Fußball - Badischer und Württembergischer Verband lassen derzeit ein Gutachten erstellen / Entscheidung zum weiteren Spielbetrieb bleibt weiter offen „Belastbare Einschätzung nicht möglich“

Von 
Patrick Tittl
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Mitte September 2019 war die Fußballwelt noch in Ordnung: Wann Landesliga-Stürmer wie Ali Karsli vom SV Königshofen (gelbes Trikot) – hier im Heimspiel gegen den TSV Höpfingen – wieder spielen werden, ist weiter ungewiss. © Martin Herrmann

Die Sehnsucht danach, endlich wieder Fußball spielen zu dürfen, ist bei allen groß. Bei den einen, weil’s endlich wieder auf den Rasen gehen soll, bei den Vereinsverantwortlichen und Funktionären auch deshalb, weil jede Verlängerung der Corona-Pause auch herbe finanzielle Einschnitte bedeutet – wie in allen anderen Bereichen des Sports.

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Auch nach der bisher gesetzten Datumslinie 19. April ist sowohl im Badischen, als auch im Württembergischen Fußballverband zum gegenwärtigen Zeitpunkt weiterhin alles offen. Der BFV spielt auf seiner Homepage verschiedene Szenarien durch, und die reichen von möglichst zeitnah zu Ende spielen, bis hin zum völligen Saisonabbruch, aber: „Entschieden ist noch nichts“, erklärt der Verband gestern auf Anfrage der Fränkischen Nachrichten. Der Spielbetrieb bleibt bis auf Weiteres ausgesetzt, die Spielstätten bis 3. Mai geschlossen. Ohnehin gelte das vom Land verordnete Kontaktverbot nach heutigem Stand bis 15. Juni. „Es sind immer noch mehrere Szenarien zum Weiterspielen denkbar“, deshalb, so der BFV, „wird noch keine Entscheidung getroffen“. Auch ein vorzeitiger Abbruch sei (noch) nicht angedacht, da sich die Lage ja immer noch ändern könne, „zudem müsste das wohl ein Verbandstag entscheiden“.

Rechtliche Folgen prüfen

Beide Verbände, BFV und auch der Württembergische Fußballverband, lassen derzeit mögliche rechtliche Folgen einer etwaigen Entscheidung zum Weiterführen oder gar Abbruch der Saison extern durch ein entsprechendes Gutachten prüfen. Dabei geht es auch um Spielordnung, Satzung oder Haftungsfragen.

„Wir machen aktuell mit den Vereinen Videokonferenzen“, erklärt BFV-Sprecherin Annette Kaul gegenüber den FN, „Verbandsliga und Landesliga waren schon dran, jetzt folgen die Kreisstaffeln“. Auf diese Weise will sich der Verband auch ein Meinungsbild „draußen“ einholen. Annette Kaul: „Wir besprechen mit den Vereinen so direkt auch die aktuelle Lage.“ Und die ist weiterhin in der Schwebe: „Bevor das Gutachten nicht da ist und wir nicht mit den Vereinen gesprochen haben, wird auch keine Entscheidung fallen“, macht Annette Kaul deutlich. Man sehe im Verband auch „den Druck nicht gegeben“. Die Lage sei „zu unzuverlässig, um irgendetwas zu prognostizieren“, erklärt Kaul. Und offenbar weiß man sich da auch im Schulterschluss mit den Vereinen: „Die bringen uns da sehr viel Verständnis und Vertrauen entgegen.“ Jedem gerecht zu werden, hält man auch beim BFV für unmöglich: „Ein Szenario, das uns alle zufriedenstellt, gibt es definitiv nicht, das erkennen wir spätestens an den Rückmeldungen der Vereine.“ Es gebe Spielbetrieb-Szenarien, da sage die eine Hälfte: „Das ist das Fairste“, und die andere sagt: „Das wäre absolut unfair.“

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Auch der Württembergische Fußballverband kann derzeit nicht sagen, wann und unter welchen Voraussetzungen wieder gespielt wird.

„Es gibt kein Szenario, das alle Beteiligten zufrieden stellen wird“, erklärt der WFV gegenüber den FN, und sagt weiter: „Wenn zu den vorab vereinbarten Wettbewerbsbedingungen die Saison 2019/20 nicht zu Ende gespielt werden kann, resultieren daraus zahlreiche rechtliche Fragen.“ Diese lasse man, wie schon erwähnt, derzeit extern prüfen. „Wir rechnen mit Ergebnissen noch im Laufe der Woche. Erst dann wollen wir auf einer gesicherten Grundlage in die inhaltliche Diskussion gehen.“ Der WFV bittet die Vereine „um Verständnis dafür, dass wir uns mit allen rechtlichen Argumenten erst gründlich auseinandersetzen wollen und müssen“. Sowohl das Haftungsrisiko der Verbände als auch das persönliche der Entscheidungsträger machten dies erforderlich. „Vor allem geht es uns aber darum, die Rechtspositionen der Vereine zu wahren. Deshalb ist ein sorgfältiges Vorgehen in dieser wichtigen Frage zwingend.“

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Erforderlich sei, so der Verband, eine detaillierte Abstimmung über das weitere Vorgehen mit den Trägern der übergeordneten Ligen. „Auch dort gibt es noch keine Entscheidungen über den weiteren Saisonverlauf. Wenn wir isoliert vollendete Tatsachen schaffen, die später nicht in Einklang mit denen beispielsweise der Regionalliga Südwest gebracht werden können, gehen damit erhebliche rechtliche Probleme einher.“ Auch eine Entscheidung über die Aussetzung des Spielbetriebs bis 15. August oder 1. September „wäre zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht“.

Dynamische Entwicklung

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Die Rechtsverordnung des Landes Baden-Württemberg, die in der aktuellen Fassung erst am Montag in Kraft getreten ist, nennt im Moment den 3. Mai als Datum, bis zu dem es Einschränkungen des öffentlichen Lebens gibt, die auch die Austragung von Fußballspielen unmöglich machen.

„Eine belastbare Einschätzung, ob danach wieder gespielt werden kann, ist angesichts der dynamischen Entwicklungen nicht möglich.“ Nach der aktuellen Spielordnung dauert das Spieljahr bis 30. Juni. „Es erscheint rechtlich problematisch, bereits jetzt unwiderruflich darüber zu entscheiden, bis dahin auch dann nicht mehr zu spielen, sollte es rechtlich wieder möglich werden.“ Mit einer kompletten Aussetzung des Spielbetriebs und dem pauschalen Ausschluss von Alternativen wie zum Beispiel Geisterspielen, „würden wir zudem unsere Möglichkeiten, einen Landespokal-Sieger 2019/20 und damit den Teilnehmer am DFB-Pokal 2020/21 zu ermitteln, ohne zwingende Gründe erheblich einschränken. Dies wollen wir vermeiden“.

Abwarten wolle man außerdem die Beratungen zwischen Bund und Ministerpräsidenten am 30. April, in deren Rahmen eine gemeinsame Position zum Sport entwickelt werden soll. „Erst dann wird Klarheit herrschen, inwieweit das derzeitige Trainings- und Spielverbot im Fußball aufrechterhalten wird.“

WFV-Präsident Matthias Schöck: „Auch vor dem Hintergrund ständig neuer Wasserstandsmeldungen hinsichtlich der Fortführung der Saison sind wir gut beraten, einen kühlen Kopf zu bewahren und alle möglichen Alternativen auf die wichtigen Kriterien hin intensiv zu prüfen.“ Man habe, verdeutlicht der Präsident weiter, „sehr viele Gespräche geführt, Meinungen eingeholt und Szenarien durchgespielt. Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir in Baden-Württemberg eine einheitliche Haltung hinsichtlich unserer gemeinsamen Vorgehensweise haben. Uns allen ist bewusst, dass der Fußball eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft spielt, aber im Moment angesichts der gesundheitlichen Herausforderungen in den Hintergrund treten muss“.

Wie geht es aber beim WFV konkret weiter? „Sobald uns das beauftragte Rechtsgutachten vorliegt, werden sich unsere Verbandsgremien auf dieser Grundlage mit Modellen befassen, ob und gegebenenfalls wie die Saison 2019/20 zu Ende gebracht werden kann. In der Folge wollen wir uns dann innerhalb Baden-Württembergs und mit der Regionalliga Südwest abstimmen. Wir gehen davon aus, dass wir dann über die Ergebnisse der Beratungen Anfang Mai informieren können.“

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