Fußball - Luca Pfeiffer schildert seine ersten Eindrücke aus Herning / Dänischer Journalist nennt Hauptkonkurrenten im Kader Nicht nur durch schöne Worte Freude bereiten

Von 
Michael Fürst
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Als Luca Pfeiffer am Dienstagabend durch das dänische Städtchen Herning schlenderte, um sich einen ersten Eindruck von seiner neuen „Berufs-Heimat“ zu machen, wurde er gleich erkannt: „Hello, welcome!“, rief ein Herr. „Hi“, erwiderte der 24-Jährige freundlich. Nein, die FN waren nicht vor Ort, aber zu diesem Zeitpunkt haben wir mit dem Stürmer aus Gommersdorf telefoniert und es sozusagen live mitbekommen. „So ganz ist das noch nicht zu realisieren. Es ist doch ein relativ großer Schritt“, sagte Pfeiffer ein paar Sekunden später.

Volle Konzentration auf die neue Aufgabe: Luca Pfeiffer (hier noch im Kickers-Trikot) will schon bald für den dänischen Fußball-Meister Tore schießen – auch in der Champions League. © Frank Scheuring
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Tatsächlich ist diese Fußball-Story wieder mal so eine ganz besondere: Luca Pfeiffer, der als junger Mann lange zögerte, um dann mit 19 Jahren doch voll auf die „Karte Profifußball“ zu setzen, spielte am 4. Juli noch für den FC Würzburger Kickers in der 3. Liga und wird unter Umständen schon am Mittwoch, 21. Oktober, ab 21 Uhr in der Champions League auflaufen. Da nämlich tritt sein neuer Verein, der dänische Meister FC Midtjylland (beheimatet eben in jenem beschaulichen Herning) in der Königsklasse daheim gegen Atalanta Bergamo an.

Informationen zum Wechsel

Zwar wurde über die Ablösemodalitäten offiziell Stillschweigen vereinbart, doch die in Deutschland „kursierende“ Ablösesumme, die Midtjylland an die Kickers gezahlt hat, wurde aus Dänemark bestätigt: 1,5 Millionen Euro.

Damit ist Luca Pfeiffer der teuerste Spieler, den der FWK je verkauft haben. Diese Einnahmen wurden gleich in die Neuzugänge Lars Dietz, Ewerton und Ridge Munsy reinvestiert (wir berichteten).

Wie kommt der dänische Meister auf einen Drittliga-Stürmer aus Deutschland? Der Verein gehört einem englischen Eigentümer, der an einer Fußballdatenbank beteiligt ist. Hierüber informiert sich der Verein über Spieler. Pfeiffers hervorragende Daten von 15 Toren und acht Vorlagen aus der Vor-Saison sind einem Verantwortlichen aufgefallen. mf

„Das ist noch so ein bisschen unbegreiflich, doch ich werde alles geben, dass ich spielen werde.“ Die weiteren Gruppengegner des FCM sind noch klingendere Namen des europäischen Spitzenfußballs: Ajax Amsterdam und – FC Liverpool … Wow!

Interessenten auch in Deutschland

Verantwortliche des amtierenden dänischen Meisters hatten sich Anfang Oktober bei Pfeiffers Berater Ingo Haspelt gemeldet. In Deutschland hatte er schon einigen Interessenten abgesagt; eigentlich wollte er seinen Vertrag bei den Würzburger Kickers auch erfüllen. „Ich habe mich in Würzburg heimisch gefühlt“, sagt er. Doch dann kam Midtjylland. Es ergab sich eine einmalige Chance für den Stürmer. Schließlich überzeugte ihn Trainer Brian Priske in einem Telefonat von dem Wechsel nach Dänemark.

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„Ich bin so selbstbewusst, dass ich immer spielen will. Das kann aber auch noch ein bisschen dauern“, sagt er. Erst muss er sich natürlich einmal an das höhere fußballerische Niveau gewöhnen. Am Mittwoch hat er das erste Mal mit der Mannschaft trainiert. Davor kannte er keinen einzigen Spieler aus seinem neuen Team.

„Er wird auf jeden Fall eine Chance bekommen. Midtjylland hat alle drei Tage ein Spiel; da wird er spielen“, glaubt Jørn Just Kristensen, Sportchef vom „Herning Folkeblad“. Der Insider erkundigte sich bei den Fränkischen Nachrichten nach Luca Pfeiffer und ließ durchblicken, dass Sory Kaba der Hauptkonkurrent von Pfeiffer im Sturm sein werde. Allerdings ist der Mann aus Guinea wohl nicht sehr beliebt bei den Fans – das wird der bodenständigen Luca Pfeiffer gewiss nicht sein. Wenn der über seinen neuen Arbeitgeber spricht, dann fällt auch schnell das Wort „menschlich“. Darauf legt der 1,96 Meter große Angreifer Wert.

926 statt 63 Kilometer

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Deshalb wird ihm auch die Nähe zu seiner Familie, zumindest zunächst, fehlen. Von Würzburg nach Gommersdorf war es ein Katzensprung von 63 Kilometern, von Herning in den Jagsttalort sind es deren 926. „Aber die Eltern werden mich besuchen kommen“, erzählt er. Zu den letzten Tagen bei den Kickers mit der Entlassung von Trainer Michael Schiele möchte sich Luca Pfeiffer übrigens nicht äußern.

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Die sprachliche Hürde ist bei der Integration sehr niedrig. Alle reden englisch. Auch sein erstes Interview auf dem Vereinskanal hat er in Englisch gegeben. „Aber ich bin auch schon dabei, dänisch zu lernen“, sagt er. Und der Schalk sitzt ihm im Nacken, als er nachschiebt: „Hi heißt hallo.“ Der neue Mitbürger in Herning hat sich schon gefreut, dass er in der „Landessprache“ zurückgegrüßt wurde.

Doch schon bald will Luca Pfeiffer die Fans des FC Midtjylland mit Toren erfreuen und nicht nur mit schönen Worten …

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