Fußball - Das sportliche Leben steht bis 19. April auch in Hohenlohe völlig still / Die FN sprachen mit Trainern und Verantwortlichen über den Umgang mit der Krise „Echte Herausforderung für die Vereine“

Von 
Robert Stolz
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Am ersten Spieltag am 8. März zum Beginn der Rückrunde in Harthausen war die Fußballwelt Hohenlohes noch in Ordnung. Heute stellt sich jeder die Frage: Wann können die Fußballer überhaupt wieder auflaufen? © Robert Stolz

Im Bereich des Württembergischen Fußballverbandes (WFV) muss auf Grundlage der Rechtsverordnung der Landesregierung vom 17 März sowohl der Trainings- als auch der Spielbetrieb bis mindestens 19. April (Ende der Osterferien) ruhen. Dies trifft vor allem auch die vielen Amateurclubs. Was halten Vereine im Bezirk Hohenlohe von den Maßnahmen und wie stellen sie sich auf diese schwierige Situation ein?

Fit über die „Apps“

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Der Trainingsbetrieb ist eingestellt, das Gelände gesperrt und die halbe Rückrunde abgesagt. „Unsere Spieler halten sich individuell mit zwei Apps fit“, erklärt Trainer Arben Kaludra vom Bezirksligisten SV Wachbach.

„Ich bezweifle aber, dass diese Saison nochmal regulärer Spielbetrieb stattfinden kann oder die Saison fertig gespielt werden wird.“ Die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus’ hält Kaludra für sinnvoll und „wir setzen diese selbstverständlich um. Es gibt eindeutig Wichtigeres als Fußball. Aber natürlich fehlt uns der Fußball sehr, genauso wie der soziale Kontakt untereinander“.

Kaludra, der nach der Runde als Trainer aufhört, würde sich persönlich ein schöneres Ende seiner Trainertätigkeit beim SV Wachbach wünschen. Mit der bisherigen Vorgehensweise des Verbands/Bezirks zeigt er sich zufrieden. „Wir alle sind von der Dynamik des Geschehens überrumpelt worden, da ist es schwer, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Letztlich ist auch der WFV an die Vorgaben der Landesregierung gebunden.“

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Gespannt ist der Wachbacher Trainer, wie die Verbände die Saison werten wird. „Eine für alle gerechte Lösung kann es leider nicht geben“, meint Kaludra und hofft, dass es wenigstens einheitliche Vorgehensweisen sein werden und nicht jeder Verband sein eigenes Süppchen kochen wird.

„Abstieg aussetzen“

„Im Amateurbereich sollte der Abstieg aus meiner momentanen Sicht ausgesetzt werden, der jeweilige Tabellenführer aufsteigen und im folgenden Jahr mit größerer Anzahl und verschärftem Abstieg gespielt werden. Grundlage sollte die Vorrundentabelle sein, dann gäbe es keine Wettbewerbsverzerrung aufgrund des Spielplans. Schöner wäre aber eine sportliche Lösung.“

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Auch Edgar Klärle, Trainer beim Bezirksligisten SGM Weikersheim/Schäftersheim, findet, dass der WFV bisher alles richtig gemacht hat. „Wir müssen abwarten und alles dafür tun, dass wir unser einzigartiges Spiel, das wir so lieben, wieder so, wie wir es kennen, spielen können.“ Seinen Spielern hat Klärle für diese Zeit neue Trainingspläne erstellt.

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Mandes Rüger, Vorsitzender des A3-Ligisten Spvgg. Gammesfeld, sieht die Vereine auch gesellschaftlich in der Verantwortung und meint: „Schon der erste Rückrundenspieltag hätte nicht mehr stattfinden dürfen.“ Seiner Meinung nach kann und darf das Vereinsleben nicht wirklich aufrecht erhalten bleiben. „Vielleicht kann man etwas an den Sportplätzen richten, aber auch nicht in Gruppen. Hier können nur einzelne Personen tätig werden, aber selbst das sollte derzeit nicht gemacht werden.“

Sportlich schade

Sportlich wäre es für Gammesfeld schade, denn sowohl die Herren als auch die Frauen sind Herbstmeister geworden. „Hier sind wir gespannt, wie sich die Lage entwickelt. Wir können nur abwarten und dann Entscheidungen akzeptieren.“ Die einzige Frage für Rüger ist: „Lernen wir aus dem Ganzen etwas für unsere Zukunft, oder steigen wir in das gleiche Hamsterrad wieder ein? Diese Frage aber sollte sich jeder am besten selber stellen und auch beantworten.“

Das Vereinsleben steht bei den Vereinen meist komplett still. Wie beispielsweise auch beim FC Billingsbach (Kreisliga B4). Was kann man tun? Thilo Reckwardt, Berichterstatter beim FC, hat da auch keine Erfahrungen. „Das ist sicher eine Herausforderung für die Vereine. Hier wären wir für Ideen dankbar. Ein erstes gutes Beispiel, das ich gesehen habe, ist die Sportstunde von Alba Berlin. Die zeigen auf ihrem Youtube-Kanal täglich für Kinder eine Live-Sportstunde. Vom VfB Stuttgart gibt es die ,VfB Stuttgart Trickkiste App’ für Kinder und Jugendliche, die finde ich auch gelungen.“