Handball - Rimpars Torwart-Legende Max Brustmann beendet seine Karriere nun unfreiwillig ganz leise / Abschied soll nachgeholt werden / Hilfe „für die Bank“ angeboten „Für mich war das mehr als nur Sport“

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Steffen Krapf
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Die tränenreichen und rührenden Abschiede beim Handballzweitligisten DJK Rimpar Wölfe haben mittlerweile fast so etwas wie Tradition: 2018 verabschiedeten sich die beiden lebenden Vereinslegenden Stefan Schmitt und Sebastian Kraus am letzten Spieltag von ihren Fans, ein Jahr später wurde es wieder hochemotional im „Wolfsrevier“, als Matthias Obinger als waschechter Rimparer nach vier Jahren sein letztes Spiel als Trainer an der Seitenlinie coachte.

Max Brustmann beendet seine Karriere bei den Rimpar Wölfen nun unfreiwillig ganz leise. Der 37-Jährige glaubt, dass die Saison abgebrochen wird. © Frank Scheuring
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Auch 2020 sollte es wieder so einen speziellen Moment geben. Torhüter Max Brustmann hängt als einer der letzten Verbliebenen der „goldenen Generation“ nach der Spielzeit 2019/20 seine Handballschuhe an den Nagel. Stehende Ovationen, warme Worte der Verantwortlichen und Weggefährten, Dankes-Banner der Fans – all das wäre dem 37-Jährigen gewiss gewesen. Doch nun muss wegen Corona ein ganz Großer der Vereinsgeschichte das Parkett ganz still und heimlich verlassen. Im Interview mit den FN verrät Brustmann, wie er mit dem verhinderten Abschied und der derzeitigen Situation umgeht.

Herr Brustmann, als Grundschullehrer hatten Sie gerade noch Osterferien – wie verbrachten Sie Ihre Tage?

Max Brustmann: Natürlich viel mit der Familie. Wir haben vor kurzem unser zweites Kind bekommen. Mir geht es soweit gut. Mal sehen wann es dann wieder mit der Schule weitergehen kann.

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Die Handball-Bundesliga möchte die Vereine in Kürze darüber abstimmen lassen, ob die Saison abgebrochen wird. Mit welcher Entscheidung rechnen Sie?

Brustmann: Ganz klar mit Abbruch. Die Situation im Handball ist ja auch eine ganz andere als beispielsweise im Fußball. Die Fußballer wollen unbedingt das Fernsehgeld, was im Handball eine untergeordnete Rolle einnimmt. Da sind die Zuschauereinnahmen wichtiger – vor allem bei uns in der zweiten Liga. Ich denke, die Vereine werden sich gegen „Geisterspiele“ aussprechen, falls diese denn überhaupt möglich wären.

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Sehen Sie durch die Krise die 2. Liga als weitestgehend professionelle Liga in Gefahr?

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Brustmann: Sicher ist das ein Rückschlag, eine kleine Delle wird es mindestens geben. Die Liga hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. Viele Mannschaften stellen reine Profiteams. Ich weiß nicht, ob das mit einer schlechteren Gesamtwirtschaftslage, die dann auch die Vereine trifft, so weitergehen kann. Davon wird aber nicht nur der Handball, sondern auch Sportarten wie Basketball, Eishockey und Volleyball betroffen sein.

Wie ist denn die Stimmung bei euch im Verein?

Brustmann: Angespannt. Unser Manager Roland Sauer ist jeden Tag am Telefonieren, Machen und Tun. Bei allem was ich so höre, ist die Situation für uns derzeit noch machbar.

Die Mannschaft befindet sich in Kurzarbeit. Wie schwer trifft das die Spieler?

Brustmann: Bei mir als verbeamteter Lehrer fällt das zum Glück nicht so ins Gewicht. Bei manchen meiner Kollegen, gerade bei den Studenten, die mit dem Handball ihre Wohnungen und teilweise ihren Lebensunterhalt finanzieren, kann es schon etwas knapper werden.

Sie selbst werden durch das Corona-Virus jetzt ein paar Wochen zu früh in die Handball-Rente geschickt. Wie sehr ärgert Sie das?

Brustmann: Natürlich ist das ärgerlich, aber das ist nun mal jetzt so. Das hätte ich mir auf jeden Fall anders gewünscht. Eigentlich hätte ich mit dem letzten Heimspiel im Derby gegen Coburg zu meinem 500. Spiel aufgehört. Da war eigentlich alles angerichtet für einen schönen Abschied. Jetzt ist es einfach so vorbei. Das nervt mich schon etwas. Im Moment hätte ich noch richtig Bock auf Handball. Ich hätte gerne gehabt, dass ich früh aufwache, meine Tasche packe, zur Halle fahre und weiß, dass es heute das letzte Mal ist, dass ich aufs Parkett gehe.

Ganz ohne Abschied darf Ihre Karriere aber doch eigentlich nicht vorbeigehen...

Brustmann: (lacht) Ja, Roland Sauer hat schon angekündigt, dass wenn wir wieder vor Zuschauern spielen, ein Abschied in irgendeiner Weise nachgeholt wird. Aber auf dem Parkett wird das für mich wohl nicht stattfinden.

Was hält Sie denn davon ab?

Brustmann: Nein, mein Karriereende ist wohlüberlegt und endgültig. Aber wenn sich ein Torhüter mal verletzten sollte und der Verein keine Möglichkeit hätte zu dem Zeitpunkt Ersatz zu verpflichten, würde ich mich schon auf die Bank setzen. Ich bin ja weiterhin vor Ort und fit halten werde ich mich auch etwas.

Wie blicken Sie auf ihre Karriere zurück?

Brustmann: Mit Freude. Es war eine geile Zeit – sonst hätte ich das nicht so lange gemacht. Ich hatte das Glück, bis auf die vier Jahre in Bad Neustadt, mit meinem Verein direkt vor der Haustüre zu spielen, dort die Aufstiege mitzumachen und sieben Jahre lang in der zweiten Liga auf so einem hohen Niveau spielen zu können. Für mich war das ja mehr als nur Sport – ich durfte die meiste Zeit mit Freunden zusammenspielen.

Sie waren immerhin über Jahre einer der besten Torhüter der 2. Liga.

Brustmann: So etwas ist natürlich der Traum, den man als Jugendlicher einst hatte. Wobei es da eher um so etwas wie Regionalliga in den Gedanken ging. Dass ich dann später mehrfach Angebote aus der 1. Liga bekomme, hätte ich mir nie träumen lassen.

Ärgert es Sie rückblickend, es nicht in der 1. Liga probiert zu haben?

Brustmann: Das passte einfach nie so richtig. Da gingen für mich Familie, Studium und später die Arbeit immer vor. Ich hätte es ja machen können, wenn ich gewollt hätte. Von daher weckt das auch gar keine Wehmut in mir.

Welche Momente mit der DJK bleiben für Sie besonders in Erinnerung?

Brustmann: Im Negativen natürlich der verpasste Aufstieg 2017. Wenn wir auswärts gegen Bad Schwartau gewonnen hätten, wären wir Erstligist gewesen. So etwas bleibt für immer hängen. Im Positiven aber natürlich auch viele große Spiele, wie die Derbys gegen Coburg. Besonders die Siege dort waren schön. Es waren schon richtig geile Spiele dabei.