Fechten - Auch die verpasste Olympia-Qualifikation und eine Operation haben Anne Sauer nicht entmutigt – sie fasst Paris 2024 ins Auge Mit ungebrochener Motivation

Von 
Michael Fürst
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Weiter voll fokussiert: Anne Sauer von Future Fencing Werbach wird trotz der Enttäuschung bei der jüngsten Olympia-Qualifikation ihr Florett nicht an den Nagel hängen, sondern bis zu den nächsten „Spielen“ 2024 in Paris durchziehen. Aktuell erholt sie sich aber von den Folgen einer Operation. © dpa

Als Hobbysportler weiß man, wie schwer Niederlagen und Negativerlebnisse schmerzen können: ein in letzter Minute verlorenes Derby, eine wegen der Tordifferenz verpasste Meisterschaft, ein Abstieg wegen eines fehlenden Punktes. Jeder noch so empathische Sportler kann aber kaum ermessen, was Anne Sauer an jenem 23. Februar dieses Jahres gefühlt haben muss: Da platzte im russischen Kazan für das deutsche Frauen-Florett-Team der Traum von der ersten Olympia-Teilnahme (wir berichteten). Vier Jahre lang hatte die 29-Jährige Florettfechterin von Future Fencing Werbach dafür geschuftet, in Tokio dabei zu, alles hinten angestellt - und dann plötzlich wurde sie von der grausamen Gewissheit überwältigt.

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„Es war brutal. Es war so brutal, dass ich mich gar nicht mehr genau daran erinnern kann. Zwei, drei Wochen danach ging gar nichts bei mir. Ich bin in ein tiefes Loch gefallen“, sagt sie jetzt. Ihre Familie, ihr Freundeskreis und ihr Freund Benjamin Kleibrink, Florett-Olympiasieger von 2008, haben ihr dabei geholfen, wieder aus diesem Loch zu krabbeln, erzählt sie. Aber wer Anne Sauer kennt, der weiß, dass sie vermutlich auch ohne Hilfe aus diesem Tief gekommen wäre. Sie ist ein Stehaufmännchen, die personifizierte Motivation, ein Energiebündel. „Diese Motivation ist tief in einem drin. Ich möchte es mir beweisen, dass ich gut genug bin, um zu Olympia zu fahren“, sagt sie.

Sie sprüht wieder vor Tatendrang. Naja, nicht ganz: Aktuell erholt sich die Nationalfechterin von einer Oberschenkeloperation, absolviert geduldig ihr Reha-Programm und sammelt sich für einen neuen Anlauf: „Ich hänge mein Florett gar nicht an die Wand. Ich habe schon vor Beginn der jetzt beendeten Qualifikation gesagt, dass ich auf jeden Fall bis 2024 weiter mache“, antwortet sie fast schon ein wenig trotzig auf die Frage, ob sie in den schweren Stunden des Februars auch ans Aufhören gedacht habe.

Von „Tauber“ nach Bonn

Um den Weg zu „den Spielen“ in Paris dann erfolgreich bestreiten zu können, hat sie neue Reizpunkte in ihrem Leben gesetzt. Anne Sauer wohnt nun nicht mehr in Tauberbischofsheim, sondern seit 1. Juni in Bonn, zusammen mit ihrem Freund Benjamin Kleibrink. Dort, im Bundesstützpunkt Bonn, wird sie nun auch das „normale Trainingsprogramm“ absolvieren. Zu den offiziellen Lehrgängen und Einheiten des Deutschen Fechter-Bundes mit Bundestrainer Giovanni Bortolaso kommt sie dann aber wieder nach Tauberbischofsheim. „Ein anderes Umfeld, andere Trainingspartner, eine andere Physiotherapie - das kann mich nur noch einmal weiter bringen“, glaubt sie.

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Parallel zum Fechten hat die Sportsoldatin noch den B-Schein als Fitnesstrainerin erworben; sobald sie nach ihrer OP wieder vollständig belastbar ist, wird sie auch den „Personal-A-Trainer“, die höchste Lizenz im Fitness-Sektor, „machen“. Damit baut sie sich bereits ein Fundament für ihre berufliche Zukunft nach der Fecht-Karriere: „Fitness- oder Athletiktrainer fände ich cool. Im Fechten wäre das natürlich super - aber ich bin auch für alle anderen Sportarten offen“, sagt sie. Aber so weit ist es ja zumindest in den nächsten vier Jahren noch nicht…

Die ersten „Erfolge“ im Fitnessbereich hat sie jüngst gefeiert. Während des corona-bedingten Lockdowns produzierte die 29-Jährige in Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthilfe auf Facebook Live-Workouts. Was als einmalige Sache gedacht war wurde zu einem „Sechsteiler“. „Das Interesse war riesig, es entwickelte sich ein regelrechter Boom“, freut sie sich. Auch auf ihrem Instagram-Kanal hatte sie die Fitnessübungen für jedermann „befeuert“.

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Jetzt muss Anne Sauer erst einmal selbst wieder fit werden. Und wenn sie das ist, dann wird sie wieder angreifen und erneut alles dafür tun, dass sie am Ende der Olympia-Qualifikation 2024 eines dieser unbeschreiblichen schönen Gefühle des Sports erleben kann

Ressortleitung Leiter der Redaktionen Buchen und Sport