Handball - Schmids Schweizer überraschen bei WM nach Mega-Trip Vom Rollfeld in die Halle und gleich bester Mann

Von 
Marc Stevermüer
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Mannheim/Gizeh. Am Ende eines denkwürdigen Tages mit extrem hohen Hürden und unvorhersehbaren Hindernissen reißt Andy Schmid (Bild) trotz aller Erschöpfung einfach nur noch die Arme in die Höhe. Vor Glück. Vor Freude. Vor Erleichterung. Über den 28:25-Sieg der Schweizer Handball-Nationalmannschaft gegen Österreich bei der WM in Ägypten. Und über seine mit sieben Toren garnierte Leistung. Er könne das „gar nicht fassen“, sagt der Star der Rhein-Neckar Löwen, der nicht nur zum besten Spieler der Partie gewählt wird, sondern alle Eidgenossen glücklich macht. Vor allem Nationaltrainer Michael Suter: „Ich bin unglaublich stolz auf meine Mannschaft. Nach diesem Tag mit allem drum und dran so eine Leistung zu zeigen, nötigt mir größten Respekt ab.“ Was er mit „drum“ und „dran“ meint, das kann man sich nicht ausdenken.

Ohne Gepäck in der Arena

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Erst am Dienstagabend erfahren die Schweizer, dass sie aufgrund der Turnierabsage der USA plötzlich WM-Teilnehmer sind. Um 6 Uhr machen sie sich am Donnerstagmorgen durch den Schnee auf den Weg zum Züricher Flughafen, verdaut haben die Eidgenossen da schon die ersten Rückschläge. Luka Maros und Jonas Schelker treten die Reise wegen positiver Corona-Tests nicht an. Wegen des schlechten Wetters verschiebt sich der Abflug um zwei Stunden, früh befinden sich die Schweizer in einem verrückten Wettkampf gegen die Zeit. Denn um 18 Uhr müssen sie im ägyptischen Gizeh gegen Österreich antreten.

Viereinhalb Stunden vor dem Anwurf landen die Eidgenossen in Kairo, noch auf dem Rollfeld stehen Corona-Tests an. Schon jetzt ist klar: Ihr Hotel bekommt die Mannschaft erst nach dem Spiel zu Gesicht, es geht mit einer Polizeieskorte direkt zur Halle. Ohne Gepäck, das erst 70 Minuten vor dem Anpfiff eintrifft. Zwischenzeitlich nehmen die Schweizer einen Snack zu sich, sie bewegen sich nach dem langen Flug ein wenig. Doch eine optimale Vorbereitung ist das natürlich nicht. „So etwas habe ich noch nie erlebt. “, sagt Kreisläufer Alen Milosevic.

Trotzdem aller Widrigkeiten gewinnen die Schweizer die Begegnung. Mehr noch: Sie haben durch den Erfolg fast schon den Einzug in die Hauptrunde sicher. Nicht nur, aber vor allem dank Schmid, dem keine Müdigkeit anzumerken ist und der bei seiner Premiere auf der größten Bühne des Handballs zeigt, dass er zu den Weltbesten gehört. Entsprechend groß ist nach dem Schlusspfiff die Euphorie. „Wir hatten hier die historische Chance, nach 26 Jahren wieder für die Schweiz ein WM-Spiel zu bestreiten“, sagt ein glücklicher Suter: „Wir wussten um unsere Chance auf den Sieg.“ Keine Frage: Die nutzten die Eidgenossen. Und zwar eindrucksvoll.

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Redaktion Handall-Reporter, Rhein-Neckar Löwen und Nationalmannschaft