Interview - Die FN sprachen mit dem DFB-„Vize“ und BFV-Präsidenten Ronny Zimmermann, der morgen in Königshofen zu Gast beim Weid-Hallenturnier sein wird „Erst am Anfang eines langen Weges“

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Paul V. Brandenstein
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Ronny Zimmermann, Vize-Präsident des Deutschen Fußball-Bundes und Präsident des Badischen Fußball-Verbandes, äußerte sich in einem Interview mit den Fränkischen Nachrichten unter anderem über den Videobeweis in der Bundesliga. © dpa

Der traditionelle Obi-Masters-Cup im Rahmen der Bürgermeister-Weid-Hallenturnierserie des SV Königshofen beginnt am morgigen Sonntag um 11 Uhr in der Tauber-Franken-Halle. Unter den Zuschauern wird dabei auch Ronny Zimmermann, Vize-Präsident des Deutschen Fußball-Bundes und Präsident des Badischen Fußball-Verbandes, sein. Schon seit Jahren hat dieses Turnier in seinem Terminkalender einen festen Platz. Im Vorfeld seines Besuches im Taubertal stand er den Fränkischen Nachrichten für ein Interview zur Verfügung.

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Herr Zimmermann, Sie sind Stammgast beim Bürgermeister-Weid-Turnier in Königshofen. Was ist das Besondere an dieser Veranstaltung?

Ronny Zimmermann: Zum einen finde ich die Location, wie man heute auf Neudeutsch sagt, richtig gut. Die Halle hat einen ganz besonderen Charme, und das Turnier ist immer bestens organisiert. Zum anderen ist dieses Turnier für mich persönlich immer mein fußballerischer Jahresabschluss. Außerdem liebe ich den Hallenfußball, weil da immer richtig was los ist. Es fallen viele Tore, und das ist doch das Beste am Fußball.

In Königshofen wird noch „traditioneller“ Hallenfußball gespielt. Ansonsten ist aber Futsal auf dem Vormarsch. Bei uns gilt dies allerdings meist nur für den Juniorenbereich. In anderen Ländern ist Futsal dagegen längst auch bei den Senioren etabliert. Hat man hier in Deutschland eine Entwicklung verschlafen?

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Zimmermann: Nein, das glaube ich nicht. Wir haben schlichtweg beim Hallenfußball über Jahre hinweg ein anderes System bevorzugt, nämlich mit Bande und manchmal auch auf Kunstrasen. Die Fifa hat dann vor einigen Jahren offizielle Regeln festgelegt – und das waren halt dummerweise nicht die unseren. Wenn man es sachlich betrachtet, dann war dies aber schon eine richtige Entscheidung, denn Futsal ist viel einfacher in der Halle umzusetzen. Man muss keine Bande aufbauen, man muss keinen Kunstrasen verlegen, sondern man kann im Prinzip einfach drauflos spielen. Die Fifa hat hier auch an die anderen nationalen Verbände gedacht, die nicht die finanziellen Mittel haben, um Sport- und Turnhallen mit Kunstrasen, anderen Toren und Banden auszustatten.

In Königshofen werden Sie morgen wieder Kontakt mit der so genannten „Basis“ haben. Besonders dem DFB wurde in letzter Zeit immer wieder vorgeworfen, den Kontakt zu eben dieser verloren zu haben. Wie stehen Sie dazu?

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Zimmermann: Der Vorwurf ist sowas von unrichtig und reiner Populismus, der mit der Realität überhaupt nichts zu tun hat. Die Leute, die beim DFB tätig sind, kommen ja überwiegend von der Basis. Ich zum Beispiel bin seit fast 25 Jahren im Vorstand eines A-Ligisten bei mir zu Hause in Wiesloch. Ich nehme nach Möglichkeit an allen Vorstandssitzungen teil und arbeite dort so gut es geht mit. Zudem besuche ich mehrfach monatlich Amateurfußballspiele und spreche mit den Menschen. Aktuell bereite ich unter anderem den nächten Amateurfussballkongress des DFB in Kassel im Februar vor, bei dem sich rund 150 Vertreter von Amateurvereinen treffen werden. Ich kann es mir daher kaum vorstellen, dass mir irgendjemand ernsthaft erzählen kann, ich – beziehungsweise der DFB – hätte den Kontakt zur Basis verloren. Wie gesagt: Dieser Vorwurf ist reiner Populismus.

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Als Vizepräsident des DFB sind Sie unter anderem auch für das Schiedsrichterwesen zuständig. Da drängt sich natürlich die Frage auf, warum sich die deutschen Schiedsrichter mit dem Videobeweis eigentlich so schwer tun.

Zimmermann: Da kann ich mit einer Gegenfrage antworten: Warum tun sich die deutschen Fußballfans so schwer mit dem Videobeweis? Ich finde nicht, dass sich unsere Schiedsrichter hier schwer tun. Wie immer, wenn man etwas Neues einführt, muss man sich erst an die Systematik gewöhnen. Schauen wir doch einmal auf die aktuelle Bundesliga-Saison: Wir haben drei Spieltage gehabt, an denen es, zugegeben, ein paar Probleme gegeben hat. Die restlichen 14 Spieltage sind mehr oder weniger völlig geräuschlos über die Bühne gegangen. Bei uns erhitzt sich immer alles an einem einzelnen Vorgang, und dann ist sofort die ganze Systematik schlecht. Das ist vielleicht genau das, was man ‚typisch deutsch’ nennt. Insgesamt kann man sagen, dass der Videobeweis funktioniert. Es werden viele Fehler, die auf dem Platz nun einmal passieren, korrigiert. Die einzige Schwachstelle sind die Grenzbereiche. Die haben aber im Grunde nichts mit dem Videobeweis zu tun. Nehmen wir zum Beispiel die Handspielauslegung: Da sagt der eine ‚Hand’, der andere ‚kein Hand“. Über so etwas wird immer diskutiert, und zwar mit oder ohne Videobeweis. Hinzu kommt natürlich die jeweilige Betroffenheit. Die WM fand jeder super, aber in Deutschland interessiert sich halt auch kaum jemand für eventuelle Fehler bei England gegen Tunesien. Geschieht das gleiche aber bei Schalke gegen Dortmund, dann ist wieder mal alles für die Tonne.

Kann es Ihrer Meinung nach in Zukunft eine Spezialisierung in Richtung reine Feld-Schiedsrichter und reine Video-Schiedsrichter geben?

Zimmermann: Absolut. Wir sind ja erst am Anfang eines langen Weges. Wir entwickeln jeden Bereich permanent weiter. Ursprünglich war es ja auch so, dass jeder, der pfeift, immer auch Assistent war und jeder Assistent auch mal pfeift. Auch hier ist mittlerweile so nach und nach eine Spezialisierung eingetreten. Ich glaube, dass es beim Videobeweis bald auch so sein wird. Wenn sich herausstellen sollte, dass der eine der bessere Feldschiedsrichter ist und der andere halt seine Vorzüge als Videoassistent hat, dann wird dies ein weiterer Schritt in der Entwicklung sein.

Wir stehen ja unmittelbar vor dem Jahreswechsel. Was wünscht sich der Vize-Präsident des DFB für seinen Verband?

Zimmermann: Was ich mir wirklich wünsche, betrifft nicht nur den Fußball alleine. Ich wünsche mir nämlich viel mehr Gelassenheit und Freundlichkeit in unserem Land, sowie ein bisschen mehr Verständnis für andere Menschen.