Fußball - Der Letzte Würzburg spielt am Sonntag gegen den Ersten Hamburger SV / Rätsel um Ewerton / Besondere Botschaft der Mannschaft In dieser Statistik sind die Kickers spitze

Von 
Steffen Krapf
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Ob sich Kickers-Abwehrspieler Ewerton gegen seinen Ex-Verein Hamburger SV so in Szene setzen kann wie hier gegen den FC St. Paul, ist sehr fraglich. Der Brasilianer trainierte in dieser Woche weiter eingeschränkt. © Frank Scheuring

Vor knapp 91 Jahren gastierte der Hamburger SV das letzte Mal in Würzburg für ein Fußballspiel gegen die Würzburger Kickers. Damals waren die Kickers noch in der Randersackerer Straße beheimatet. Das Freundschaftsspiel der beiden „Rothosen“ gewannen die Würzburger sensationell mit 5:3. Das wäre ein Ergebnis, das auch am Sonntag ab 13.30 Uhr mindestens einer faustdicken Überraschung gleichkommen würde, wenn der HSV erstmals im Kickers-Stadion am Dallenberg gastiert. Die Vorzeichen könnten klarer kaum sein: Der Spitzenreiter trifft auf das Schlusslicht. „Ich freue mich total auf das Spiel“, sagt Kickers-Cheftrainer Bernhard Trares: „Ich bin der Meinung man kann jeden Gegner schlagen.“

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Im Hinspiel schnupperte der FWK bereits an der Überraschung. Mit einer 1:0-Halbzeitführung gingen die damals noch von Marco Antwerpen trainierten Kickers in die Pause. Erst acht Minuten vor Schluss brachte Simon Terodde den HSV mit seinem zweiten Treffer zum 2:1 auf die Siegerstraße. 3:1 hieß es am Ende. „Wenn es nicht läuft, macht er halt die Tore. Damit haben sie sich schon ein paar mal gerettet“, sagt Trares über Terodde, der in dieser Zweitliga-Saison schon 19 Mal traf.

Besser im Umschaltspiel sein

Aber natürlich sind die Hamburger, deren Kader mit 34,70 Millionen Euro Marktwert gut dreieinhalb mal so wertvoll wie der der Kicker ist, mehr als nur ein treffsicherer Angreifer. Das weiß auch Trares: „Der HSV hat eine ausgeglichene Mannschaft, die versucht, fast alles spielerisch zu lösen.“ Von seiner Mannschaft erwartet er an den Leistungen der Vorwochen anzuknüpfen, in der sie sich konzentriert, laufstark und gefährlich im Umschaltspiel gezeigt hat. „Im Ballbesitz müssen wir noch ein Stück weit ruhiger werden“, fordert der 55-Jährige. Zufrieden ist er dagegen mit der Laufleistung seines Teams. Zuletzt war der FWK diesbezüglich Ligaspitze. „Nur so geht es, dass wir da besser sind und mehr investieren als die anderen, um Spiele zu gewinnen.“

Ob er am Sonntag auf Nzuzi Toko, Daniel Hägele und Ewerton setzen kann, ist noch fraglich. Alle drei sind angeschlagen und konnten im Verlauf der Woche nicht trainieren. Besonders die Personalie Ewerton geriet vor dem Spiel gegen seinen Ex-Klub in den Mittelpunkt. Der brasilianische Innenverteidiger, dem im Sommer ein Tumor aus dem Oberschenkel entfernt wurde, wird einfach nicht vollständig fit. Das könnte auch daran liegen, dass er nach seinem Wechsel nach Würzburg zu früh wieder eingesetzt wurde. „Man hätte sich einen Plan machen können, den Spieler unabhängig von den Ergebnissen in Ruhe aufzubauen“, findet Trares. Vorgänger Antwerpen entschied das damals anders. Aber auch unter Trares lief Ewerton auf, wenn es die Fitness irgendwie zuließ. „Bis jetzt war es immer so, dass er in der Halbzeit im Grunde raus musste. Das ist ja keine Basis. Wir müssen ihn jetzt aufbauen und etwas schützen“, so Trares.

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Dass es für Trares selbst auch gegen den Ex-Klub geht, tangierte ihn im Vorfeld nicht sonderlich. „Ein ganz normales Spiel“, befindet er. Als Co-Trainer von Bruno Labbadia führte Trares die Hamburger in der Saison 2015/16 auf Platz zehn in der Bundesliga. In der darauffolgenden Saison war für das Duo allerdings schnell Schluss. „Später wäre der Verein froh über so einen Tabellenplatz gewesen.“ Jetzt treffen Trares und der HSV in der 2. Bundesliga aufeinander. Für die Kickers ist es aber doch ein besonderes Spiel, das weiß natürlich auch Trares: „Normalerweise hätten wir gegen den HSV volle Hütte. Das ist schon schade, dass die Leute das nicht miterleben können.“ Im Training am Freitag zeigte die Mannschaft noch eine Grußbotschaft an die Fans mit einem Foto, auf dem sie ein Banner mit der Aufschrift „Eine Stadt, ein Verein, ein Ziel – Kämpfen für den Klassenerhalt“ zeigten.