Handball - Rimpar verliert wenige Sekunden vor dem Ende gegen den Vorletzten Konstanz / Trainer Klatt weiß, wer der traurigsten Mensch in der Halle war Folgenschwerer Wechselfehler

Von 
Steffen Krapf
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Winter-Neuzugang Yannik Bialowas zeigte im Rimparer Zweitliga-Heimspiel gegen Konstanz zwar wieder seine Stärken, doch mochte er aufgrund der bitten Niederlage am Ende auch nicht mehr hinschauen. © Frank Scheuring

Daniel Eblen, Trainer des Handballzweitligisten HSG Konstanz, war am Mittwochabend kurz vor 22 Uhr bei der Pressekonferenz in der s.Oliver Arena bestens aufgelegt, fast etwas aufgedreht. Seine Mannschaft hatte soeben ihr erstes Auswärtsspiel der Saison gewonnen. Redselig verriet er, dass er die Heimreise nicht im Mannschaftsbus sondern privat zurücklegen wird. „Wir wohnen halt am Arsch der Welt“, sagte er. Die 315 Kilometer, die er bis zum Bodensee mit dem Auto schneller als im Bus zurücklegen wird, möchte er nutzen, um ein Video vom Spiel zu schneiden. Dabei wird er auch auf die letzten 30 Sekunden der Partie stoßen, die durchaus als Lehrbeispiel gelten könnten, wie man sicher geglaubte Punkte völlig leichtfertig verschenken kann.

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Eigentlich schien nämlich alles klar zu sein. Die DJK Rimpar Wölfe hatten beim Spielstand von 24:24 noch einen Angriff, dazu noch eine Auszeit in der Hinterhand. Mindestens einen Punkt hatte das Team von Trainer Ceven Klatt also so gut wie sicher – und dabei sogar noch den Sieg in der eigenen Hand. Doch dann passierte, was auf keinen Fall passieren darf. Neben Felix Karle und Yannik Bialowas für den Angriff, lief auch Torhüter Marino Mallwitz mit ins Feld. Dem Rimparer Schlussmann, der in den 59:30 Minuten vorher mit elf Paraden zu besten auf dem Parkett gehörte, unterlief eine folgenschwerer Fehler. Der 24-Jährige hatte offenbar vergessen, dass sein Mitspieler Julian Sauer knapp eine halbe Minute vorher eine Zwei-Minuten-Strafe kassierte. Durch den Wechselfehler bekam HSG Konstanz also den Ball und somit den finalen Angriff der Partie. Der Tabellendrittletzte, der laut Trainer Eblen ein technisch fast fehlerfreies Spiel absolvierte, spielte den Angriff gegen jetzt nur noch vier Rimparer Feldspieler (Mallwitz kassierte nach dem Wechselfehler auch noch eine Zeitstrafe) perfekt aus und traf drei Sekunden vor Schluss zum 25:24-Siegtreffer durch Fabian Schlaich.

„Mir tut das sehr leid für Marino, der bestimmt der traurigste Mensch in der Halle ist“, fand Klatt warme Worte für den Unglücksraben des Abends: „Für uns ist das maximal bitter gewesen. Aber so Sachen passieren im Sport.“ Die Punkte gegen das Kellerkind vom Bodensee waren fest eingeplant, gab der 37-Jährige zu. Nach einer ausgeglichenen ersten Hälfte, sah es auch über weite Strecken des zweiten Durchgangs danach aus, dass sich die Unterfranken den siebten Sieg im 16. Spiel schnappen werden. „Heute war es ein Fehler zu viel“, resümiert Klatt.

Durch die unerwartete Niederlage verringert sich der Vorsprung auf die Abstiegsränge für die „Wölfe“ auf nur noch vier Punkte. Unter Druck sieht Klatt, der zur neuen Saison zum abstiegsbedrohten Bundesligisten Eulen Ludwigshafen wechselt (wir berichteten), seine Mannschaft trotzdem nicht: „Die Liga ist dicht beisammen. Da mache ich mir keine Gedanken. Wir werden genug Punkte holen, um mit unten nichts zu tun zu haben.“ Um das Tabellenbild schnell wieder etwas gerade zu rücken, bieten sich der DJK mit drei Spielen in den kommenden acht Tagen reichlich Gelegenheiten. Weiter geht es mit den Heimpartien gegen den EHV Aue (Samstag, 20 Uhr) und Bayer Dormagen (Dienstag, 20 Uhr), ehe die zwei aufeinanderfolgenden englischen Wochen mit dem Auswärtsspiel beim TV Hüttenberg (Freitag, 19.30 Uhr) abgeschlossen wird.

Lücken im Rückraum

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Verzichten muss Rimpar bei diesem Kraftakt auf die beiden verletzten Rückraumspieler Lukas Böhm und Yonatan Dayan. „Aber das werden wir als Mannschaft kompensieren“, ist sich Klatt sicher. Kurz vor seinem Comeback steht das Eigengewächs Lukas Siegler. Der 24-jährige Rückraumspieler konnte wegen einer langwierigen Oberschenkelverletzung seit fast einem Jahr kein Pflichtspiel bestreiten. Für Verstärkung im Rückraum sorgt seit einigen Wochen auch Winterneuzugang Yannik Bialowas. Am Mittwoch durfte er zwar nur in den letzten zehn Minuten ran, aber der 19-Jährige vom HC Erlangen, der in Rimpar mit einem Zweitspielrecht aufläuft, hat sein großes Potenzial, vor allem im Angriff, in den ersten Spielen des Jahres bereits unter Beweis gestellt. „Ich glaube nicht, dass wir aus diesen Spielen drei Punkte geholt hätten ohne Yannik“, adelt Klatt seinen Youngster.

Auf den Außen kündigt der Trainer für das nächste Spiel bereits etwas Rotation an. Für den gegen Konstanz stark aufspielenden Julian Sauer und für Dominik Schömig werden wohl Felix Karle und Tommy Wirtz in der Anfangssieben stehen. „Jetzt ist es meine Aufgabe, die Jungs wieder aufzurichten und aufzubauen und den Fokus auf Aue zu richten“, kündigt der Coach an. Geschenke wurden in dieser Woche bereits genug verteilt.