Fechten - Nach einigen Aussagen in der Magro-Gerichtsverhandlung schlagen die Wellen in Tauberbischofsheim hoch / Beim Säbel will keiner Verantwortung haben "Spitzensport" in der Satzung verankert

Von 
Michael Fürst
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Der Fecht-Club Tauberbischofsheim wird nicht mehr lange Trägerverein des Olympiastützpunktes sein. Ob sich dann die Spitzensportförderung des Vereins im Zentrum ändert - darüber gibt es höchst unterschiedliche Auffassungen.

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Die Gerichtsverhandlung über die Kündigung von Florett-Bundestrainer Andrea Magro am Dienstag in Tauberbischofsheim (wir berichteten) hat neue Fragen in Sachen "Zukunft des Fechtens in Tauberbischofsheim" aufgeworfen. Die Aussage von Rechtsanwalt Markus Karl, der Fecht-Club wolle künftig keinen Spitzen- und Leistungssport mehr betreiben, sondern sich auf Kinder- und Jugendarbeit zurückbesinnen, hat in der Stadt für gehörige Diskussionen gesorgt.

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"Der FC TBB ist Träger des OSP und betreibt satzungsgemäß Fechten als Spitzensport," mit diesen Worten reagierte Bürgermeister Wolfgang Vockel auf die Anfrage der Fränkischen Nachrichten. Weiter fügte er an: "Die Stadt Tauberbischofsheim ist Mitglied des Vereins FC Tauberbischofsheim. Gemäß der uns vorliegenden und erst im Oktober 2016 neu gefassten Satzung verwirklicht der Fecht-Club seinen Vereinszweck ausdrücklich auch im Spitzensport. Es ist der Stadt nicht bekannt, dass es eine Entscheidung der Mitgliederversammlung gegeben hat, dies aufzugeben."

Harald Stempfer, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Fecht-Clubs, möchte Ruhe in die Sache bringen und relativierte: "Man kann da keine Pauschalaussage treffen. Man darf das eine nicht losgelöst vom anderen sehen." Er erklärte die Sachlage so: Der Verein Fecht-Club Tauberbischofsheim übe aktuell zwei Rollen aus. Die erste sei die originäre Vereinsarbeit an sich, so wie jeder andere "normale" Verein in Deutschland auch. "In dieser Rolle war es nie unsere Aufgabe, Spitzensportförderung zu betreiben", so Stempfers Auffassung. Die zweite Rolle sei die als Trägerverein für den Olympiastützpunkt und das Verbandszentrum. Damit verbunden ist seit eh und je die Verantwortung für die Einrichtung an sich.

Da der Fecht-Club im Zuge der Leistungssportreform des DOSB allerdings die Trägerschaft am OSP verlieren und diese zum Landessport-Verband übergehen wird, verändern sich Strukturen und Zuständigkeiten im Haus. "Es wird", und das stellte Stempfer klar, "weiter Leistungs- und Spitzensport in diesem Haus geben." Verantwortlich dafür seien allerdings die Fachverbände Nordbadischer Fechter-Bund, Landessport-Verband und Deutscher Fechter-Bund (DFeB) - so die Ansicht des geschäftsführenden FC-Vorstandsmitglieds. Der Verein habe dabei kein Mitspracherecht. Harald Stempfer hat es sich auf die Fahne geschrieben, diesen "Komplex Fechten" nach und nach zu entflechten und übersichtlicher zu gestalten. Es gibt nämlich Zusammenhänge im Haus, die nicht einmal die Mitarbeiter wissen können.

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Der DFeB äußert sich in Person von Sportdirektor Sven Ressel zur aktuellen Situation wie folgt: "Wir, der Deutsche Fechter-Bund, haben einen Bundesstützpunkt in Tauberbischofsheim. Unsere Schwerpunktdisziplinen dort sind Damen-Florett und Herren-Degen. Hierfür werden wir auch das Trainerpersonal zur Verfügung stellen. Über die anderen Disziplinen entscheidet der FC. Hierfür geben wir als Spitzensportverband keine Mittel."

Das hört sich von Vereinsseite her anders an: Am Rande der Deutschen Florett-Meisterschaften sickerte durch, dass man sich Gedanken um die Zukunft der Disziplin Säbel in "TBB" mache. "Da ist vonseiten des FC nichts dran. Da müsste man die Fachverbände fragen", so Stempfer. Auch beim Fechten kann man sich also elegant die Bälle zuspielen. . .

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Gar nicht begeistert wird Marketing-Chefin Rita König sein. Wie möchte sie potente Sponsoren halten geschweige denn neu dazu gewinnen, wenn der FC nicht mehr mit Spitzensport werben kann? Die Silbermedaillengewinnerin von 2000 wollte sich gestern zu der aktuellen Entwicklung nicht äußern und verwies auf ein heutiges Treffen mit dem Stiftungsrat.

Ressortleitung Leiter der Redaktionen Buchen und Sport