Fußball - Einen Tag nach der Vorstellung von Bernhard Trares als dritten Trainer der Saison äußert sich der Kickers-Vorstandsvorsitzende Deshalb ist Daniel Sauer überzeugt

Von 
Steffen Krapf
Lesedauer: 

Mit der Außenwirkung eines Vereins kann es im Fußball ganz schnell gehen. Nach der zweiten Trainerentlassung nach erst sieben Spieltagen – das gelang zu diesem Zeitpunkt der Saison noch keinem Zweitligisten vor den Würzburger Kickers – schaut gefühlt ganz Fußball-Deutschland irritiert auf das Treiben beim in den vergangenen Jahren so solide auftretenden Verein aus Unterfranken. Versinkt der „Dalle“ im Chaos? Ist der Vereinsführung die Kontrolle entglitten? Die Macher der Kickers versuchen dieser Tage, nach der Vorstellung des dritten Trainers der laufenden Spielzeit, dem Ex-Mannheimer Bernhard Trares (wir berichteten), ein geordnetes und entschlossenes Bild zu vermitteln.

Daniel Sauer am Rande des ersten Trainings von Bernhard Trares: Der Vorstandsvorsitzende des FC Würzburger Kickers strahlt weiter Zuversicht aus, obwohl der Verein Zweitliga-Letzter ist. © Heiko Becker
AdUnit urban-intext1

Nach dem bereits Felix Magath, der als Head of Flyeralarm Global Soccer seit Januar im Klub mitwirkt, sich am Montag zur aktuellen Lage äußerte (wir berichteten), suchte auch der Vorstandsvorsitzende Daniel Sauer tags darauf das Gespräch mit der Presse. Ähnlich wie Magath zeigte auch Sauer klare Kante zum vollzogenen Trainerwechsel – wenn auch mit deutlich sanfteren Worten. „Es hatte einen Impuls gebraucht, der kam mit Marco Antwerpen nicht. Wir sind ein Ergebnissport und der Abstand in der Tabelle ist jetzt noch größer geworden. Diese Bürde müssen wir jetzt mit uns herumtragen“, so Sauer.

Antwerpen blieb vieles schuldig

„Wir haben einfach erkannt, dass der Trend eher schlechter als besser wird“, erklärt Sauer. Antwerpen blieb vieles schuldig, was man sich anfänglich von ihm erhofft hat. Innerhalb von nur fünf Wochen schaffte der 49-Jährige es, die komplette Mannschaft gegen sich zu bringen. Die Gründe sollen dabei vielfältig gewesen sein. „Wir als kleiner Verein brauchen einen Cheftrainer, der mehr macht als andere. Einer, der die Mentalität und Leidenschaft mit bringt, sich Einhundertprozent mit dem Klub zu identifizieren. Das war dann nicht der Fall“, so Sauer. An der Mannschaft soll es nicht liegen, das seien alles gute Jungs, versichert der ehemalige Handball-Profi: „Aber sie brauchen Führung.“

Die von außen häufige Kritik an der Kaderzusammenstellung, teile er nicht. Auch die späten Verpflichtungen, teilweise erst nach der Trennung von Michael Schiele, standen in keinem Zusammenhang zueinander. Alle Verpflichtungen – bis auf die des Brasilianers Ewerton, dessen Transfer sich erst am „Deadline-Day“ ermöglichte – sollen über Wochen in der Mache und nicht früher realisierbar gewesen sein. „Der Kader ist stark genug, um die Liga zu halten“, sagt Sauer entschlossen.

AdUnit urban-intext2

Die Hoffnungen ruhen dabei auf Bernhard Trares. In ihm will man jetzt den richtigen Mann gefunden haben. „Bernhard kommt eher aus der Arbeiterecke, gepaart mit einer hohen Fachkompetenz und sehr vielen Erfahrungen im Fußball.“ Nah dran soll dabei auch Felix Magath sein, über dessen Anwesenheit sich Sauer unverändert glücklich zeigt. „Uns wurde jahrelang vorgeworfen, dass wir einen Handballer haben, der die sportliche Entscheidungen trifft“, sagt er. Immerhin wurde der FWK in dieser Konstellation zweimal Fünfter und einmal Zweiter in der 3. Liga. „Jetzt haben wir einen absoluten Fachmann dazu geholt. Das ist auch wieder nicht gut genug und manchem nicht recht. Wir aber sind froh Felix dabei zu haben.“ Beim genauen Hinsehen scheint sich auch das vermeintliche Chaos etwas zu relativieren. Drei Trainer innerhalb einer Saison, heißt nicht gleichzeitig, dass der Verein auch drei Trainer auf der Gehaltsliste stehen hat. Nach Informationen der Fränkischen Nachrichten ist der Vertrag des am Montag gekündigten Marco Antwerpen, durch vorher im Vertrag festgelegter Klauseln, nicht mehr wirksam.

In Sachen Finanzen hatte auch Daniel Sauer noch etwas zu einer fast in Vergessenheit geratenen Posse zu sagen. Der über dreijährige Rechtsstreit zwischen dem polnischen Klub Korona Kielce und den Würzburger Kickers in der Personalie Elia Soriano scheint ins Leere zu laufen. Der frühere Würzburger Angreifer wechselte nach dem Zweitliga-Abstieg 2017 trotz gültiger Arbeitspapiere nach Polen. Der FWK schaltete daraufhin die Fifa ein. Herauskam jetzt, dass der internationale Sportgerichtshof (CAS) und die Fifa für den Fall nicht zuständig sind, sondern die Arbeitsgerichte. Das heißt, die Kickers bekommen keine Ablöse von Kielce. „Es ist schon bemerkenswert, dass man bei Fifa und CAS dreieinhalb Jahre braucht, um zu entscheiden, dass man nicht dafür zuständig ist“, zeigt sich Sauer verwundert. Ein zivilrechtlicher Schritt gegen Soriano wird derzeit geprüft.