Fußball - Zweitliga-Frauen der Würzburger fordern rasche Fortsetzung des Spielbetriebs und pochen auf den Status „Leistungssport“ / Personelle Veränderungen Deshalb fühlen sich Kickers wie Gallier

Von 
Steffen Krapf
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Wieder um Punkte spielen wollen die Zweitliga-Frauen des FC Würzburger Kickers (rote Hosen). Aufgrund des Lockdowns ruht der Spielbetrieb seit etwa vier Monaten. © Steffen Krapf

Über vier Monate ist es mittlerweile her, dass die Fußballerinnen der Würzburger Kickers auf dem Spielfeld ihr Können zeigen durften. Nach zwei Saisonspielen war für das Team vom Würzburger Stadtteil Heuchelhof im vergangen Oktober schon wieder Schluss. Der „Lockdown“ ab November, mit dem Verbot für Freizeit- und Amateursport, zwang auch die 2. Frauen-Bundesliga in die verfrühte Winterpause.

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Zufrieden waren damit nicht alle Beteiligten – vor allem was die Art und Weise betraf. Die Sache ist etwas spitzfindig, was die zweithöchste Spielklasse der Fußballerinnen angeht. Schon frühzeitig kritisierten die Kickers-Verantwortlichen das Vorgehen des Deutschen Fußballbunds (DFB). „Die Flinte wurde zu früh ins Korn geworfen“, sagte FWK-Frauen-Vorstand Heinz Reinders Ende 2020 (wir berichteten).

Rechtlich gesehen, ergab die Vorgehensweise Sinn: Die 2. Bundesliga der Frauen wird dem Amateursport zugeordnet. Die Krux daran ist jedoch: Gleichzeitig handelt es sich bei den Zweitliga-Teams zweifellos auch um Leistungssportteams.

Dreimal wöchentlich Training

Der Trainingsbetrieb war den Kickers-Frauen auch durchweg gestattet – im Gegensatz etwa zu bayerischen Männer-Regionalligafußballteams. Erst- und Zweitligamannschaften sowie Kader- oder Olympiaathleten wird der Trainingsbetrieb gestattet. Nach einer Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und den örtlichen Behörden bittet Trainer Gernot Haubenthal die Kickers-Frauen auch seit November dreimal wöchentlich zum Training. Auf Kontakt-Trainingsformen verzichtet man freiwillig, außerdem werden sämtliche Hygieneauflagen penibel umgesetzt, heißt es vom Verein.

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Aber was ist Leistungssport schon (dauerhaft) ohne Wettkampf? „Wir haben Spielerinnen, die monatlich fast 2500 Kilometer allein zum Training fahren und voll trainieren“, klärt Heinz Reinders auf. „Wir haben keine Probleme mit dem Abbruch, Gesundheit geht vor und wir tragen gerne unseren Teil dazu bei. Aber die Teams der 2. Frauen-Bundesliga haben etwas mehr als nur warme Worte verdient“, so Heinz Reinders.

Immerhin hat der DFB sich in der Vergangenheit höchstselbst zur 2. Bundesliga als Ausbildungsliga für den deutschen Frauenfußball bekannt. Daher irritiert es die Vereine, dass sie während der Krise recht plump hinten runterfallen. Mittlerweile ist allerdings etwas Bewegung in die Angelegenheit gekommen. Der DFB hat den 17 Vereinen ein Konzept vorgelegt, wie der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden könnte. Das DFB-Konzept hat – aus Sicht der Kickers – aber einen gewaltigen Haken. Die Kosten der im Konzept geforderten Antigen-Schnelltests – zweimal pro Woche für alle Spielerinnen – müssten die Klubs selbst tragen. Mehrkosten von mindestens 7500 Euro würden dadurch jeweils auf die Vereine zukommen. Das entspricht im Falle der Kickers in etwa dem kalkulierten Reiseetat einer Halbserie. Die Zusatzkosten wären in der ohnehin schon komplizierten Saison kaum zu stemmen.

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„Dem DFB muss klar sein, wenn er den Spielbetrieb der 2. Frauen-Bundesliga will, dass die Vereine an ihre finanzielle und strukturelle Belastungsgrenze gehen“, warnt Gudrun Reinders, Vorsitzende der Frauenfußballabteilung des FWK. Die Kickers forderten den DFB dazu auf, die Kosten zu tragen. Viele Vereine zeigten sich schnell solidarisch mit dem FWK, darunter die TSG Hoffenheim und der FC Bayern München, die jeweils ihre zweite Mannschaft in der Liga haben.

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„Der DFB muss zeigen, dass ihm der Leistungssport der Frauen das gleiche Engagement wie bei den Männern wert ist“, betont Gudrun Reinders. Wenn der DFB möchte, dass seine Talente weiter in der 2. Liga ausgebildet werden, müsse er auch dafür sorgen, dass wieder gespielt werden kann, fordert Heinz Reinders. „Da kann man nicht einfach die Hand aufhalten und sagen: zahlt mal, damit ihr spielen könnt.“

Re-Start Ende März in Aussicht

Ein bisschen hat man sich in den letzten Wochen gefühlt wie ein „gallisches Dorf“, das sich gegen den großen DFB auflehnt, verrät Heinz Reinders. Aber die „Gallier“ haben wohl ein paar Wirkungstreffer erzielt. Der DFB prüft derzeit die Kostenübernahme der Antigen-Schnelltests. Als Termin für einen Saison-Re-Start stellt der DFB Ende März in Aussicht. Die Kickers wären bereit, auch wenn derzeit der Trainingsbetrieb Schneefall-bedingt ein paar mal ausfallen musste.

Im Kader vermeldete der Klub nach der Winterpause einige Änderungen. Die beiden US-Amerikanerinnen Kaiya McCullough und Arianna Veland haben den FWK, nach nur drei Pflichtspielen, bereits wieder verlassen. Als Neuzugänge wurden Anne Förster (VfL Sindelfingen), Johanna Popp (TSV Crailsheim) und die Kanadierin Jenaya Robertson (Trinity Western University) verpflichtet werden.