dafür gewappnet. © Frank Scheuring

Seit Mitte Januar ist Felix Magath in seiner Funktion als Chef von „Flyeralarm Global Soccer“ mitverantwortlich für die sportlichen Geschicke des Fußball-Drittligisten FC Würzburger Kickers. Erstmals seit Beginn der Corona-Krise Mitte März äußerte sich der 66-Jährige nun im Video-Interview mit den Fränkischen Nachrichten zu den Aussichten des FWK, in die 2. Bundesliga aufzusteigen. In Sachen Vertragsverlängerung mit Trainer Michael Schiele hat er zwar noch immer keine Entscheidung verkündet; seine lobenden Worte über den Coach lassen allerdings darauf schließen, dass die Aktien Schieles auf einen Verbleib „am Dalle“ gestiegen sind. Aber auch über einen privaten Schicksalsschlag berichtet Magath.

Zahlenspiele

Keine Frage: Die Chancen der Würzburger Kickers, drei Jahre nach dem Abstieg aus der 2. Fußball-Bundesliga wieder ins Unterhaus zurückzukehren, sind nach dem 2:1-Auswärtssieg beim TSV 1860 München wieder enorm gestiegen. Wie gut der FC Würzburger Kickers vor dem „Geister-Heimspiel“ am Mittwoch gegen den FC Carl Zeiss Jena im Rennen um die 2. Bundesliga ist, zeigt ein Blick auf die Punktausbeuten der Aufsteiger und Relegationsteilnehmer der vergangenen fünf Jahre. Auch in der Relegation hat sich der Drittligist gegen den Zweitligisten oft genug durchgesetzt.

Aktueller Stand: Derzeit weisen die „Rothosen“ mit einer Punktausbeute von 47 Zählern einen Punkteschnitt von 1,57 Zähler pro Begegnung in dieser Saison auf (siehe Tabelle unten). Betrachtet man nur die Rückrunden-Tabelle, dann sind die Würzburger mit 21 Punkten (1,9 Zähler im Schnitt) hinter dem FC Bayern München II die zweitbeste Mannschaft. Nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Anschluss an die Corona-Pause haben die Kickers sogar 2,0 Punkte im Schnitt geholt.

Saison 2014/2015: 1. DSC Arminia Bielefeld (74 Punkte/Schnitt 1,95), 2. MSV Duisburg (71/1,87), 3. Holstein Kiel (67/1,76). Kiel verlor die Relegation zur 2. Bundesliga gegen den TSV 1860 München.

Saison 2015/2016: 1. SG Dynamo Dresden (78/2,05), 2. FC Erzgebirge Aue (70/1,84), 3. FC Würzburger Kickers (64 /1,68). Der FC Würzburger Kickers gewann die Relegation gegen den MSV Duisburg und stieg in die 2. Bundesliga auf.

Saison 2016/2017: 1. MSV Duisburg (68/1,79), 2. Holstein Kiel (67/1,76), 3. SSV Jahn Regensburg (63/1,65). Der SSV Jahn Regensburg entschied die Relegation gegen den TSV 1860 München für sich und stieg auf.

Saison 2017/2018: 1. 1. FC Magdeburg (85/2,23), 2. SC Paderborn (83/2,18), 3. Karlsruher SC (69/1,81). Die Kickers waren Fünfter mit 61 Punkten (1,61). Der Karlsruher SC verlor die Relegation gegen den FC Erzgebirge Aue.

Saison 2018/2019: 1. VfL Osnabrück (76/2,0), 2. Karlsruher SC (71/1,87), 3. SV Wehen Wiesbaden (70/1,84). Die Kickers waren Fünfter mit 57 Punkten (1,5). Der SV Wehen Wiesbaden entschied die Relegation gegen den FC Ingolstadt für sich und stieg in die 2. Bundesliga auf. mf

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Herr Magath, Sie haben die Würzburger Kickers beim jüngsten Spiel in München erstmals nach der „Corona-Pause“ live im Stadion gesehen. Welchen Eindruck haben Sie von der Mannschaft gewonnen?

Felix Magath: Mein Eindruck hat sich im Vergleich zu der Zeit vor der Pause nicht geändert: Ich habe ein sehr gutes Bild von der Mannschaft. Trainer Michael Schiele hat die Zeit der „Corona-Pause“ sehr gut überbrückt. Er hat die Weichen dafür gestellt, dass wir jetzt ein Team haben, das sich mit allen in der Liga während dieser schwierigen Englischen Wochen messen kann.

In welchem Bereich sehen Sie die größte Entwicklung, und in welchem Segment muss das Team noch am meisten zulegen, um bis zum Schluss im Aufstiegsrennen dabei zu sein?

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Magath: Ich habe von Beginn an betont, dass ich nicht bei den Kickers beschäftigt bin, sondern bei „Flyeralarm Global Soccer“. In dieser Funktion bin ich ständig in Kontakt mit Daniel Sauer (Vorstandsvorsitzender der Kickers AG, Anm. der Red.) und Michael Schiele. Sie sind verantwortlich dafür, dass die Mannschaft im letzten Saison-Drittel Kontakt zu den Aufstiegsplätzen hat. Das Saisonziel zu Beginn des Jahres, sich von den Abstiegsplätzen fern zu halten, würde ich nun als erreicht sehen. Die Mannschaft wirkt sehr stabil. Sie macht einen reiferen Eindruck als zu Beginn des Jahres. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Truppe diese Form bis zum Ende der Saison halten kann.

Sie haben den Trainer nun schon mehrfach für seine Arbeit gelobt. Was heißt das für seine Zukunft? Haben Sie den Kickers bereits die Empfehlung gegeben, seinen auslaufenden Vertrag zu verlängern, oder muss die Entscheidung in der Trainer-Frage weiter warten?

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Magath: Sie sprechen ein wichtiges Thema an. Ich habe von Beginn an gesagt, dass ich mir erst einen Überblick verschaffen muss, weil ich keinen Trainer anhand eines Spiels oder eines Trainings, das ich gesehen habe, beurteilen will. Das wäre mir zu oberflächlich. Jetzt kam aber die Corona-Krise, die natürlich auch die sportliche Situation bei den Kickers beeinflusst hat. Normalerweise liest man in dieser Zeit täglich über Transfers der Vereine. Im Moment lese ich aber nichts.

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Wenn man ein seriöser Arbeitgeber ist, kann man jetzt auch keine Entscheidungen treffen, weil man nicht weiß, ob diese Saison überhaupt zu Ende geführt wird, und wie es danach weiter geht. Das heißt auch für die Würzburger Kickers, dass es fahrlässig wäre, jetzt wichtige Beschlüsse zu fassen, ohne zu wissen, wie es in der Zukunft weiter geht. Und die Entscheidung, wer in der nächsten Saison Trainer der Kickers sein wird, ist für mich eine der wichtigsten für die Zukunft – und zwar nicht nur für die nächste Saison, sondern für die nächsten drei Jahre. Sie kann in dieser Situation allerdings noch nicht getroffen werden. Aber nochmal: Michael Schiele macht ein sehr gutes Training. Die Mannschaft ist körperlich in einem Top-Zustand.

Das heißt: Eine Entscheidung darüber, wer in der kommenden Saison Trainer der Kickers ist, wird definitiv erst nach dem Saisonende gefällt.

Magath: Ich möchte keinen Zeitpunkt nennen.

Ein anderer Ansatzpunkt wäre der, dass man sagt: Wir schaffen in diesen unsicheren Zeiten eine Basis mit Trainer und Führungsspielern, um darauf dann seriös aufbauen zu können. Ist für Sie solch ein Gedankenansatz völlig abwegig?

Magath: Wir wissen doch noch gar nicht, wo wir am Ende der Saison stehen und welche finanziellen Mittel wir zur Verfügung haben. Ich bin guter Dinge, dass wir Chancen haben, in diesem letzten Drittel der Meisterschaft eine sehr gute Rolle zu spielen. Das ist der Verdienst des Trainers.

Es ist doch so: Wenn alles läuft, dann lasse ich die Finger weg und lasse es laufen. Warum soll ich denn jetzt in Würzburg einen neuen Impuls setzen?

Ist eine Vertragsverlängerung des Trainers abhängig davon, in welcher Liga der FC Würzburger Kickers in der kommenden Saison spielt?

Magath: Michael Schiele könnte sowohl in der 3. Liga als auch in der 2. Bundesliga Trainer der Kickers sein. Es ist nicht so, dass er mit den Kickers die 2. Bundesliga erreichen muss, um einen neuen Vertrag zu bekommen.

Sind die Kickers für einen Aufstieg überhaupt gut genug aufgestellt?

Magath: Es gilt erst einmal festzuhalten, dass die Mannschaft ihr Saisonziel im Grunde schon erreicht hat. Ich habe aber den Eindruck, dass die Jungs angreifen wollen. Dieses Team lebt von seiner Homogenität, die Michael Schiele und Daniel Sauer geschaffen haben. Die Mannschaft ist eine Einheit und kann um den Aufstieg mitspielen, ohne auf jeder Position überdurchschnittlich gut besetzt zu sein.

Sie sind in Ihrer Funktion bei „Flyeralarm“ nicht nur für Würzburg, sondern auch für Admira Wacker Mödling in Österreich zuständig. Wenden Sie aktuell mehr Zeit für Mödling auf, weil die Mannschaft im Abstiegskampf der ersten österreichischen Bundesliga steckt?

Magath: Nochmal: Wenn es bei den Kickers doch rund läuft, muss ich mich dort nicht immer auf die Tribüne setzen und fotografieren lassen. Admira Wacker kämpft ums Überleben in der Liga, und es waren Entscheidungen zu treffen (unter anderem Trainerwechsel, Anm. d. Red.), die zuvor mit mir abgesprochen waren und die ich mittrage.

Im Moment bin ich mehr in Österreich. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass ich in Würzburg etwas versäumt hätte. In den letzten Tagen war ich aber auch privat etwas abgelenkt, weil meine Mutter einen Tag vor ihrem 95. Geburtstag gestorben ist. Ich bin der einzige Sohn und hatte deshalb viel zu regeln.

Daniel Sauer betont immer wieder, dass die Krise auch als Chance gesehen werden kann. Sehen Sie das genauso?

Magath: Jede Situation bietet Chancen, auch die in guten Zeiten. Die größten Fehler werden gemacht, wenn es gut läuft. Vielleicht erinnert man sich in Würzburg noch: Die Kickers standen nach einem 3:0-Heimsieg gegen den VfB Stuttgart zum Vorrunden-Ende auf dem Sprung in die Bundesliga… Die Chancen in diesen Corona-Zeiten müssen aber auch gesehen und gesucht werden.

Welches sind denn die nächsten Schritte, die die Kickers gehen müssen?

Magath: Im Moment geht es einzig darum, sich voll auf die nächste Partie gegen Jena (Mittwoch, 19 Uhr, Anm. d. Red.) zu fokussieren. Es geht nur um die Frage: Wie holen wir da die drei Punkte?

Man muss alles daran setzen, um das Ziel „2. Bundesliga“ im Auge zu behalten und nicht aus den Augen zu verlieren.

Ressortleitung Leiter der Redaktionen Buchen und Sport