Fußball - Der dänische Meister schaffte es mit Mathematik auf Europas große Bühne / Gleich Tore in der Reserve geschossen So ging Luca Pfeiffer dem FC Midtjylland ins „Zahlennetz“

Von 
Patrick Tittl
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Es war nicht nur die gute Torquote, sondern auch sein Durchsetzungsvermögen in „entscheidenden Räumen“, die den Gommersdorfer Luca Pfeiffer zum FC Mydtjylland brachten. © Frank Scheuring

Das Abenteuer Dänemark begann für den Gommersdorfer Luca Pfeiffer in der Reserveliga. Der 24-Jährige steuerte beim 4:0-Heimerfolg der FC Midtjylland Reserves gegen Aarhus GF Reserves zwei Tore und eine Torvorlage bei. Dabei bestand die Mannschaft der Hausherren hauptsächlich aus U19-Spielern der Akademie, aber auch die Neuerwerbungen Luca Pfeiffer und Daniel Høegh waren von Anfang an auf dem Feld. Beide feierte somit ihr inoffizielles Debüt im FCM-Trikot.

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Unter den Augen von FC Midtjylland Cheftrainer Brain Priske überzeugten beide Spieler: „Wir haben den Kader mit Daniel und Luca ergänzt, von denen ich weiß, dass sie in Anbetracht der vielen Spiele in der nächsten langen Zeit eine Rolle für uns spielen werden.“ Zu Luca Pfeiffer sagt er: „Zunächst ist es wichtig, ihn körperlich auf den intensiven Spielstil vorzubereiten. Denn es ist die erste Runde für Luca in einem neuen Land und in einem neuen Verein. Gleichzeitig muss er sich erst einmal an die neue Kultur und den Spielstil gewöhnen. Umgekehrt wissen wir aber auch, dass er im Strafraum äußerst gefährlich ist.“ Somit hofft man beim FC weiter, an die erfolgreiche Vorsaison aufbauen zu können. Denn dort wurde man mit satten 14 Punkten Vorsprung auf den FC Kopenhagen dänischer Meister. Es war seit 2015 die dritte Meisterschaft.

Gegen Prag durchgesetzt

Gleichzeitig freute man sich im Westen Dänemarks auf einen ganz besonderen Moment: Am gestrigen Mittwoch stand um 21 Uhr das ersten Champions-League-Spiel der Vereinsgeschichte auf dem Programm. Gegner war Atalanta Bergamo (Spiel bei Redaktionsschluss noch nicht beendet). Zudem warten in der Gruppe D mit Liverpool und Ajax Amsterdam zwei weiter Hochkaräter. Zuvor setzte sich der FC Midtjylland im entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Slavia Prag durch. Nach dem 0:0 im Hinspiel gewann man das Rückspiel mit 4:1.

Trainer Brain Priske sagt zu den Spielen in der Königsklasse: „Das ist das Größte. Wir verfolgen seit vielen Jahren die Gruppenspiele und freuen uns schon lange auf diese Spiele. Dass alles auf diese Weise gipfelt, zeugt nur davon, wie viel Qualität diese Mannschaft hat.“

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Der Verein aus der Kleinstadt Herning in Mitteljütland verkörpert seit seiner Übernahme 2014 durch den Engländer Matthew Benham den Fußball der Zukunft und hat sich durch moderne Datenanalyse und cleveres Scouting entscheidende Wettbewerbsvorteile verschafft. Dabei werden alle Abläufe auf dem Platz, im Training, Scouting, in der medizinischen Abteilung und Verwaltung mit einem modernen Datensystem wissenschaftlich analysiert. „Zahlen sind für mich der heilige Gral. Wenn es darum geht, im Klub eine Entscheidung zu treffen, vertraue ich immer den Zahlen. Sie lügen nicht“, betont Benham.

Unter anderem werden dabei folgende Schlüsselindikatoren analysiert. Beispiel 1: Wird üblicherweise die Passquote (wie viele Pässe sind angekommen) 1:1 für die Beurteilung eines Spielers übernommen, ist das für Midtjylland und Brentford völlig unerheblich. Was ausschließlich zählt, sind die wichtigen Pässe. Jene, die ein Tor einleiten oder direkt vorbereiten. Beispiel 2: Auch die normale Zweikampfquote hat keine Aussagekraft. Nur gewonnene Zweikämpfe, die zu einem Tor oder einem gefährlichen Abschluss führen oder ein Gegentor verhindern, sind von Bedeutung. Beispiel 3: Es gab Phasen, da erzielte der FCM in jedem Spiel ein Tor nach einer Standardsituation. Er besitzt besitzt eine riesige Fülle von Varianten und Laufwegen. Beispiel 4: In der Pause erhält der Trainer per SMS eine Spielanalyse.

Kalkulierte Transfers

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Seit 2014 werden zudem nebst der Taktik auch Transfers mit Erfolg kalkuliert. Das Einnahmenplus: 33,93 Millionen Euro. Präsident Claus Steinlein betont: „Wir haben immer schon neue Wege bestritten, das ist Teil der DNS unseres Klubs.“ Die Geschichte dahinter erinnert an den Film „Moneyball“ und wie Billy Beane einst im Baseball mit den Oakland Athletics die Datenanalyse zum wichtigsten Teil seiner Arbeit gemacht hat. Allerdings scheut Benham diesen Vergleich: „Unser Erfolg beruht auch auf der harten Arbeit unserer Mitarbeiter und Spieler, die Tag für Tag alles geben.“

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Ein weiterer wichtiger Baustein in der Erfolgsgeschichte des FC Midtjylland ist die eigene Nachwuchsarbeit. Beispielsweise hat die U19 Mannschaft durch zwei aufeinanderfolgende Viertelfinal-Teilnahmen in der UEFA Youth League bereits auf sich aufmerksam gemacht. Durch einige günstige Spielerkäufe zuletzt, die man später mit einem hohen Gewinn in die europäischen Topligen verkaufen konnte, hat man auch die finanzielle Basis für einen langfristigen Erfolg geschaffen.

Passend dazu betont der Ex-Chef der Scoutingabteilung Lars Hallengreen: „Der FC Midtjylland ist wie eine große Familie und es gibt viele intelligente Köpfe, die immer darüber nachdenken, wie sie die Spieler optimal weiterbilden können. Fußballerisch und menschlich.“

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