Fußball - Nach dem überraschenden Sieg gegen den Hamburger SV lebt die Hoffnung der Würzburger auf den Ligaverbleib / Strohdiek: „Wir kommen zurück“ Auf diesen Säulen steht der Kickers-Sieg

Von 
Michael Fürst
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Torschützen unter sich: Martin Hasek (l.) und Douglas feiern ihre Tore gegen den Hamburger SV. Die Würzburger siegten am Sonntag überraschend gegen den HSV mit 3:2. Vor allem Douglas zeigte im Kickers-Trikot eine starke Leistung. © Frank Scheuring

FC Würzburger Kickers – Hamburger SV 3:2

Kickers-Splitter

  • Nicht da: Felix Magath, der Fußballchef von „Flyeralarm“ und starke Mann im Hintergrund der Kickers, war gestern übrigens nicht im Stadion – und das obwohl er als Spieler mit dem Hamburger SV seine größten Erfolge feierte
  • Weg: Fabian Giefer (Probleme am Sprunggelenk ) und Hendrik Hansen (Knie-Beschwerden) fehlten gegen den HSV im Kader der Würzburger
  • Dort: Das nächste Spiel bestreiten die Würzburger Kickers am Samstag, 27. Februar, um 13 Uhr beim VfL Bochum – also erneut bei einem Aufstiegsanwärter. mf
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Würzburg: Bonmann, Lotric (79. Kopacz), Pieringer (86. van la Parra), Sontheimer, Douglas, Munsy (79. Baumann), Hägele, Feick, Feltscher, Strohdiek, Hasek.

Hamburg: Ulreich, Gyamerah (82. Vognoman), Heyer, Kinsombi (82. Wood), Narey (46. Dudziak), Terodde, Kittel (69. Heil), Hun (46. Wintzheimer), Leibold, Onana, Jung.

Tore: 1:0 (19.) Hasek, 2:0 (30.) Douglas, 3:0 (54.) Sontheimer, 3:1 (72.) Dudziak, 3:2 (89.) Wood. – Gelb-Rote Karte: Onana (90., wiederholtes Foulspiel). – Schiedsrichter: Sven Waschitzki (Essen). – Zuschauer: keine zugelassen.

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Hamburgs Simon Terodde, Topstürmer der 2. Fußball-Bundesliga, wird den „Dalle“ nicht mehr lieb gewinnen. Er musste sich um gut vier Jahre zurückversetzt fühlen: Damals, am 18. Dezember 2016, verlor der heute 32-Jährige mit dem VfB Stuttgart in Würzburg völlig überraschend mit 0:3. Am Sonntag nun unterlag Terodde erneut total unerwartet „am Dalle“, und zwar mit dem Hamburger SV. 3:2 für den FC Würzburger Kickers hieß nach dem Schlusspfiff.

Sehnsucht nach Zuschauern

Was wäre das „ohne Corona“ für ein Fußballfest gewesen: Bei diesem Gegner und diesem Vor-Frühlingswetter wäre die „Flyeralarm-Arena“ gewiss mit 10 000 Zuschauern ausverkauft gewesen; und dann dieses Spiel und dieses Ergebnis der Kickers gegen diesen großen Namen des deutschen Fußballs. „ Schade, dass die Fans nicht da sind. Aber vielleicht können wir auch so ein Glückgefühl in die Wohnzimmer schicken.“ In den Worten des Kickers-Abwehrspieler Christian Strohdiek schwang schon ein bisschen Pathos mit. Ein Bierchen, so verriet der Winter-Neuzugang, sei nun auch in der Kabine der Würzburger erlaubt gewesen.

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Deutlich analytischer ging Trainer Bernhard Trares bei seiner Einschätzung zu Werke: „Wir standen defensiv sehr diszipliniert und haben vorne mit Schüssen aus der Distanz die Tore gemacht. Wir haben sehr gut gearbeitet, und es heute zu Ende gebracht. Unter dem Strich ist der Sieg verdient.“ Es ehrt den FWK-Trainer, dass er auch „vom nötigen Spielglück“ sprach. Er meinte damit vor allem, wie und wann die Tore für seine Mannschaft gefallen sind, doch muss man auch sagen, dass der HSV in der zehnten Minute in Person von Sonny Kittel mit einem direkten Freistoß nur den Pfosten traf. Doch danach war außer den beiden Treffern in der Schlussphase nicht mehr viel los mit der so hoch gelobten Offensive der Hamburger um Simon Terodde. Der Top-Torjäger selbst hatte nur diese eine Aktion. Das 1:3 durch Dudziak legte er auf.

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Die Würzburger Defensive funktionierte am Sonntag wirklich blendend. Sie stand dabei auf den Säulen Christian Strohdiek, welcher der Abwehr seit Wochen Stabilität bringt und dieses Mal aber vor allem auf denen von Douglas und Daniel Hägele. Der brasilianische Abwehrspieler, seit seiner Ankunft im Sommer bei den Kickers nie richtig fit und deshalb auch nie gut, machte gegen den HSV sein bestes Spiel im Trikot der Würzburger. Dies sah sogar Trainer Trares so. Und dann auch noch das: Die Wuchtbrumme schoss im Anschluss an eine Ecke mit einem platzierten Schuss sogar das 2:0 für den FWK (30.). Wenig davor hatte Martin Hasek nach einem gut ausgespielten Konter die Kickers mit einem 16-Meter-Schuss in Führung gebracht.

Auf genau solche Umschaltkaktionen hatten es die Würzburger angelegt. „Wir müssen dem Gegner öfter den Ball geben, weil wir noch nicht in der Lage sind, auf Dauer mit dem Ball dominant zu agieren“, sagte Bernhard Trares. Ihm gefiel auch, dass es dieses Mal „andere Torschützen“ außer den Stürmern gab. Das mache seine Mannschaft schwerer ausrechenbar. Das dritte Tor erzielte nämlich Patrick Sontheimer mit einem strammen Linksschuss. Ja, und dann noch einmal zurück zu Daniel Hägele. Er ist einer der ganz wenigen „Aufstiegshelden“ in der Startelf der Würzburger. Er werde, so Trares, immer etwas kritisch gesehen, doch für ihn sei es ein „sehr wichtiger und schlauer Spieler“. Tatsächlich hat Hägele „auf der Sechs“ nach anfänglichen Schwierigkeiten Zweitliga-Format erreicht und war gegen den HSV richtig gut.

Strittige Schiedsrichterentscheidungen musste dieses Mal keiner beklagen. Die Mannschaft, so ließ Christian Strohdiek durchblicken, habe versucht, den jüngsten Ärger über die Ungerechtigkeiten der Unparteiischen in positive Energie umzuwandeln und machte dieses Gebaren für den Sieg mitverantwortlich: „Es war gut, sich nicht immer auf der Schuld der Schiedsrichter auszuruhen.“ Wenn man weiter so auftrete, „kommen wir zurück“, versprach Strohdiek den Fans. Siege gegen Düsseldorf und Hamburg sollten ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz im Kampf um den Klassenerhalt sein.

Übrigens: Simon Terodde stieg nach der Saison 201672017 trotzdem mit dem VfB Stuttgart in die Fußball-Bundesliga auf – und die Würzburger Kickers wieder ab in die 3. Liga. Der HSV könnte dieses Mal gerne auch aufsteigen, wenn nur die Kickers…

Ressortleitung Leiter der Redaktionen Buchen und Sport