Handball - Co-Trainer Josef Schömig kritisierte öffentlich, dass im Zuge der Professionalisierung die erste Mannschaft sich zu weit von der Basis des Vereins entfernt habe Unstimmigkeiten bei den Rimparer „Wölfen“

Von 
Steffen Krapf
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Sind die Rimpar Wölfe von ihrem Weg abgekommen? Offenbar rumort es gewaltig innerhalb des eigentlich familiär wirkenden Vereins aus der 7600-Einwohner Marktgemeinde vor den Toren Würzburgs.

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Im Oktober letzten Jahres, bei der 18:20-Heimniederlage gegen den ASV Hamm-Westfalen, stand erstmals in der mittlerweile achtjährigen Zweitligageschichte des Klubs kein einziger Einheimischer in der Startaufstellung. Bei allen anderen Bundesliga-Teams dürfte so ein Moment Jahrzehnte zurückliegen, in Rimpar ist das der Stoff für einige tiefgehende Grundsatzfragen, wie einem Zeitungsinterview von Co-Trainer Josef Schömig zu vernehmen war. Schömig ist mittlerweile seit 47 Jahren im Verein und seit 20 Jahren Co-Trainer der ersten Mannschaft. Den Siegeszug der sogenannten „Goldenen Generation“ hat er hautnah miterlebt, als eine Mannschaft bestehend aus etlichen Eigengewächsen von der Landesliga bis hoch in die 2. Bundesliga stürmte.

Nostalgischer Blick zurück

Schömig erzählt nostalgisch von dieser besonderen Sportgeschichte, wird aber auch deutlich, wenn er Vergleiche mit dem Hier und Jetzt anstellt. „Damals waren wir noch eine sehr eng verbundene Familie, haben zusammen gefeiert und gelitten. Ein Stück weit haben wir unsere Seele verloren“, findet er. Die Zeiten, in der sich die Jugendspieler des Vereins im Fanblock versammeln und die Spieler der Ersten anfeuern, sind wohl lange vorüber. Unten auf dem Parkett stehen auch längst nicht mehr überwiegend waschechte Rimparer. Rechtsaußen Julian Sauer ist der noch letzte Verbliebene der „Goldenen Generation“. Max Brustmann hat seine Karriere nach der letzten (abgebrochenen) Saison beendet, Basti Kraus und Stefan Schmitt ihre bereits zwei Jahre zuvor. Mit im Kader steht heute auch Dominik Schömig, Josefs Sohn, einer der wenigen Eigengewächse, der den Sprung in die Zweite Liga in den letzten Jahren schaffte.

Die „Entfernung der ersten Mannschaft zur Basis im Verein“ sei im Zuge der Professionalisierung ein Stück weit eine normale Entwicklung, meint Josef Schömig. Die geht ihm aber offenkundig mittlerweile zu weit. „Wir sind nicht mehr die verschworene Einheit im Verbund Wölfe und Verein. Wir agieren teilweise wie ein Wirtschaftsunternehmen, in dem jeder ersetzbar zu sein scheint. Das macht mich nachdenklich, denn ich glaube nicht, dass es so sein muss.“

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Schömig bemängelt vor allem das seiner Ansicht nach fehlende Bindeglied zwischen Jugend, Reserve und erster Mannschaft im Verein. Das Vereinsurgestein glaubt allerdings, dass es wieder möglich wäre den aus seiner Sicht richtigen Weg einzuschlagen. „Gelingt uns das nicht, kann es allerdings auch in die andere Richtung gehen und gefährlich werden“, warnt er.

Mit seinem Interview hat Schömig nun „weit am leeren Tor vorbeigeworfen“, heißt es in einem Artikel auf der Vereinshomepage, der postwendend erschien, und von Bastian Krenz, Simon Dod und Christian Krenz aus der Abteilungsleitung der DJK Rimpar gezeichnet ist. „Sich öffentlich so destruktiv zur aktuellen Arbeit von allen zu äußern, anstatt intern gemeinsam mit allen an der Weiterentwicklung der Strukturen zu arbeiten, hat ein zerstörerisches Verhalten, dass wir so bisher nicht kannten“, heißt es dort: „Womöglich haben wir an dieser Stelle unsere Seele verloren.“

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Die Verfasser weisen daraufhin, dass die Professionalisierung der ersten Mannschaft, die als „DJK Rimpar Wölfe“ ausgegliedert ist, diskussionswürdig. aber wohl unumgänglich sei, wenn man in der 2. Bundesliga dauerhaft mithalten möchte. Eine „Goldene Generation“ lasse sich „leider nicht wie Tomatenpflanzen züchten“. Die Nachwuchsarbeit der DJK komme ohne finanzielle Unterstützung der „Wölfe GmbH“ aus und hat sich mit vielen ehrenamtlichen Kräften in den zurückliegenden Jahren deutlich professionalisiert und intensiviert, heißt es weiter. „Das sieht inzwischen jeder in Bayern und auch in anderen Bundesländern, nur in Rimpar mag das der eine oder andere immer nicht wahrhaben.“ Schömig wird eine Art Verklärung der damaligen Zeit vorgeworfen, in der sich die Spieler der „Goldenen Generation“ über mehrere Ligen hinweg an die 2. Bundesliga herantasten konnten.

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Der Sprung direkt von der Jugend in eine Zweitliga-Mannschaft wurde von den „Helden von damals“ nicht verlangt. Anders als heute. Mit Lukas Siegler und Felix Karle gelang dies zwei Spielern aus der eigenen Jugend zuletzt. „Die Zeiten ändern sich und wir uns mit ihnen, denn wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit. Das gilt für Menschen gleichermaßen wie für Vereine“, heißt es am Ende des Online-Artikels auf der „Wölfe“-Homepage.